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Achtung, fertig, «bargeldlos»

19.10.2017 |
  • Wirtschaft

Wir hören es seit Jahren: Die Digitalisierung ist nicht zu stoppen! Als Anwender von Smartphones sind wir längst Teil dieser unaufhaltsamen Entwicklung. Mit der Einführung von TWINT setzt Raiffeisen einen weiteren Meilenstein auf diesem digitalen Weg. Zahlen ohne Bargeld. Verändert das unser Verhalten? Wenn ja, wie? Wir haben unterschiedliche Meinungen eingeholt.
 

Manche von Ihnen erinnern sich noch an diese unschuldig goldigen 90er Jahre zurück… Es war eine Zeit, in der nur wenige wussten, was WWW bedeutet und kaum jemand – (Fachpersonen unter Ihnen ausgenommen) – abschätzen konnten, welche digitale Veränderung in nur wenigen Jahren unser Leben, unsere Kommunikation aber auch unser Einkaufsverhalten komplett auf den Kopf stellen würde.
 

Das waren noch Zeiten… 

Vor 20 Jahren hätte sich kaum jemand vorstellen können, dass wir eines Tages mit dem Natel (heute Mobile oder Handy) an der Kasse den Wocheneinkauf bezahlen oder über die mobilen Geräte einfach Geld zu Freunden transferieren können. Und dies alles ohne einen Franken Bargeld in die Hand zu nehmen. 

Seit wenigen Monaten ist TWINT als digitale Zahlungsform schweizweit in Betrieb und wird bereits rege genutzt. Die Vorteile liegen klar bei der Schnelligkeit der Anwendung und dem absolut sicheren Zahlungsvorgang. 

Das Bargeld wird zwar noch lange nicht gänzlich aus unserem Leben verschwinden, davon ist zum Beispiel Sandro Graf, Leiter des Swiss Payment Research Centers der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), überzeugt (Blogbeitrag: Bar, Karte oder Smartphone?). Dennoch ist der Wandel hin zu digitalen Bezahlungsmöglichkeiten unumstritten.
 

Nachgefragt und nachgehakt 

Aus aktuellem Anlass haben wir deshalb drei Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Unterhaltung um Ihren «Blick in die magische Glaskugel» gebeten und nachgefragt:

«Was denken Sie, wie wird sich unser Verhalten verändern, wenn das Bargeld irgendwann vollkommen aus unserem Alltag verschwindet?»

 

Martin Neff, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz, hält fest: «Wir befinden uns bereits mitten in der digitalen Transformation»:

Martin Neff, Chefökonom Raiffeisen Schweiz

Martin Neff, Chefökonom Raiffeisen Schweiz

«Vielleicht haben wir heute das Gefühl, es ginge etwas verloren. Geld, ob Münzen oder Scheine, das Portemonnaie gehören doch zu unserem Alltag, nicht? Aber nach reiflicher Überlegung scheint mir diese Verlustangst unbegründet. Eigentlich wird doch alles viel einfacher. Während die Sicherheit mit der Bezahlung über eine Mobile Payment-Lösung wie TWINT steigt, sinkt gleichzeitig die Gefahr, mein Portemonnaie gefüllt mit Bargeld, Karten und sonstigen Ausweisen zu verlieren. Aus meiner Sicht ist der folgende Punkt aber entscheidend: TWINT ist ja ‘lediglich‘ eine Applikation (Anwendung). Anstatt mit Bargeld oder einer Karte zahle ich jetzt mit meinem Mobile – ein Gerät, das der Grossteil der Schweizer Bevölkerung ja sowieso stetig mit sich trägt. Eigentlich ersetzt die Bezahlung via Mobile nicht ‘nur‘ das Bargeld, sondern teilweise auch die heute schon bargeldlose Bezahlung via Karte, die längst komplett in unserem Alltag etabliert ist. Ich sehe daher keine Gefahr – sondern wie gesagt, lediglich eine Vereinfachung unseres Alltages», erläutert Neff.

Weiter erzählt uns der Raiffeisen-Chefökonom, wieso er die Bezahlungsmöglichkeiten ohne Bargeld nicht als potenzielle Schuldenfalle erachte. «Anwendungen wie TWINT sind keine Kleinkredite, sondern sind immer an ein Bankkonto gebunden. Mit TWINT können demnach keine Kontoüberzüge gemacht werden. Kurz: Ich bin davon überzeugt, dass wir uns bereits mitten in einer unaufhaltbaren Veränderungsphase befinden. Bargeldlose Bezahlung ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Die digitalen Zahlungsformen werden sich auch dank Applikationen wie TWINT rasch weiter verbreiten und unseren Zahlungsverkehr sicherer, effizienter und bequemer machen. Die Kontrolle und Selbstverantwortung liegt letztlich bei jeder einzelnen Anwenderin, jedem Anwender. Das aber ist eine gesellschaftliche Diskussion, die wenig mit der Zahlungsform an sich zu tun hat.»

 

Gregor Waller MSc, Co-Leiter Fachgruppe Medienpsychologie, ZHAW, macht die Veränderung unseres digitalen Zahlungsverhaltens vom Kontrollmechanismus abhängig, der von der Bank oder der Anwendung zur Verfügung gestellt wird:

Gregor Waller, Co-Leiter Fachgruppe Medienpsychologie, ZHAW

Gregor Waller, Co-Leiter Fachgruppe Medienpsychologie, ZHAW

«Viele von uns tragen Geld heute bereits nicht mehr physisch mit sich herum oder nur noch wenig Münz. Wir zahlen heutzutage vielfach virtuell mit der Karte. Ob wir mehr oder weniger ‘digitales Buchgeld‘ ausgeben als Bargeld hängt in meinen Augen mit dem Feedback, respektive Kontrollmechanismus zusammen. Wenn wir über den Kontostand auf der Smartwatch fortlaufend informiert sind, werden sich unsere Ausgaben wohl im gleichen Rahmen wie beim Bargeld bewegen. Wenn wir uns aber auf eigene Kontostand-Schätzungen verlassen müssen, werden viele von uns mehr ausgeben. Schlicht und einfach deshalb, weil wir veranlagt sind, diesen zu überschätzen.»

 

Michel Gammenthaler ist ein grosser Schweizer Kleinkünstler und ein Comedy-Schwergewicht. Er denkt, dass ihm das digitale Geld lockerer in der Tasche liegen wird als Bargeld:

Michel Gammenthaler, Schweizer Solokünstler

Michel Gammenthaler, Schweizer Solokünstler. Bild: Mirco Rederlechner www.easypictures.ch

«So wie ich mich kenne, liegt mir das Geld wahrscheinlich lockerer in der Tasche, wenn es nur noch digital und nicht mehr physisch vorhanden ist. Und ein klein wenig schade finde ich es auch, denn einerseits gefallen mir die Schweizer Scheine und Münzen und andererseits mag ich Bargeld ganz grundsätzlich gern: Cash auf die Kralle – das hat doch was.»

 

Über TWINT

Seit dem 30. Mai 2017 steht die plattformunabhängige Schweizer Bezahllösung TWINT für unsere Raiffeisen-Kunden zum Download bereit. Sie profitieren von der direkten Kontoanbindung, Zahlungen unter Freunden und einer Reihe zusätzlicher Mehrwerte. Damit etabliert sich TWINT weiter als das digitale Portemonnaie der Schweiz.