Den passenden Architekten suchen

Ein Bauprojekt ist wie ein Orchester: Um ein harmonisches Ganzes zu erreichen, müssen gute Solisten Hand in Hand arbeiten. Gleich nach der Wahl der passenden Finanzierung machten sich Denise Gehrig und Wolfgang Kelemen auf, den richtigen Architekten zu finden.

„Ich wusste von Anfang an: Der Architekt ist einer der wichtigsten Partner bei einem Umbau“, erinnert sich Denise Gehrig, während sie im inzwischen kahlen Erdgeschoss ihrer Stickerei sitzt. Vor dem Fenster tragen die Bäume goldene Blätter, in der Ferne hüllen sich die Gipfel des Alpsteins in herbstlichen Dunst und über uns hallen die Schritte der Bauarbeiter, die im nigelnagelneuen Obergeschoss wuseln. „Wir wollten unbedingt jemanden finden, der dieselbe ästhetische Sprache spricht wie wir, der Erfahrung hat mit dem Umbau alter Häuser und der die Verantwortung für den gesamten Prozess – von der Konzeption bis zur Umsetzung – übernimmt.“

 

In einem ersten Schritt durchforstete Denise Gehrig das Internet. Stundenlang. Rief die einen an, bat andere um eine Besprechung, zeigte das Haus, äusserte ihre Wünsche. Vergeblich. „Der Funken ist nie gesprungen.“ Eher aus Zufall stiess sie auf die Webseite von Andreas Zech. Ein Architekt mit einem kleinen Büro in Romanshorn, der sich auf das Renovieren und Restaurieren von alter Bausubstanz spezialisiert hat. Und: Selber auch in einem umgebauten Baumagazin wohnt.

 

Dem Stickerei-Fieber verfallen

Einen Anruf später stand der quirlige Mann in der Stickerei, inspizierte jede Ecke, freute sich wie ein Kind über die Finessen, die andere als Tücken bezeichneten, und leuchtete mit seiner Taschenlampe jeden Winkel aus. Sein Verdikt: „Das Haus hat Potenzial.“ Diesen Satz wiederholte er auch während den zahlreichen Telefongesprächen, die seinem Besuch folgten. Für die künftigen Hausbesitzer war schnell klar: Da ist einer genauso wie sie dem Stickerei-Fieber verfallen.

 

Der Architekt Andreas Zech bespricht mit Denise Gehrig und Energieberater Peter Grau die Sanierung der Stickerei (v.r.n.l.)

Als der Kauf offiziell war, suchte die frischgebackene Hausbesitzerin nach Ideen auf Pinterest, im Gespräch mit ihrem Mann, bei Freunden und in Hotels. Die Vorstellungen konkretisierten sich, das künftige Haus nahm immer deutlichere Züge an. Um sicher zu sein, dass ihr Traum von Andreas Zech verstanden wird, schrieb sie ein mehrseitiges Briefing. „Ich glaube, das hat er nie gelesen“, lacht sie. Dafür sei er stundenlang mit ihnen am Tisch gesessen, eine Papierrolle vor sich, und hätte alle Ideen skizziert, und zwar in zahlreichen Varianten.

 

Skizze von Architekt Andreas Zech

Chemie und Regionalität

„Wir spürten schnell, dass die Chemie stimmt“, sagt Wolfgang Kelemen. Der Architekt sei auf ihre Wünsche eingegangen, dabei aber immer realistisch geblieben. „Unsere finanziellen Möglichkeiten waren begrenzt – er hat uns von Anfang an klar gesagt, dass wir mit diesem Budget beim Innenausbau keine grossen Sprünge machen können und meinte, wir sollten uns aufs ‚Wohnen im Camping-Stil‘ einstellen.“

 

Für die künftigen Bewohner der Stickerei war diese Einschränkung kein Nachteil. Im Gegenteil: Sie sorgt dafür, dass ihr Haus ganz bestimmt kein 08/15-Heim sein wird. Statt sich für herkömmliche und teure Raumelemente zu entscheiden, wählten sie eine simple und attraktive Lösung: Das Erdgeschoss bleibt bis auf einen Kubus in der Mitte leer. In diesem ist nun die Treppe, die Küche und das Bad integriert. „Das einzige, das nebst unseren Möbeln hier stehen wird, ist ein grosser Betonblock – die Kücheninsel.“

 

Gelassenheit üben

Der Einzug rückt in grossen Schritten näher. Die Vorfreude steigt – und der Ärger, der bei anderen Umbauten oft zu spüren ist, scheint in der Stickerei bis heute ausgeblieben zu sein. Das liege an verschiedenen Faktoren, meint Denise Gehrig. Erstens an der Wahl des Architekten. Im Laufe der Zusammenarbeit hätte sich nicht nur die passende Chemie als Glücksfall erwiesen. Die Tatsache, dass Andreas Zech in der Region verwurzelt ist und einen so engagierten wie kompetenten Bauleiter im Team hat, sei ebenfalls Gold wert: „Sie kennen die Ämter, die Handwerker, die wichtigen Ansprechpartner und übernehmen die Verantwortung für die Umsetzung. Das garantiert einen effizienten Ablauf.“

 

Zweitens sei eine Portion Gelassenheit beim Bauen notwendig. Man müsse sich von Vorstellungen wieder lösen können. „Man merkt mit der Zeit schnell, wo man etwas loslassen muss und wo es sich lohnt, dranzubleiben. Es tut dem Projekt und der Seele gut, wenn man lernt, die richtigen Prioritäten zu setzen“, resümiert Denise Gehrig. 

 

Lesen Sie in der nächsten Folge:

Nur noch wenige Nächte schlafen, bis Denise Gehrig und Wolfgang Kelemen mit ihren Kindern in die frischrenovierte Stickerei ziehen können. Das Paar hat zusammen schon 13 Mal (!) gezügelt und bezeichnet sich als alte „Zügel-Hasen“. Doch der Einzug offenbarte auch für sie einige Überraschungen… Jetzt lesen!

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