Ankommen im neuen Daheim

Das erste Mal in der Stickerei schlafen, nachts den ungewohnten Geräuschen der Umgebung lauschen, morgens barfuss über den warmen Holzboden laufen, die riesige Dusche ausprobieren und das erste Frühstücksei kochen. „Der Einzug war magisch“, sagt Denise Gehrig, „aber so anstrengend wie ein Marathon!“

Autorinnen Fotos
Monique Rijks / Stefanie Rigutto Yannick Gysin

Der Tisch. Dieser schöne alte Holztisch. Er stand früher in einem Restaurant. Denise Gehrig hat ihn im Brocki im St.Gallischen Nesslau entdeckt. „Der Tisch war das erste Möbelstück, das geliefert wurde“, sagt sie und streichelt sanft über die Oberfläche. Der Tisch ist ihr Lieblingsort im Haus geworden. Ein Ort der Begegnung. Er ist drei Meter lang – und trotzdem füllt er den Essbereich nicht annähernd aus. „Erst jetzt, wo wir einzogen sind, wird uns bewusst, wie gross die Stickerei wirklich ist“, sagt Wolfgang Kelemen.

 

Genau, der Einzug. Am Samstag, 25. November 2017, war es soweit. „Seit Wolfgang und ich zusammen sind, haben wir wegen unserer vielen Auslandaufenthalte 13 Mal gezügelt. Wir wussten also, wie zügeln geht“, sagt Denise Gehrig. Doch dann wurden sie trotzdem überrascht, wie anstrengend das Packen war: „In den letzten Jahren haben sich mit den Kindern so viele Sachen angesammelt!“, stöhnt sie. Da gab es nur eins: Entrümpeln. Viele der alten Sachen schmissen sie weg, „sie hätten eh nicht zum modernen Innenausbau gepasst“. Und: Sie wollten einen Neuanfang. Ein neues Daheim – mit neuen Möbeln.

 

200 Gäste wollten die neue Stickerei sehen

Eine Woche vor dem Einzug hatten sie noch ein Open House organisiert. Für die Handwerker, die Nachbarn und alle, die beim Projekt mitgeholfen haben. Es kamen 200 Leute, „wir haben das ganze Dorf blockiert“, lacht Wolfgang Kelemen. Auch Monika A. Schmid, die ehemalige Besitzerin der Stickerei, war vor Ort. Sie zeigte sich beeindruckt von dem Ergebnis. „Das hat uns sehr gefreut“, sagt Denise Gehrig.

 

Bis zum Zügeltag hatten Denise Gehrig und Wolfgang Kelemen an der Stickerei gearbeitet, die Decke im Erdgeschoss lasiert und gebürstet, die Fassade gestrichen, die Türen bemalt, den Keller gestrichen. „Wir führten ein richtiges Doppelleben: Tagsüber unsere Jobs und das Restaurant, und daneben waren wir in jeder freien Minute auf der Baustelle.“ Familie und Kollegen halfen ihnen beim Zügeln. Als schliesslich alle Schachteln im Haus und die Freunde gegangen waren, musste Wolfgang Kelemen zurück ins Restaurant – es war Samstagabend, das Restaurant voll. Denise Gehrig sagt: „Ich sass ganz alleine im Haus, inmitten von einem Berg Schachteln, war geschafft, aber total zufrieden.“

 

 

Todmüde und völlig erschöpft schliefen sie ein. „Wir fühlten uns wie nach einem Marathon. Aber wir waren froh, endlich angekommen zu sein.“ Es war ein intensives Erlebnis: So viele Stunden auf der Baustelle, so viel geplant und recherchiert – und plötzlich ist es Realität. Denise Gehrig: „Das erste Mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl: Hier will ich bleiben.“

 

Am Morgen setzte sich Wolfang Kelemen im Bett auf – und blickte direkt auf die grüne Wiese vor dem Haus, die Apfelbäume, die schneebedeckten Berge und den Bodensee. „Es war magisch! Dieses Fenster ist wie ein Bild“, sagt er. Denise Gehrig lief ins Bad, barfuss über den schönen Fichtenboden – und war einfach nur glücklich. Die Dusche kam ihr riesig vor. „Ich fühlte mich wie im Hotel. Es war surreal“, lacht sie. Sowieso, der erste Stock. Er ist dank der Aufstockung sehr hell und grosszügig und luftig geworden. „Es war der richtige Entscheid“, sagt Denise Gehrig. „Ich bin so froh, hat mich mein Mann überzeugt!“

 

Dann gingen sie runter ins Erdgeschoss, wo nichts war ausser dem Holztisch, den Stühlen und hunderten von Schachteln – und machten sich Frühstück. Abends kamen die Kinder, man kochte erstmals in der neuen Küche, ass gemeinsam mit den Eltern am Tisch. „Es war urgemütlich.“

 

Zwei Wochen ist das nun her. „Aber so richtig daheim fühlen wir uns noch nicht. Dafür braucht es noch etwas Zeit“, sagt Denise Gehrig. Sie freut sich darauf, das Haus weiter einzurichten, ihm eine Seele, eine neue Identität zu geben. „Die Stickerei hat zwar früher gelebt, aber beim Umbau mussten wir so viele Kompromisse machen, dass wir ausser der Fassade und den offenen Räumen nur wenig von der Geschichte mitnehmen konnten.“ Und auch nach dem Einzug gibt es noch einiges zu erledigen: Man muss die Holztreppe zum Keller abschleifen, und bald wird der Balkon gebaut mit einer Verbindung in den Garten. Wolfgang Kelemen, bereits ganz Eigentümer, sagt: „Wie das so ist bei einem Haus: Es gibt immer etwas zu tun.“

 

 

 

Lesen Sie in der nächsten Folge:

Wie geht es Denise Gehrig und Wolfgang Kelemen heute in ihrer umgebauten Stickerei? Die beiden blicken zurück auf ihr Abenteuer, lassen die Höhen und Tiefen passieren und geben Tipps, was sie gelernt haben und was sie anders machen würden. Jetzt lesen.

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