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Wie Unternehmen wachsen

05.07.2017 |
  • Wirtschaft

Mehr… Umsatz, Gewinn, Mitarbeiter, Marktanteile – es gibt eine Unmenge von Kennzahlen zur Messung des unternehmerischen Erfolgs. Eine allgemein gültige Erfolgsformel gibt es aber nicht. So individuell jedes Unternehmen, so individuell die Wachstumsstrategien. Ein Streifzug durch mögliche Szenarien.

204% Umsatzwachstum zwischen 2012 und 2015 ‒ pro Jahr. Damit hüpfte die Zürcher Softwarefirma Sherpany in der von Handelszeitung, Le Temps und dem Statistikportal Statista erstmals durchgeführten Studie «Wachstum Champions 2017» aufs Siegerpodest. Sherpany ist 2011 von zwei Juristen frisch ab Studium und einem Elektrotechniker gegründet worden mit der Idee, eine digitale Plattform für den Austausch von Unternehmen und Aktionären zu entwickeln. 2012 zogen die Jungunternehmer damit zehn Firmen an Land, 2015 waren es schon 109.

Tobias Häckermann, Mitgründer und CEO von Sherpany in Zürich
Tobias Häckermann, Mitgründer und CEO von Sherpany in Zürich

Parallel zur Kundenakquise und inspiriert von Kunden entstand die Sherpany-App Nummer 2. Sie heisst Boardroom und sie verspricht Führungskräften und Verwaltungsräten «bessere Entscheidungen in kürzerer Zeit». Das Tool macht sich im Markt so prächtig, dass Sherpany inzwischen den Fokus darauf gerichtet hat. Umsatz generiert Sherpany in Form von Monatsbeitragen für die Nutzung der Tools. Das Umsatzwunder hat auf einem tiefen Niveau begonnen, die Umsatzentwicklung durchläuft eine steile Kurve.

So schön der Erfolg ist, so herausfordernd ist er auch. «Das Schwierige am Wachsen ist es, die richtigen Mitarbeiter zu finden», sagt Tobias Hackermann. 50 sind es inzwischen. Sherpany hat im untersuchten Zeitraum den Schritt vom Startup zum KMU gemacht und Hackermann den vom Mitgründer zum CEO. Das Know-how, wie so ein Unternehmen zu führen ist, habe er sich via Google und Blogs zusammengesucht, sagt der 32-Jährige. Er hat on the job ausprobiert und die Erfahrung gemacht: «Fehler sind gute Lehrer.» Sherpany ist ein Champion, aber kein Einzelfall: Im Land wimmelt es geradezu von stark wachsenden Jungfirmen mit einträglichen Geschäftsmodellen, 400 sind es pro 100‘000 Einwohner. Diese Verhältniszahl hat eine Ecoplan-Studie im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco hervorgebracht. Der Wert ist im internationalen Vergleich hoch.
 

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  • Die Zürcher Softwarefirma Sherpany wächst jährlich um 200 Prozent.
    Die Zürcher Softwarefirma Sherpany wächst jährlich um 200 Prozent.
  • Die digitale Plattform für den Austausch von Unternehmen und Aktionären wurde von zwei Juristen frisch ab Studium und einem Elektrotechniker gegründet.
    Die digitale Plattform für den Austausch von Unternehmen und Aktionären wurde von zwei Juristen frisch ab Studium und einem Elektrotechniker gegründet.
  • Vom schnellen Wachstum wurde Sherpany überrascht. Sie liefen Gefahr, sich zu verzetteln und mussten sich fokussieren.
    Vom schnellen Wachstum wurde Sherpany überrascht. Sie liefen Gefahr, sich zu verzetteln und mussten sich fokussieren.
  • 2011 starteten die Jungunternehmer. 2012 hatten Sie bereits zehn Kunden, 2015 waren es schon 109.
    2011 starteten die Jungunternehmer. 2012 hatten Sie bereits zehn Kunden, 2015 waren es schon 109.
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    Erfolg mit All-in-one-Chirurgie

    Etwas Bahnbrechendes erfinden ist das eine, damit im Markt Erfolg haben das andere. «Das Hauptproblem vieler Jungfirmen ist das Verkaufen», sagt Raiffeisen-Firmenkundenberater Philipp Müller. Dafür braucht es Geschäftssinn und Talent. Karl Ulrich Volz hat beides. Am 1. Mai 2016 hat in Kreuzlingen seine Klinik Swiss Biohealth eröffnet, «Behandlungsmethode und Chirurgiekonzept sind weltweit einzigartig».

    Karl Ulrich Volz, Gründer und Inhaber von Swiss Biohealth und SDS Swiss Dental Solutions
    Karl Ulrich Volz, Gründer und Inhaber von Swiss Biohealth und SDS Swiss Dental Solutions

    Volz bietet All-in-one, eine Generalüberholung des Gebisses in nur einer Sitzung. Das sei nur dank den von ihm entwickelten und in seinem Unternehmen SDS Swiss Dental Solutions hergestellten Keramikimplantaten überhaupt machbar, sagt er. Die Prozedur dauert zwischen drei und acht Stunden und kostet zwischen 3000 und 30‘000 Franken, «je nachdem, was es zu tun gibt». Im Preis inbegriffen sind die Nachbehandlungen an drei bis vier Tagen nach dem Eingriff. Wer sich von Volz das Gebiss sanieren und verschönern lässt, muss also eine Woche frei nehmen. Volz nimmt nicht jeden: All-in-one gibt es nur für Menschen mit intaktem Immunsystem und einem bestimmten Vitamin-D3-Wert im Blut. Beides klärt Volz im Vorfeld ab, wo nötig, berät er, wie diese Werte in den grünen Bereich zu bringen sind. Diesen Patienten gehe es schon spürbar besser, wenn sie zum Eingriff antreten, sagt Volz. Den Eingriff steckten sie dann mühelos und ohne Komplikationen weg.

    Volz hat Erfolg. «Patienten reisen aus der ganzen Welt an, die Wartezeit beträgt derzeit acht Monate», sagt er. Auch Berufskollegen lassen sich von ihm behandeln («ein Viertel meiner Patienten sind Zahnärzte») ‒ und inzwischen sogar ausbilden. Denn: Nur wer die Volzsche Methode erlernt hat, darf seine Keramikimplantate ordern und damit selber arbeiten. Seine Implantate sind sein Zweitgeschäft, ein vielversprechendes: «Wir wachsen derzeit pro Jahr 50 bis 80 Prozent», sagt er. Damit steigt der Selfmadeunternehmer zu Muskelprotzen wie dem Basler Implantate-Hersteller Straumann in den Ring – ohne dass diese für ihn gefährlich werden können. Denn bei Volz sind die Implantate nur ein Teil eines grosseren Ganzen. Sein nächstes Ziel: Weitere Kliniken eröffnen, die geführt werden von Zahnärzten, die Volz für sein All-in-one-Konzept zu Spezialisten ausgebildet hat.

     

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    • Volz hat innovative Keramikimplantate erfunden.
      Volz hat innovative Keramikimplantate erfunden.
    • Karl Ulrich Volz bietet seit 2016 in seiner Klinik in Kreuzlingen «All-in-one»-Behandlungen – eine Generalüberholung des Gebisses in einer Stunde.
      Karl Ulrich Volz bietet seit 2016 in seiner Klinik in Kreuzlingen «All-in-one»-Behandlungen – eine Generalüberholung des Gebisses in einer Stunde.
    • Volz schult auch Berufskollegen. Nur wer die Volzsche Methode erlernt hat, darf seine Keramikimplantate ordern und damit selber arbeiten.
      Volz schult auch Berufskollegen. Nur wer die Volzsche Methode erlernt hat, darf seine Keramikimplantate ordern und damit selber arbeiten.
    • Patienten reisen aus der ganzen Welt an, die Wartezeit beträgt derzeit acht Monate.
      Patienten reisen aus der ganzen Welt an, die Wartezeit beträgt derzeit acht Monate.
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      Fruchtschalen als Verkaufsschlager

      Beatrice Fasana, CEO Sandro Vanini
      Beatrice Fasana, CEO Sandro Vanini

      Geboren werden, wachsen, reifen, altern, sterben ‒ der Lebenszyklus gilt theoretisch auch für Unternehmen. Mit einem grossen Unterschied: Ihre Blütezeit kann dauerhaft bewahrt werden. «Dafür ist Wachstum unentbehrlich», sagt Beatrice Fasana, CEO von Sandro Vanini im Tessin. Das 1871 gegründete Traditionshaus mit 55 Mitarbeitern ist führender Hersteller von Frucht- und Gemüsespezialitäten aus dem Tessin. Hergestellt werden nicht nur Vanini-Produkte, sondern auch kundenspezifische Lebensmittel, darunter beispielsweise Le Patissier von Migros. Die sogenannten Private Labels spulen 80 Prozent des Umsatzes in die Kasse von Vanini respektive in jene der Haecky Gruppe in Reinach, zu der Vanini seit 1984 gehört. 2012 ‒ fast 30 Jahre nach der Übernahme ‒ hat Haecky Vanini mit dem Bau einer modernen Fabrik in Rivera TI und mit Fasana als Chefin neues Leben eingehaucht. 

      Um die Investitionen zu amortisieren, brauche sie Volumen, sagt Fasana. Um zu wachsen, konzentriert sie sich auf den Export und auf nur gerade drei Vanini-Spitzenprodukte: Mostarda Purée, Marronipüree und geriebene Zitronen- und Orangenschalen. Auf Letztere ist Fasana gekommen, als eine Drittfirma ihr den Auftrag erteilt hat, eine neue Backzutat zu entwickeln. Für Aufträge dieser Art steht ihr eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung sowie ein modernes Labor zur Verfügung, wo jeweils in Kooperation mit dem Kunden an Rezepturen und Verfahren getüftelt wird bis zur Perfektion.

      Die Zitronen- und Orangenschalen sind für sie ein Glückstreffer: Die Fruchtschalen ‒ «ein Abfallprodukt, wenn wir Früchte für Panettone kandieren» – sind. «hoch rentabel» und ein Verkaufsschlager. Überhaupt ist ihre Strategie von Erfolg gekrönt. «Wir haben in den letzten fünf Jahren 25 Prozent zugelegt», sagt Fasana. Den nächsten Coup hat die gebürtige Tessinerin, die an der ETH Lebensmittelwissenschaften studiert hat, bereits in Arbeit: Sie will in Japan, «ein absolutes Marroniland» (Fasana) mit ihrem Marronipüree Fuss fassen. Für dieses Vorhaben hat sie jüngst Exportmanager engagiert.
       

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      • Um die Investitionen zu amortisieren, braucht Vanini Volumen. Um zu wachsen, erobern sie neue ausländische Märkte.
        Um die Investitionen zu amortisieren, braucht Vanini Volumen. Um zu wachsen, erobern sie neue ausländische Märkte.
      • Hergestellt werden nicht nur Vanini-Produkte, sondern auch kundenspezifische Lebensmittel, darunter beispielsweise Le Patissier von Migros.
        Hergestellt werden nicht nur Vanini-Produkte, sondern auch kundenspezifische Lebensmittel, darunter beispielsweise Le Patissier von Migros.
      • Die Früchte werden für die Verarbeitung sortiert.
        Die Früchte werden für die Verarbeitung sortiert.
      • Die Haecky Gruppe in Reinach, zu der Vanini seit 1984 gehört, hat Vanini vor einigen Jahren mit dem Bau einer modernen Fabrik in Rivera TI und mit Fasana als Chefin neues Leben eingehaucht.
        Die Haecky Gruppe in Reinach, zu der Vanini seit 1984 gehört, hat Vanini vor einigen Jahren mit dem Bau einer modernen Fabrik in Rivera TI und mit Fasana als Chefin neues Leben eingehaucht.
      • Vieles geschieht in Handarbeit unter strengsten hygienischen Bedingungen.
        Vieles geschieht in Handarbeit unter strengsten hygienischen Bedingungen.
      • Die Fruchtspezialitäten werden etikettiert und verpackt.
        Die Fruchtspezialitäten werden etikettiert und verpackt.
      • Das 1871 gegründete Traditionshaus Sandro Vanini stellt im Tessin Frucht- und Gemüsespezialitäten her.
        Das 1871 gegründete Traditionshaus Sandro Vanini stellt im Tessin Frucht- und Gemüsespezialitäten her.
      • CEO Beatrice Fasana steigert laufend die Effizienz der Prozesse, um auf dem internationalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.
        CEO Beatrice Fasana steigert laufend die Effizienz der Prozesse, um auf dem internationalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.
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        Wenn wachsen nicht geht

        Daniel Brechbühl, Inhaber BC Cars in Barzheim, SH
        Daniel Brechbühl, Inhaber BC Cars in Barzheim, SH

        Wachstum: Seit Adam Smith (1723‒1790) gilt die Wohlstandsmehrung als Ziel des Wirtschaftens und Wachstum als Weg, dieses zu erreichen. Die allermeisten Unternehmen wollen auch wachsen. Aber längst nicht alle schaffen es ‒ aus unterschiedlichsten Gründen. Den einen fehlen Mut und Ideen, anderen das Geld und Daniel Brechbühl, Inhaber von BC Cars in Barzheim SH, findet nicht die Mitarbeiter, die er brauchte. Seine Spezialität heisst Unterbodenbehandlung. Seine Kunden sind Besitzer von Offroadern und Oldtimern. Die einen bringen ihren Wagen zwecks Rostvorsorge, die anderen für die nachhaltige Rostentfernung.

        Brechbühl arbeitet mit einem Mittel aus Deutschland, das nur er in die Schweiz importieren darf und verspricht, «nach dieser Prozedur hat man für immer Ruhe vor Rost.» Das breitete sich aus wie ein Lauffeuer, Brechbühl ist chronisch «auf Monate hinaus» ausgebucht. Um mehr Aufträge abzuwickeln, brauchte er Mitarbeiter. Diese mussten das gleiche Arbeitsethos haben wie er und sich von ihm ausbilden lassen. «Ich kann kein Know-how einkaufen, weil das, was ich mache, einzigartig ist.» Eine Zeitlang hat Brechbühl viel Energie hineingesteckt, «die richtigen Leute zu finden ‒ was aber weit schwieriger als gedacht ist.» Vorderhand ist und bleibt er die einzige Fachkraft in seinem Unternehmen. Seine Ausbauwünsche hat er nicht begraben, aber nach dem Motto «Gut Ding will Weile habe» von seiner Prioritätenliste genommen und im Hinterkopf deponiert.
         

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        • Daniel Brechbühl, Inhaber von BC Cars in Barzheim SH, findet nicht die Mitarbeiter, die er bräuchte.
          Daniel Brechbühl, Inhaber von BC Cars in Barzheim SH, findet nicht die Mitarbeiter, die er bräuchte.
        • Die Spezialität von Brechbühl heisst Unterbodenbehandlung. Seine Kunden sind Besitzer von Offroadern und Oldtimern.
          Die Spezialität von Brechbühl heisst Unterbodenbehandlung. Seine Kunden sind Besitzer von Offroadern und Oldtimern.
        • Die einen bringen ihren Wagen zwecks Rostvorsorge, die anderen für die nachhaltige Rostentfernung.
          Die einen bringen ihren Wagen zwecks Rostvorsorge, die anderen für die nachhaltige Rostentfernung.
        • Brechbühl kann kein Know-how einkaufen, weil das, was er macht, einzigartig ist.
          Brechbühl kann kein Know-how einkaufen, weil das, was er macht, einzigartig ist.
        • Brechbühl arbeitet zur Rostbehandlung mit einem Mittel aus Deutschland, das nur er in die Schweiz importieren darf.
          Brechbühl arbeitet zur Rostbehandlung mit einem Mittel aus Deutschland, das nur er in die Schweiz importieren darf.
        • Es gibt keine Ausbildung, vieles ist Erfahrung.
          Es gibt keine Ausbildung, vieles ist Erfahrung.
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