Den Kauf wagen

Der Entscheid für die Stickerei war also gefallen. Nun mussten Denise Gehrig und Wolfgang Kelemen mit ihrer Bewerbung „nur noch“ die Besitzerin Monika A. Schmid überzeugen. Drei Monate voller Nervenkitzel, ein Angebot, das um 60'000 Franken erhöht werden musste, und viele Abklärungen mit der Bank waren nötig, bis das Paar schliesslich den Kaufvertrag unterschreiben konnte.

„Uns war klar, dass wir nicht die Meistbietenden sein würden“, sagt Denise Gehrig. Deshalb mussten sie sich für ihre Bewerbung etwas ganz Spezielles einfallen lassen. „Unser Dossier war sehr emotional, mit vielen Fotos“, sagt Wolfgang Kelemen. „Aus Traum wird Raum“, lautete der Titel, und der Text begann mit den Sätzen: „Am Anfang jedes Traums steht ein Gefühl. Bei uns ist es das Gefühl von Nestwärme, von Geborgenheit – ankommen, sich niederlassen, zu Hause sein.“

 

Ein persönliches Bewerbungsdossier kann Türen öffnen

Sie stellten ihre Familie und ihr gemütliches Restaurant am Waldrand vor, schwärmten von der Stickerei und versprachen, dass sie die Struktur des Gebäudes erhalten und in ein möglichst nachhaltiges Wohnhaus umbauen wollten. Mit dem Satz „In unseren Gedanken sind wir längst eingezogen“ beschlossen sie das Dossier und schickten es ab. Dann kam ein Telefon von der Maklerin: „Das Dossier ist sehr sympathisch“, meinte sie, „aber ihr müsst mit eurem Angebot mindestens 50'000 Franken rauf, sonst habt ihr keine Chance.“ Denise Gehrig und Wolfgang Kelemen schluckten leer. Wenn schon, denn schon, sagten sie sich – und erhöhten ihr Angebot.

 

„In unseren Gedanken sind wir längst eingezogen“

Wochenlang Funkstille

Zweiter Versuch, dieses Mal mit dem höheren Angebot. Die Maklerin war zufrieden und leitete die Bewerbung weiter. Dann herrschte wochenlang Funkstille. „Ich war wie auf Nadeln“, sagt Denise Gehrig. Mehrmals rief sie die Maklerin an, doch diese hatte auch nichts gehört und bat um Geduld. Endlich, nach zwei Monaten Warten, kam das erlösende Telefon: „Ihr habt den Zuschlag!“

 

Nach der Zusage ging alles schnell. Denise Gehrig und Wolfgang Kelemen mussten 50'000 Franken für den Reservationsvertrag hinlegen, danach wurde ein Teil des Landes aus dem bäuerlichen Bodenrecht genommen. Der Kontakt zu ihrem Raiffeisen-Berater Martin Egger war in jener Zeit sehr eng. Auch Egger freute sich, dass sie den Zuschlag bekommen hatten. Er wohnt seit 50 Jahren in der Gegend und kennt das Paar gut. „Das ist der Vorteil einer lokal ansässigen Bank“, sagt er.

 

Martin Egger (links) hat das Paar bei der Finanzierung der Stickerei eng begleitet.

Das Stickerei-Projekt war auch für Martin Egger eine Herausforderung. „Denise und Wolfgang hatten gerade das Restaurant der Eltern übernommen, die Zahlen waren – wie bei einem Start-up üblich – noch zu wenig aussagekräftig.“ Hätte man nur die nackten Zahlen angeschaut, wäre die Bank das Risiko wohl nicht eingegangen. „Doch ich kannte das Paar, die Eltern und das soziale Umfeld und ich sah auch das Potenzial des Restaurants. Kurz: Ich hatte ein viel kompletteres Bild als der Computer.“

 

Grosse Mehrbelastung für Familien

Grundsätzlich, sagt Egger, sei es für ein junges Paar schwierig, Wohneigentum zu erwerben. Zum einen müsse man 20 Prozent Eigenkapital mitbringen. Geht man von einem Budget von einer Million Franken aus, was bei einem Haus schnell möglich ist, seien das 200'000 Franken. Davon dürften mindestens 100'000 Franken nicht aus der Pensionskasse stammen. „An dieser Hürde scheitern schon mal viele Interessenten“, sagt der Bankberater.

 

Zudem verlangen die neuen Regulierungen, dass der Kunde die 2. Hypothek innerhalb von 15 Jahren zurückbezahlt – früher hatte man dafür 20 Jahre Zeit. Und die Bank wiederum verlangt, dass die Kosten bei einem kalkulatorischen Zins von fünf Prozent nicht mehr als ein Drittel des Lohnes ausmachen. „Gerade für Familien mit nur einem Einkommen ist dies eine grosse Mehrbelastung. Hat eine Familie zum Beispiel 90'000 Franken Einkommen im Jahr, wird es richtig eng“, sagt Martin Egger.

 

Schliesslich gab Martin Egger seinen Segen und Denise Gehrig und Wolfgang Kelemen konnten am 9. Dezember 2016 auf dem Grundbuchamt den Kaufvertrag unterschreiben. Damit nahmen drei Monate Nervenkrimi ein glückliches Ende: Das Paar bekam die Schlüssel zur Stickerei in die Hand gedrückt. „Ein unglaublich emotionaler Moment“, sagt Denise Gehrig. Welchen Tipp gibt sie den Leuten, die sich überlegen, ein Haus zu kaufen? „Einfach wagen!“

 

Der Schlüssel zeugt von der langen Geschichte der Stickerei

Wie fühlte es sich an, das erste Mal als Besitzer in der Stickerei zu stehen? Welche Schätze offenbarte das alte Haus? Was passierte mit den alten Stickereimaschinen und was hat die frühere Besitzerin Monika A. Schmid zu erzählen? Lesen Sie es im nächsten Beitrag.

 

Hat die Immobilie Potenzial? 
Wer ein Haus oder eine Wohnung kauft, sollte die Bausubstanz, den energetischen Zustand und den Sanierungsbedarf vorgängig abklären. Mit dem Energieeffizienz-Rechner eValo oder bei der Raiffeisenbank lässt sich das Objekt schnell und einfach einschätzen. Ebenso kann die Raiffeisenbank aufzeigen, wie man die Energieeffizienz durch eine energetische Sanierung verbessern und Fördergelder beantragen kann.
Autorinnen Fotos

Monique Rijks / 

Stefanie Rigutto

Yannick Gysin

 

 

 

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