„Wir fühlen uns uuu choge wohl“

Bei unserem letzten Besuch in der Stickerei, zwei Wochen nach dem Einzug, wähnten sich Denise Gehrig und Wolfgang Kelemen noch nicht so richtig daheim. Mittlerweile hat sich die Familie bestens eingelebt und fühlt sich pudelwohl in den neuen Wänden. Zeit, auf das abenteuerliche Jahr zurückzublicken.

Autorinnen Fotos
Monique Rijks / Stefanie Rigutto Yannick Gysin

Es ist ein kalter Wintermorgen. Die Schneeflocken tanzen vor der Stickerei in der Luft, beim Nachbarshof picken die Hühner im Gras. Es ist etwas Zeit vergangen, seit Denise Gehrig, Wolfgang Kelemen und ihre beiden Kinder in die Stickerei gezogen sind. Sie fühlten sich „uuu choge wohl“, sagt Wolfgang Kelemen im breitesten St.Galler Dialekt und strahlt übers Gesicht. „Wir sind so happy hier“, bestätigt auch Denise Gehrig. Der kleine Lou vergnügt sich auf der Schaukel mitten im Wohnbereich, der jüngere Bruder Enyo ist vertieft am Basteltisch. Das Paar setzt sich auf die lange Holzbank beim Essbereich, das mit kuscheligen Fellen und weichen Kissen ausstaffiert ist. Wir trinken einen selbst gemachten Caffé Latte und lassen das Stickerei-Abenteuer Revue passieren: Was ist gut gelaufen? Was würden sie anders machen? Und was raten sie all jenen, die sich überlegen, ein Haus zu kaufen?

 

1. „Das wichtigste ist die Frage: Was kauft man“, ruft Denise Gehrig gleich zu Beginn. Sie und Wolfgang hätten aus dem Bauch heraus entschieden. „Man darf sich nicht zu fest vom Kopf leiten lassen, vom Preis-Leistungsverhältnis oder davon, wie praktisch die Lage des Hauses wäre.“ Bei ihnen war‘s genau umgekehrt: Die Stickerei war ein Liebhaberobjekt und entsprechend teuer, die Schule weit weg und in Fussdistanz gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten – „aber wir waren total überzeugt von der Sache, und dieses Gefühl hat uns im letzten Jahr durch die schwierigen Momente getragen“, sagt Wolfgang Kelemen.

 

2. Die Wahl des Architekten ist essentiell. „Er ist der wichtige Partner beim Bau eines Hauses“, findet Denise Gehrig. „Er muss begeistert und überzeugt sein vom Projekt, sonst kommt‘s nicht gut.“ Sie hatten Glück: Ihr Architekt war fast jeden Tag auf der Baustelle, sprach vom Haus wie von einem Lebewesen und beriet sie auf gute Art. „Er wollte nur das Beste für das Haus und hatte einen eigenen Kopf. Das war nicht immer einfach, aber wir haben uns in vielen Gesprächen immer wieder gefunden“, sagt sie. Ebenso wichtig wie der Architekt sei auch ein engagierter Bauführer, der in der Phase der Umsetzung die Termine koordiniert und alles im Griff hat. „Ideal ist es, wenn diese beiden Leistungen, sprich Architekt und Bauleitung, aus einem Haus kommen.“

 

3. Man muss sich von seinen Vorstellungen lösen können. „Anfangs hat man eine Idee, wie man es haben möchte. Aber ein Haus zu bauen oder umzubauen, ist ein Prozess – es kommen neue Fakten, neue Erkenntnisse dazu und man ist gezwungen, seine Vorstellungen anzupassen“, sagt Denise Gehrig. Ihr Mann nickt: Man müsse im Kopf flexibel bleiben. „Aaaber“, wendet sie ein, „dort, wo es einem wirklich wichtig ist, da muss man darauf beharren.“ Sie wollte zum Beispiel unbedingt eine Betonabdeckung in der Küche. Doch dieses fünf Meter lange Teil ins Haus reinzubringen war kompliziert und teuer und alle rieten ihr davon ab. „Aber ich blieb stur – und jetzt bin ich sehr glücklich damit.“

 

4. Ein leidiges Thema: das Budget. „Man muss Prioritäten setzen“, ist sich das Paar einig. Denn: Man könne immer mehr ausgeben. Die energetische Hülle und die Hauptmaterialien, diese müssten stimmen; der Rest hingegen seien Details. „Mir hätten zum Beispiel Türen ohne Rahmen extrem gut gefallen“, sagt Denise Gehrig, „aber es war schlicht zu teuer und auch nicht so wichtig.“ Sie verfolgten die Strategie: Wir haben 15'000 Franken für den Holzboden im oberen Stock, wir möchten helle Fichte – was ist möglich?

 

5. Was würden sie heute anders machen? „Ich würde einen Lichtberater engagieren“, sagt Denise Gehrig sofort. Licht sei so wichtig. Sie hatten keinen Lichtberater für die Stickerei, weil sie dachten: Ach, das können wir selber. „Aber natürlich fehlte uns das Wissen. Man muss ja entsprechende Lampenstellen schaffen.“ Und gerade bei grossen Räumen wie der Stickerei brauche es – das wisse sie nun im Nachhinein – ein Lichtkonzept.

 

6. Selber zupacken: Denise Gehrig und ihr Mann haben vieles am Haus selber gemacht. „Das war eine positive Erfahrung – ich kann es jedem empfehlen“, sagt Wolfgang Kelemen. Sie kannten alle Handwerker, hatten lustige Erlebnisse mit ihnen. „Wir hatten tolle, sehr persönliche Momente auf der Baustelle. Und wir haben viel Respekt vor dem Handwerk bekommen.“ Und sie hätten auch gemerkt: Es sind die Menschen auf der Baustelle, ihr Engagement und ihre Leidenschaft, die den Unterschied ausmachen.

 

7. Kompromisse zugunsten der Ökologie: „Wir mussten uns schweren Herzens von den schönen alten Stickerei-Fenstern verabschieden“, sagt Wolfgang Kelemen. Die teure Renovation kam finanziell nicht in Frage – und die alten schlecht isolierenden Fenster drin zu lassen, wäre ökologischer Unsinn gewesen. „Die neuen Fenster sind zwar nicht unser Lieblingsstück im Haus, aber immerhin ist es jetzt schön warm, es zieht nicht und wir heizen nicht zum Fenster raus“, lacht Denise Gehrig.

 

8. Last but not least: „Man darf nie die Freude verlieren“, sagt Denise Gehrig. Wer ein Haus bauen oder umbauen könne, sei ja total privilegiert. „Auch wenn‘s manchmal furchtbar stressig ist, es ist eine Bereicherung.“ Man dürfe das Projekt einfach nicht zu wichtig nehmen. Was für Lichtschalter wollen wir? Welchen Wasserhahn? Und welche Türfallen? „Solche Fragen sind eigentlich ziemlich irrelevant – und trotzdem diskutiert man plötzlich stundenlang darüber. All die Entscheide, die man treffen muss, können einen schnell überfordern.“ Da gilt nur eines: Duureschnufe – und zurück zur Anfangsidee.

 

Die beiden lehnen sich zurück an die Wand. Vom Wohnbereich vorne hört man Lou quietschen auf der Schaukel. Draussen schneit es in grossen Flocken. Was sind die nächsten Pläne? Denise Gehrig und Wolfgang Kelemen schauen sich an und grinsen. Sie sagt: „Wir haben uns etwas vorgenommen für 2018: keine Projekte.“ Und er sagt: „Wir wollen einfach mal sein. Im Garten Beerli pflanzen, Sirup trinken, mit den Kindern tschutten und rein gar nichts tun.“ 

 

Sehen Sie in der nächsten Folge:

Im Video blicken wir zurück aufs Umbaujahr und erfahren von der ehemaligen Stickerei-Besitzerin Monika A. Schmid, ob Denise und Wolfgang es geschafft haben, die Seele des Hauses zu bewahren.

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