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Vorsicht, Gutscheine verjähren!

21.11.2016 |
  • Wirtschaft

Ein tolles Buch oder eher eine schöne DVD-Kollektion? Vielleicht lieber eine neue Sporttasche oder doch einen Radiowecker? Wer schenkt, hat oft die Qual der Wahl und entscheidet sich am Ende nicht selten für die vermeintlich sicherste Lösung: den Gutschein.

Doch für den Beschenkten ist die Sache alles andere als risikofrei. Denn obschon Gutscheine aus rechtlicher Sicht quasi bares Geld sind, verjähren sie irgendwann und verlieren damit ihren gesamten Wert. Diese Verjährungsfrist beträgt je nach Gutschein fünf oder zehn Jahre und wird im Obligationenrecht (OR) geregelt. Gutscheine für Waren aller Art oder Restaurantbesuche fallen unter den Artikel 128 (OR) und verjähren nach fünf Jahren. Für alle anderen Gutscheine, etwa für Reisen, Hotelübernachtungen, Musical- und Kinoeintritte beträgt die Verjährungsfrist laut Artikel 127 (OR) sogar zehn Jahre. Trotzdem: Ist diese Frist nach Ausstellungsdatum verstrichen, ist der Gutschein auch rechtlich gesehen wertlos.

Wer also weiterhin Gutscheine verschenken will, sollte sich vorgängig zumindest ansatzweise mit den Interessen und Bedürfnissen des Beschenkten auseinandersetzen.

 

Verfallsfristen: Recht und Praxis klaffen auseinander

Häufig werden Gutscheine bei der Ausgabe mit einem konkreten Verfalldatum versehen. In fast allen Fällen liegt die entsprechende Gültigkeitsdauer – oft sind es ein bis zwei Jahre – deutlich unter den gesetzlich festgeschriebenen Fristen im Obligationenrecht. Wer auf diese gesetzlichen Fristen bestehen will, müsste in einem Streitfall gegen den Geschäftsinhaber klagen und hätte sehr hohe Erfolgschancen. Denn der Artikel 129 (OR) verbietet es ausdrücklich, die in OR 127 und 128 definierten Verjährungsfristen (siehe oben) abzuändern. Deshalb sind Gutscheine immer fünf bis zehn Jahre gültig, auch wenn darauf eine andere Frist festgehalten ist. In der Realität wird von diesem Recht aber nur selten Gebrauch gemacht. Weil es bei den meisten Gutscheinen nur um geringe Beträge geht, wird der Aufwand für eine Klage von den Konsumenten gescheut. Konsumentenschützer gehen deshalb davon aus, dass in der Schweiz heute rund ein Drittel aller ausgestellten Gutscheine nie eingelöst wird und wertlos verfällt. Diese Praxis entspricht einer millionenschweren Geldvernichtung.

 

3 Tipps: So verfällt der Gutschein nicht

Bei der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) in Bern gehen monatlich diverse Klagen und Anfragen zum Thema Gutscheine ein. Die häufigsten Fälle, wie Cécile Thomi, Leiterin Recht bei der SKS, schildert: «Entweder sind die Gültigkeitsfristen der Anbieter abgelaufen oder der Anbieter existiert gar nicht mehr.» In letzterem Fall, etwa bei Konkurs oder Firmenübernahme, muss rechtlich geklärt werden, ob der neue Eigentümer sämtliche Altlasten inklusive Gutschein-Schulden übernommen hat oder nicht. Damit es erst gar nicht zu juristischen Auseinandersetzungen kommen muss, erteilt die SKS den Konsumenten Tipps, wie sie den Verfall von Gutscheinen verhindern können:

Cécile Thomi
Cécile Thomi
  1. Fordern Sie den Aussteller gleich beim Gutscheinerwerb auf, eine Gültigkeitsfrist von fünf oder zehn Jahren schriftlich darauf festzusetzen.
  2. Weisen Sie den Gutschein-Empfänger aktiv darauf hin, dass dieser beispielsweise nach zwei bis drei Jahren verfällt.
  3. Ist ein Gutschein verfallen, suchen Sie vor juristischen Schritten zuerst das Gespräch mit dem Aussteller. Viele Unternehmen zeigen sich kulant und anerkennen den Gutschein auch dann noch.

Auf der Webseite der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) gibt ein «Merkblatt Gutscheine» wertvolle Tipps und Informationen zum Thema: Zum Merkblatt Gutscheine.