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Starker Schweizer Franken: So hat er sich entwickelt

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Die Schweiz besitzt eine traditionell starke Währung. Der Franken hat über die letzten Jahrzehnte kontinuierlich an Wert zugelegt – und dieser Trend dürfte sich auch künftig kaum markant verändern. Lesen Sie, wie sich der Schweizer Franken im Vergleich zu den wichtigsten Handelswährungen entwickelt hat und was das für exportierende oder importierende Schweizer Unternehmen bedeutet.

 

Darum ist der Franken stark

Der starke Franken ist ein Abbild der hohen Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft sowie der makroökonomischen und politischen Stabilität. Der Franken wird als sichere Währung wahrgenommen und ist deshalb besonders in Krisenzeiten gefragt.

Der Franken wird als sichere Währung wahrgenommen

1,74 Prozent

verliert der Euro seit seiner Einführung im Jahr 1999 jährlich im Durchschnitt gegenüber dem Franken (nominal, d.h. ohne Berücksichtigung der unterschiedlichen Inflationsraten).

 

16 Prozent 

betrug die maximale jährliche Abschwächung des Euro zum Franken – dies im Jahr 2010 als Folge der Finanzkrise. 2015, im Jahr der Aufhebung des Euro-Mindestkurses, verlor der Euro 10 Prozent.

Die Teuerung ist im langfristigen Durchschnitt geringer als im Ausland, was zur Attraktivität von Frankenanlagen beiträgt. Einen grossen Einfluss hat auch die stabile und nachhaltige Finanzpolitik. Die Staatsverschuldung ist äusserst gering, entsprechend ist das Vertrauen in den Franken gross. Zudem trägt auch der Erfolg der Exportwirtschaft zum starken Franken bei. Schweizer Exportwaren werden auf dem Weltmarkt in Franken bezahlt. Nehmen die Ausfuhren zu, steigt auch die Nachfrage nach Schweizer Franken.
 

Entwicklung des Franken von 1989 bis 2019

Entwicklung des Franken von 1989 bis 2019

Quelle: Raiffeisen Economic Research, Bloomberg, SNB Daten; Euro von Einführung 1999 bis ins Jahr 1989 zurückgeschrieben

Nummer 1 Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wird an der Einführung des Euro gearbeitet. Die Frankenstärke von 1993 bis 1995 spiegelt hauptsächlich die Zweifel an der Stabilität des künftigen Euro.
Nummer 2 Die US-Wirtschaft durchläuft Mitte und Ende der 1990er eine Hochkonjunkturphase, während die Schweiz und der Rest der Welt nur langsam aus der Krise herausfinden. Die Dotcom-Blase nimmt Fahrt auf.
Nummer 3 Nach dem Platzen der Dotcom-Blase und den Anschlägen vom 11. September senkt die US-Notenbank die Zinsen massiv, was den USD schwächt.
Nummer 4 Die US-Notenbank senkt den Leitzins innert eines Jahres von über 4 % auf 0 %.
Nummer 5 Die Finanzkrise ist im vollen Gange. Am 16.10.2008 kommt es zum historisch einmaligen Hilfspaket der SNB und des Bundes für die UBS.
Nummer 6 Wegen den Nachwehen der Finanzkrise weitet die US Notenbank die Geldmenge aus, was den Dollar schwächt. Erstmals «druckt» die Federal Reserve Geld, um damit US-Staatsanleihen zu kaufen.
Nummer 7 Einführung des Mindestkurses, 6. September 2011
Nummer 8 Aufhebung des Mindestkurses, 15. Januar 2015
Nummer 9 SNB führt Negativzinsen ein, 22. Januar 2015

Frankenaufwertung verteuert Exporte und verbilligt Importe 

Mit der Aufwertung des Schweizer Frankens verschlechtert sich die Wettbewerbsfähigkeit von Schweizer Produkten und Leistungen im Ausland, da diese für die ausländischen Käufer teurer werden - sie müssen mehr Einheiten ihrer jeweiligen Landeswährungen aufwenden, um den geforderten Preis in Schweizer Franken zu bezahlen. Im Gegenzug verbilligen sich durch die Aufwertung dagegen Importe, d.h. Schweizer KMU bezahlen für im Ausland bezogene Rohstoffe, Waren oder Dienstleistungen weniger Schweizer Franken.

Mit der Aufwertung des Schweizer Frankens verschlechtert sich die Wettbewerbsfähigkeit von Schweizer Produkten

1,87 Prozent

hat der handelsgewichtete Frankenkurs seit 1989 jährlich im Durchschnitt aufgewertet.

 

6 Mal

hat der Euro seit seiner Einführung auf Jahressicht gegenüber dem Franken an Wert verloren und nur in 14 Jahren wurde er stärker.

Die Aufwertung des Franken belastet damit vor allem diejenigen Unternehmen, die viel exportieren aber nur wenig oder gar nichts importieren. Stark betroffen sind dabei vor allem Exportfirmen mit einem hohen Produktions- und Verwaltungsanteil in der Schweiz.

Währungsausblick

Die Schweizer Wirtschaft ist wettbewerbsfähig und es herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Auch die Finanzpolitik kann sich sehen lassen. Die geringe Staatsverschuldung nimmt in der Tendenz weiter ab, während in weiten Teilen der Welt die Schuldenberge unentwegt wachsen. Kommt es zu einer Rezession, haben viele Länder wenig Spielraum für Konjunkturprogramme.

Wahrscheinlich werden die Notenbanken dann wieder die Geldpresse anwerfen, was wiederum deren Währung schwächt. Die Schweiz ist besser für die Zukunft gerüstet, entsprechend bleibt der Franken relativ attraktiv. Und nicht zu vergessen: Die starke Währung zwingt die heimische Exportwirtschaft, sich fit zu halten. Je erfolgreicher sie dabei ist, desto stärker wird der Schweizer Franken nachgefragt.

Autoren: Martin Neff, Domagoj Arapovic