Altersheim? Nein danke.

Künftig wird es für rüstige Rentner nur noch wenige Gründe für einen Umzug in ein Alters- oder Pflegeheim geben. Smart Home sei Dank. Die Technik macht das Leben auch im gesetzten Alter einfacher, sicherer und angenehmer.

Die Gesellschaft wird immer älter, besonders in der Schweiz: Im Jahr 2050 wird ein Drittel der Bevölkerung hierzulande über 60 Jahre alt sein. Es wird an Pflegepersonal fehlen und an Plätzen in Alters- und Pflegeheimen. Daher kann es nicht verwundern, dass sich nicht nur Firmen mit primär kommerziellen Interessen für die Belange von Seniorinnen und Senioren sowie Smart Home interessieren, sondern auch die öffentliche Hand.

Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern haben einen Touchscreen-Computer entwickelt – als Unterstützung für ältere Menschen, die selbstbestimmt und möglichst lange zu Hause leben möchten. Der „persönliche Assistent für unterstütztes Leben“ (kurz Paul) gibt Bescheid, wenn ein Fenster offen steht, er schliesst Rollläden, macht das Licht an, vereinbart Termine beim Coiffeur und Arzt. Paul ist aber auch immer für eine Partie Schach oder einen Jass zu haben. Und im Notfall alarmiert er Angehörige oder den Notfalldienst.

 

Künstliches Robbenbaby

Das künstliche Robbenbaby „Paro“ wird in japanischen Pflegeheimen als Kleintierersatz eingesetzt, es soll die physische und psychische Verfassung der Bewohner verbessern.

Senioren vertrauen „Paul“

Zahlreiche Videos von Senioren mit richtigen Liebesbezeugungen gibt’s schon auf YouTube. Paul gebe ihnen das Gefühl von Sicherheit, er unterstütze sie im Alltag und sei omnipräsent, obwohl er unsichtbar ist. Menschliche Wärme verströmt er allerdings keine, er empfindet auch kein Mitgefühl und hat keinen Humor. Den persönlichen Kontakt von Mensch zu Mensch kann er also nicht ersetzen. Das war auch nicht die Absicht der Erfinder: Paul soll  ältere Menschen entlasten und damit auch die Angehörigen.

Auch die Schweiz ist nicht untätig. Das iHome-Lab der Hochschule Luzern hat für ein digitales Gadget von der Grösse einer Schuhschachtel den europäischen Forschungspreis AAL Award erhalten. Das  AAL (Assisted Ambient Living), also umgebungsunterstütztes Wohnen, ist ein Forschungsprogramm der EU, welches das Staatsekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) des Bundes mitfinanziert.

Unzählige Unternehmen tüfteln zudem auf dem Gebiet intelligentes Wohnen und Arbeiten an smarten Ideen von A wie Abfallsortiersystem über K wie Kühlschrank bis Z wie Zimmerpflanzenbewässerung. Es mischen etablierte Firmen mit, wobei laufend neue Unternehmen mit höchst innovativen Ideen entstehen. 

 

 

Viele Geräte und Anwendungen sind bereits marktreif und weit verbreitet. Eine Auswahl: 

 

Smart Home im Alltag

IKEA tüftelt an einem intelligenten Küchentisch, der 2025 in allen Haushalten Standard sein könnte. Bereits 2017 bringt das schwedische Möbelhaus ein vernetztes Beleuchtungssystem namens Trådfri auf den Markt. Die Lampen lassen sich über einen Lichtregler, Bewegungsmelder oder eine App auf dem Handy steuern.

ikea.ch

August hat sich weltweit als smartes Sicherheitssystem für Haus und Büro durchgesetzt. Das Türschloss kann über ein App auf dem Handy geöffnet und geschlossen werden. Die User installieren die App und werden vom Bewohner zugangsberechtigt.

august.com

Digitalstrom ist ein Schweizer KMU, das alle Geräte in einem Haus vernetzt. Hinter jedem Schalter wird ein kleines Modul versteckt. Gesteuert wird das Smart Home über Tasten, das Smartphone oder Spracherkennung.

digitalstrom.com

Autor
Pius Schärli