Anlagewissen einfach erklärt

Gold glänzt in unsicheren Zeiten

Gold gilt als sicherer Hafen für Anleger. Es lockt immer dann, wenn Kursverluste, Inflation oder eine wirtschaftliche Rezession drohen. Doch warum gilt das Edelmetall als so krisenfest und wertbeständig? Und welchen Zweck erfüllt es im Portfolio?

Gold als klassische Krisenwährung

Die Unsicherheiten an den Finanzmärkten infolge der Corona-Pandemie haben einmal mehr gezeigt: Gold ist auch in turbulenten Zeiten eine sichere Anlage. Die hohe Nachfrage hat den Preis des Edelmetalls in die Höhe getrieben. Aktuell kostet die Feinunze (ca. 31 Gramm) Gold so viel wie seit rund sieben Jahren nicht mehr.

Dass Gold als klassische Krisenwährung dient, hat einen zentralen Grund: Es gilt als wertbeständig. Das Edelmetall ist ein begrenztes Gut – anders als Geld: Die Geldmenge kann von den jeweiligen Nationalbanken theoretisch endlos erweitert werden, was den Wert der entsprechenden Währungen verringert. Die Angebotsausweitung von Gold dagegen liegt relativ konstant bei 1 bis 2 % pro Jahr – so viel wie in den Minen jeweils geschürft wird.

Gold gilt daher auch als Absicherung gegen Inflation. In den 40 Jahren zwischen 1980 und Ende 2019 stieg der Goldpreis von rund 680 auf 1'520 US-Dollar an. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Preiszuwachs von gut 2 %. Im gleichen Zeitraum verteuerten sich die Schweizer Konsumentenpreise im Schnitt pro Jahr nur um 1.5 %. Der Goldpreis hat die Teuerung also nicht nur mitgemacht, sondern übertroffen.

Grosse Nachfrage aus der Industrie

Die weltweite Goldnachfrage betrug 2019 insgesamt über 4355 Tonnen. 

Weltweite Goldnachfrage 2019 in Tonnen

Weltweite Goldnachfrage 2019 in Tonnen

Quelle: Statista, CIO Office Raiffeisen Schweiz

Abnehmer von Gold sind nicht in erster Linie die Anleger, sondern die Schmuck- und Uhrenindustrie. Rund die Hälfte der Gesamtnachfrage macht diese Branche aus, die insbesondere in Indien, im Nahen Osten und in China sehr stark ist. Nur gut ein Viertel des Edelmetalls wird als Investition in Form von Münzen und Barren oder sogenannten Gold-ETFs (Exchange Traded Funds) gehandelt. Die restliche Goldnachfrage entfällt auf Nationalbanken und Technologieunternehmen. 
Institutionen wie der Internationale Währungsfonds (IWF), die Schweizer Nationalbank oder die US-Notenbank setzen auf Goldreserven als krisenresistente Kapitalanlagen. Die USA verfügt aktuell über die höchsten Goldvorräte weltweit.

Langfristige Stabilität, aber kurzfristige Schwankungen

Die langfristige Stabilität des Goldes darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch der Goldpreis gewissen Schwankungen unterliegt. Das hat sich beispielsweise während der Finanzkrise 2008 gezeigt, aber auch in den ersten Wochen der Corona-Pandemie: Aufgeschreckt durch die plötzlichen Kurskorrekturen am Aktienmarkt veräusserten Anleger Teile ihrer Goldreserven, um die Verluste zu kompensieren. Das hat den Goldpreis kurzfristig tauchen lassen.

Entwicklung Goldpreis (in USD) von 1980 bis 2020

Entwicklung Goldpreis (in USD) von 1980 bis 2020

Quelle: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Mittelfristig bewegt sich der Goldpreis in Phasen: Nach dem Platzen der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende beispielsweise war ein massiver Anstieg zu beobachten, später auch nach der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Der Goldpreis erreichte damals sein Allzeithoch von über 1'900 US-Dollar pro Feinunze. Anschliessend stabilisierte er sich auf einem etwas tieferen Niveau und steigt nun seit etwa zwei Jahren wieder an.

In der Krise legt Gold zu

Das Muster, das sich hier abzeichnet: Als Folge von Krisen legt Gold zu; floriert die Wirtschaft hingegen, sinkt der Goldpreis. Das bestätigt Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer bei Raiffeisen Schweiz: «Es ist in der Tat so: Gold weist eine negative Korrelation zu anderen Anlageklassen auf. Das macht es so wertvoll als Teil eines diversifizierten Portfolios.» Konkret heisst das, dass Gold meist dann zulegen kann, wenn Aktien und andere Anlageklassen an Wert verlieren. Es ist darum eine gute Möglichkeit für Anleger, sich gegen Verluste abzusichern.

Entwicklung Goldpreis (in USD) und MSCI World von 1980 bis 2020

Entwicklung Goldpreis (in USD) und MSCI World von 1980 bis 2020

Quelle: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Das hat sich während der Finanzkrise 2007/2008 bewahrheitet: Zwischen Oktober 2007 und März 2009 verzeichneten Aktien weltweit Verluste von über 50 %; der Wert von Goldanlagen hingegen wuchs um über 20 %. Und auch die Monate Februar und März 2020 zeigten weltweit sinkende Aktienindizes und steigende Goldpreise.

Tiefe Zinsen spielen dem Gold in die Hände

Gold profitiert aber auch von den tiefen Zinsen, wie sie derzeit in allen grossen Volkswirtschaften vorliegen. «Einer der Nachteile von Gold als Anlageklasse ist, dass es keine Rendite abwirft, keine Zinsen oder Dividenden», erklärt Matthias Geissbühler. Im jetzigen Umfeld von Null- und Negativzinsen spielt das allerdings eine untergeordnete Rolle, was Goldanlagen zusätzlichen Auftrieb verleiht. 

Und: Viele Länder geraten durch die fiskalpolitischen Massnahmen, die sie angesichts der Corona-Pandemie getätigt haben, an die Grenze ihrer Schuldentragfähigkeit. Staatsanleihen, die in der Regel ebenfalls als sichere Werte im Portfolio gelten, werden so zu einer risikoreicheren Investition, ohne dass sich dieses Risiko in einer höheren Rendite niederschlagen würde. Für Anleger werden die Staatsanleihen daher zunehmend unattraktiv und sie lassen folglich vermehrt die Finger davon – und wenden sich dem Gold zu. Das kann einerseits in Form von physischen Münzen und Barren sein, oder aber in Form von sogenannten Gold-ETFs

Für welche Anleger Gold interessant sein kann

Gold ist als Mittel zur Diversifikation grundsätzlich eine sinnvolle Ergänzung für jedes Portfolio. Dennoch muss sich der Anleger bewusst sein, dass eine hohe Performance beim Gold nicht im Zentrum steht. Das Edelmetall hat vielmehr die Funktion, dem Anleger Sicherheit zu bieten: als Schutz vor Inflationsrisiken oder als Absicherung gegen Aktienkursverluste. Gold eignet sich also insbesondere für eher risikoaverse Anleger. Als Faustregel gilt: Je grösser das Sicherheitsbedürfnis ist, desto höher darf auch der Gold-Anteil im Portfolio sein. Experten empfehlen einen Anteil zwischen fünf und zehn Prozent. Aufgrund der hohen kurzfristigen Volatilität ist Gold zudem eher als langfristige Anlage geeignet.

Konkret sprechen folgende Gründe für Gold im Portfolio:

  • Gold ist langfristig stabil und wertbeständig.
  • Der Goldpreis steigt während Krisen oft an.
  • Der Besitz von physischem Gold bietet Sicherheit.
  • Gold kann Anleger gegen Inflationsrisiken und Kursverluste absichern.

Anleger müssen auch folgende Einschränkungen im Auge behalten:

  • Gold wirft weder Zinsen noch Dividenden ab.
  • Der Goldpreis kann eine hohe Volatilität aufweisen.
  • Anleger sind einem Währungsrisiko ausgesetzt, da Gold in US-Dollar gehandelt wird.

Der beste Zeitpunkt für Gold

Die aktuellen Rahmenbedingungen liefern Anlegern gute Gründe, über eine Investition in das Edelmetall nachzudenken. Matthias Geissbühler: «Klar, der Preis ist im Moment vergleichsweise hoch. Aber wir gehen davon aus, dass das derzeitige Tiefzinsumfeld noch länger bestehen bleibt.» Das Geld auf dem Bankkonto wirft also auch künftig keine Rendite ab, Staatsanleihen bleiben inflationsbereinigt ein Verlustgeschäft. Der Zeitpunkt für Gold hingegen scheint gekommen zu sein.