Dach auf oder Dach ab?

Wer baut, muss Kompromisse eingehen können. Nachdem Denise Gehrig und Wolfgang Kelemen ihren grossen Traum vom autarken Haus aufgeben mussten, taucht bereits die nächste grosse Frage auf: Aufstocken ja oder nein?

„Er kommt, er kommt, er kommt“, ruft Lou ganz aufgeregt beim Anblick des riesigen Lastwagens, der vorsichtig über die schmale Landstrasse zur Stickerei hinunterruckelt. Kein Wunder freut sich der Bub – schliesslich bringt der Laster sein neues Zimmer. 

 

Lou ist ganz aufgeregt: sein neues Zimmer fährt mit dem Laster an.

Rückblende: Aufstocken ja oder nein? Die Frage stand bereits bei der ersten Besprechung mit Architekt Andreas Zech als grosses Fragezeichen im Raum. Während sich die beiden frischgebackenen Hausbesitzer über fast alles einig waren – die ursprüngliche Backsteinfassade muss erhalten bleiben! Kein Schnickschnack, nur klare Formen im Haus! – klafften ihre Meinungen beim Ausbau des Dachstocks weit auseinander. Denise Gehrigs Perspektive war pragmatisch: „Lassen wir alles beim Alten, dann können wir da oben die Schlafzimmer für die Kinder und im Erdgeschoss eines für uns einrichten. Das genügt vorläufig. Mehr Platz bedeutet schliesslich nicht unbedingt mehr Komfort. Auch wenn es 150'000 Franken mehr kostet.“ Auch Wolfgang Kelemens Ansatz war praktisch: „Wenn die Kinder grösser werden, müssen wir so oder so aufstocken, also warum nicht jetzt? Derzeit sieht es da oben ja aus wie im Hühnerstall!“ 

 

Die Stickerei wartet auf das Obergeschoss, das vorgefertigt geliefert wird.

Das Zünglein an der Waage machten die Zahlen aus, die der Architekt Andreas Zech den beiden vorlegte und die schwarz auf weiss bewiesen, dass sich eine Innendämmung des alten Daches weder vom Aufwand noch vom Geld her rechnete. „Meine Schwiegermutter zeigte sich sofort bereit, uns finanziell unter die Arme zu greifen und Martin Egger von der Raiffeisenbank* sprach uns ohne Umstände einen zusätzlichen Kredit, nicht zuletzt, weil die Aufstockung den Wert des Hauses markant steigert“, sagt Denise Gehrig.

 

17. Juli 2017: Die neuen Schlafzimmer rollen an

Am Himmel lacht die Sonne, die sanften Hügel rund um die Stickerei leuchten im schönsten Sommergrün, die Bäume im Garten tragen erste Früchte und auf der „dachlosen“ Stickerei wuseln die Bauarbeiter um die Wette. Schnell noch ein Brett ausbessern, dort ein Loch stopfen, hier kontrollieren, ob alles stimmt. Um 13.30 Uhr wechselt die Stimmung von emsig zu aufgeregt: Das neue Obergeschoss kommt! Die vorgefertigten Elemente ragen spitzbübisch über die Führerkabine des Lasters hinaus. Vor dem Haus angekommen, werden sie mit einem Kran sorgfältig aufs Dach gesetzt. Lou ist inzwischen ganz ruhig geworden vor lauter Staunen. Die Rufe der Bauarbeiter lenken den Kranführer: „Mehr rechts! Langsam! Laaaaangsam! Rauf! Runter!“ Nach einer endlos scheinenden Weile thront das Ganze auf der Stickerei. Die künftigen Bewohner steigen hinauf, schauen sich um und plötzlich ruft Denise Gehrig: „Ich kann den See sehen, ich kann den See sehen!“ Lou stellt sich auf die Zehenspitzen, schaut auf das Wasser in der Ferne und strahlt.

 

Wolfgang und Denise mit ihren Kindern in ihrem neuen Obergeschoss

Selber machen macht Spass und spart Geld

Angesichts der neuen Aussicht, ist sich die Familie einig, hat sich die Investition in die Aufstockung gelohnt. Auch wenn sie ein tiefes Loch ins Budget geschlagen hat. Um dieses ein bisschen auszubügeln, haben Wolfgang Kelemen und Denise Gehrig beschlossen, da und dort selber Hand anzulegen. Sie haben einen Teil der Wände ausgebrochen, den Estrich geräumt, die Holz-Fassade angemalt, hundert Quadratmeter Decke gebeizt und die Waschküche gepinselt. Mittlerweile haben die beiden richtig Spass an der Arbeit auf der Baustelle: „Wir fühlen uns hier wie auf einer Insel, weit weg vom Alltag.“ Seit sie selber Hand anlegen, schätzen sie auch den Einsatz der Bauarbeiter umso mehr. Und der von Familie und Freunden: „Unser künftiges Haus ist ein richtiger Treffpunkt geworden. Statt in der Stadt ein Cüpli zu trinken, kommen sie zu uns und helfen mit. Und klar, nach getaner Arbeit gibt es auch in der Stickerei ein Cüpli.“

 

Denise Gehrig und Wolfgang Kelemen legen selber Hand an – und ihre Freunde helfen in jeder freien Minute mit.

Lesen Sie in der nächsten Folge:
Waren die Menschen früher an weniger Komfort gewöhnt oder wie haben sie den Raum im Winter warm und im Sommer kühl gehalten? Wir haben Adrian Grossenbacher vom Bundesamt für Energie gefragt, wie die Menschen damals lebten und was sich in den letzten 100 Jahren bezüglich Energieeffizienz getan hat. Hier lesen.

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