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Überwältigend – Windpark Gries

24.11.2016 |
  • Gesellschaft

Der höchstgelegene Windpark Europas liegt in der Schweiz. Bundesrätin Doris Leuthard hat am 30. September 2016 die drei neuen Windenergieanlagen beim Nufenenpass auf rund 2500 Metern über Meer eingeweiht.
 

Finanzpartnerin dieses Grossprojekts war Raiffeisen. Ihren Strom bezieht die Genossenschaftsbank zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie von verschiedenen Technologien mit Standort in der Schweiz, wie eben dieser Windpark Gries.

Technikfreaks staunen: Flügel – im Fachjargon Rotorblätter genannt – mit einem Durchmesser von 92 Metern, eine Gesamthöhe von 131 Metern und eine spektakuläre Anlieferung der überdimensionalen Bauteile.

Der 64 Tonnen schwere Generator und die 45 Meter langen Flügel wurden beispielsweise mit Spezialtransportern durch den Gotthardtunnel und dann die kurvige Passstrasse hinauf bis zur Baustelle gefahren – eine logistische Meisterleistung. In den Dörfern beobachteten Hausbewohner vom Fenster aus, wie haarscharf das Transportgut durch die engen Strassen gelotst werden musste; teilweise mit einem Abstand zur Hauswand von nur wenigen Zentimetern.

SwissWinds Development GmbH – ein ehemaliges Start-up-Unternehmen des KMU-Instituts der Universität St.Gallen – hat die erste Windenergieanlage im Wallis realisiert und ist Teilhaber mit einem Anteil von 70 Prozent.

 

10 Fragen an Martin Senn, Gründer von SwissWinds

Martin Senn, Gründer von SwissWinds
Martin Senn, Gründer von SwissWinds

Was gab es vor der Montage der Windräder zu regeln?

Im Frühling 2015 erhielten wir die definitive Baubewilligung, worauf wir umgehend die Bauarbeiten im Gelände aufgenommen haben: die Zufahrtstrasse wurde verbessert und der Aushub für die Fundamente gemacht. Dann kam der lange Winter. Im Juni 2016 mussten wir zuerst grosse Mengen an Schnee wegräumen.

Was musste beim Transport der überdimensionalen Bauteile beachtet werden?

Wir hatten uns beim Hersteller dafür eingesetzt, dass Schweizer Unternehmen für Transport und Aufbau der Windenergieanlagen eingesetzt werden, da wir deren Wissen und Erfahrung über die Transportwege sowie klimatischen Bedingungen als notwendig erachteten. Die Routen wurden mit Lasern ausgemessen. Teilweise war sogar Feinarbeit notwendig, um die riesigen Teile durch die Dörfer lotsen zu können. Am Ende haben die nächtlichen Transporte ab Zoll Thayngen SH, durch den Gotthard-Tunnel und über den Nufenenpass bis zum Bauplatz an alpiner Lage problemlos geklappt. Die Begleitung der Transportkonvois durch die kantonalen Polizeikorps war sehr professionell.

 

Was wurde auf dem Nufenenpass zum Schutz der Fledermäuse und Vögel unternommen?

Durch zeitlich begrenzte Abschaltungen sollen migrierende Fledermäuse geschützt werden. Die Abschaltungen erfolgen zuerst einem während den theoretisch vermuteten Migrationszeiten. Später werden die Abschaltungen aufgrund der aus einem Monitoring resultierenden Daten schrittweise angepasst. Das Monitoring wird wissenschaftlich begleitet.

 

Was bleibt Ihnen vom Projekt Gries in besonders guter Erinnerung?

Am 15. Februar 2008 stellten wir das Projekt der Ur- und Bürgerversammlung der damaligen Gemeinde Ulrichen vor. Wir informierten ausführlich über das Projekt und gingen auf alle Fragen ein – auch die kritischen. Am Ende wurde unser Projekt einstimmig gutgeheissen. Diese Unterstützung ist einmalig und hat uns immer wieder bestärkt.

 

Wieviel Strom produzierten die Windanlagen in der Schweiz 2015?

Wir rechnen mit einer Produktion von mindestens 10 GWh pro Jahr. Dies entspricht ungefähr dem Verbrauch von 2850 Haushaltungen. Genauere Zahlen können wir nach dem ersten Betriebsjahr bekannt geben.

 

Ist die Energiestrategie des Bundes, die bis 2050 vorsieht, 7 bis 10% des Strom-Verbrauchs durch Windenergie zu decken, realistisch?

Dies ist ein sehr ambitioniertes Ziel – wir liegen derzeit weit weg von der Zielgeraden. Wir unterstützen grundsätzlich die Stossrichtung der Energiestrategie 2050, die Energieversorgung durch einen Mix aus erneuerbaren Energien sicher und auslandunabhängig zu gestalten.

 

Aus welchen Gründen scheitern geplante Anlagen in der Schweiz?

Die Schweiz ist ein dichtbesiedeltes und vielgestaltiges Land mit entsprechender gesetzlicher Regulierung. Für ein Bauprojekt braucht es ein mehrstufiges Bewilligungsverfahren, das sowohl Privaten wie auch Verbänden Einsprachemöglichkeiten bietet, was zu Verzögerungen führen kann. Für uns war es deshalb enorm wichtig, ganz zu Beginn das Einvernehmen mit der Gemeinde zu suchen.

 

In welcher Region sehen Sie das grösste Potenzial für Windenergieanlagen?

Für SwissWinds bleiben die Projekte im Wallis zentral. Es gibt aber auch andere Standorte, die ausreichende Windaufkommen aufweisen.

 

Wie werden sich die Windenergieanlagen aus Ihrer Sicht in den nächsten Jahren verändern?

Grundsätzlich werden Windenergieanlagen immer grösser und leistungsfähiger. Bei Offshore-Windenergieanlagen macht dies sehr viel Sinn. In der Schweiz sind aufgrund der topografischen Verhältnisse die grössten verfügbaren Anlagen kaum einsetzbar.

 

SwissWinds ging 2008 aus einem Start-up der Universität St. Gallen hervor. Wie kam das?

Bei meiner Ausbildung an der Universität St.Gallen lernte ich den damaligen Direktor des KMU-Instituts, Prof. Thierry Volery, kennen. Wir haben die Firma SwissWinds GmbH gemeinsam gegründet und er hat mich mehrere Jahre konstruktiv begleitet.