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Früh übt sich: Kids in Musikbands

15.02.2019 |
  • Erlebnis

Mehr als 600’000 Personen sind in der Schweiz Mitglied eines Musikvereins. Musikvereine verbinden und vereinen. Trotzdem sind deren Mitgliederzahlen rückläufig. Wir sprechen mit Dai Kimoto, dem Dirigenten der erfolgreichen Kinderband Swing Kids über Musik, Freunde und die Zukunft der Musikvereine in der Schweiz. 

Dai Kimoto, Dirigent von Swing Kids
Dai Kimoto, Dirigent von Swing Kids

Dai Kimoto lebt seit 40 Jahren in der Schweiz, seit 30 Jahren unterrichtet er Musik. Der gebürtige Japaner ist mit Leib und Seele Musiker. «Musik ist wie meine Religion», sagt er und ergänzt: «Ich finde, dass die Musik der grösste Reichtum der Menschheit ist.»  So ist es nicht verwunderlich, dass der passionierte Trompeter und Dirigent sein Leben der Musik und dem Weitergeben seiner Leidenschaft an die jüngere Generation verschrieben hat. Vor 16 Jahren gründete Kimoto die Ostschweizer Kinderband Swing Kids. Zusammen mit den musizierenden Kids tritt er nicht nur in der Schweiz in Konzerthallen sowie an Firmen- und Privatanlässen auf, sondern bereist mit ihnen die ganze Welt. Sie waren schon mehrere Male in Japan, Argentinien und den USA unterwegs. Aber auch Fernsehauftritte und einen Dokumentarfilm kann die erfolgreiche Kinderband vorweisen.

Die Zukunft der Musikvereine in der Schweiz

Das gemeinsame Musizieren und Auftreten bereitet den (jungen) Musizierenden nicht nur viel Freude, sondern bietet auch unterschiedlichste kognitive und soziale Vorteile. Trotzdem ist es Tatsache, dass die Zukunft vieler Musikvereine ungewiss ist. Laut des Schweizer Blasmusikverbands (SBV) sinken die Mitgliederzahlen stetig. Musikvereine tun sich schwer, Mitglieder zu halten sowie Nachwuchs zu gewinnen. Die Gründe für das Ausbleiben des Nachwuchses sind vielseitig: Einerseits ist das Freizeitangebot stark gewachsen und so auch der Konkurrenzkampf unter Sport-, Schul- und Musikvereinen. Andererseits fehlt es oft an übergreifenden Jugendförderprogrammen, die beispielsweise die Zusammenarbeit von Musikschulen und Primarschulen mit Musikvereinen begünstigen würden.

Viele Eltern sind sich einig, dass Musikschulen einen wichtigen musikalischen Bildungsauftrag haben. Dai Kimoto ist aber der Meinung, dass sich unser Musikschulsystem zu stark auf den Einzelunterricht orientiert. «Viele Kinder gehen jahrelang in den Unterricht, bekommen aber oftmals nicht die Gelegenheit, in einer Band oder einem Orchester zu spielen. Gemeinsam zu musizieren ist anders, als alleine ein Instrument zu spielen. So hören viele Kinder irgendwann auf, weil es ihnen verleidet», erklärt Kimoto. Mit der Kinderband Swing Kids bietet er jeweils bis zu 15 Kindern und Jugendlichen einen Platz an. In der Gruppe können die ausgewählten Kinder mit anderen musizieren und zusammen vor Publikum auftreten. «So geht die Freude an der Musik nicht verloren», erklärt der engagierte Dirigent.

Kimoto ist überzeugt, dass wenn Kinder von klein auf in einem musikalischen Umfeld aufwachsen, sich auch die Gabe und Freude fürs Musizieren auf natürliche Art und Weise entwickle: «Bei der Musik sind Rhythmusgefühl sowie ein musikalisches Gehör und Ausdruck entscheidend, wie weit man als Musiker oder Musikerin kommt. Das lernt man als Kind. Dazu kommt, dass man mit Freude musizieren sollte. Ohne Freude an der Musik geht gar nichts. Und das kann man meiner Meinung fast nur in der Gruppe lernen», so Kimoto, der mit seiner Familie im Kanton Thurgau wohnt.

Die Kinderband Swing Kids

Seit 16 Jahren gibt es die Kinderband Swing Kids: Kinder von acht bis 18 Jahren treten über 60 Mal pro Jahr mit viel Freude und Elan auf.

Musik schafft Freunde fürs Leben

Studien der Oxford University haben das Phänomen «in der Gruppe musizieren» näher untersucht und herausgefunden, dass die aufheiternde Wirkung von Musik schon den Frühmenschen bewusst war. Ihr Gemeinschaftsgefühl stärkte sich durch gemeinsames Musizieren und Tanzen. Dabei wurden viele Endorphine ausgeschüttet. Heutzutage ist das nicht anders: Musik machen in der Gruppe hat eine beglückende Wirkung, verbindet Menschen und schafft Freundschaften.

Die Swing Kids in Argentinien

Zusammen bereisen sie die Welt: Die Swing Kids waren schon mehrere Male in Argentinien, wo sie die Iguazú-Wasserfälle besuchten.

Bei den Swing Kids ist es tatsächlich so, dass das gemeinsame Musizieren, Reisen und Auftreten sie besonders eng zusammengeschweisst hat. «Wir treten durchschnittlich 60 Mal pro Jahr auf und bereisen zusammen verschiedene Länder und Kontinente. Die Musik und die gemeinsame Freude an der Musik hat aus uns eine Familie gemacht», erzählt Kimoto. So treffen sich die ehemaligen Swing Kids noch immer regelmässig und auch sonst sind sehr viele wunderschöne Freundschaften entstanden. «Einige der ehemaligen Kids sind sehr gute Freunde von mir geworden», meint der passionierte Musiker, der drei eigene Kinder hat.

Das nächste grosse musikalische Abenteuer steht für die Swing Kids im April 2019 an. Dann geht es zum neunten Mal nach Japan. In 17 Tage wird die Gruppe 13 Konzerte in 12 Städten geben. «Die Kids und ich freuen uns darauf: Einige freuen sich, ihre Gastfamilien von der letzten Reise wieder zu sehen, andere freuen sich auf das japanische Essen – aber alle zusammen freuen wir uns auf die Konzerte», erklärt Dai Kimoto strahlend. Man spürt förmlich, dass Musik sein Leben ist. Oder eben seine Religion. Er denkt auch nach 30 Jahren überhaupt nicht ans Aufhören. Seit er jung sei, lebe er ausschliesslich im Moment, beschreibt Kimoto seine Lebenseinstellung und ergänzt: «Ich bin der Meinung, dass man das Leben nicht selber bestimmen kann.» So gibt er weiterhin seine unbändige Freude an der Musik weiter – sowohl an die junge Besatzung der Swing Kids wie auch an die begeisterten Zuschauer aus nah und fern.

 

Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Der japanische Dirigent Dai Kimoto ist der Meinung, dass sich unser Musikschulsystem zu sehr auf den musikalischen Einzelunterricht fokussiert. Freude an der Musik und am Instrument lernt man besser in der Gruppe.
  • Musikvereine kämpfen mit rückläufigen Mitgliederzahlen und Nachwuchsproblemen. Das Problem ist unter anderem, dass das Freizeitangebot sehr breit ist und Kinder/Jugendliche sie für andere Hobbies entscheiden
  • Gemeinsames Musizieren verbindet und schafft Freundschaften fürs Leben. Das sieht man auch bei den Swing Kids. Sie treten mehr als 60 Mal im Jahr auf und bereisen zusammen die Welt. Das schweisst zusammen.

 

Über 49. Internationalen Raiffeisen-Jugendwettbewerb

Dieser Artikel ist Teil einer Serie zum Thema: «Musik bewegt», die exklusiv im Raiffeisen-Blog publiziert wird. Raiffeisen ist seit vielen Jahren Veranstalter des Jugendwettbewerbs. Dabei werden Kinder und Jugendliche in ihrer Kreativität gefördert und der Gemeinsinn von Schulklassen geschärft. Schirmherr des 49. Internationalen Raiffeisen-Jugendwettbewerbs ist Adrien Garrault, Director Universal Music & Brands bei Universal Music Group.

 

 

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