So lesen Sie Inserate richtig

Wer schon einmal ein Arbeitszeugnis gelesen hat, weiss, dass man bestimmte Aussagen nicht immer für bare Münze nehmen darf und sie oftmals etwas ganz anderes ausdrücken, als man meinen könnte. Ähnlich geht es potenziellen Hauskäufern beim Lesen von Immobilieninseraten. Wer die darin verwendeten Phrasen und Ausdrücke richtig zu entschlüsseln vermag, kann sich den einen oder anderen Besichtigungstermin getrost ersparen. Erfahren Sie, worauf es sich zu achten lohnt.

Sprache als Marketinginstrument

Mit einer gezielt eingesetzten Sprache kann man die Wahrnehmung von Realitäten beim Empfänger bewusst lenken und beeinflussen. Sehr verbreitet ist dieses Phänomen auf dem Immobilienmarkt, wo Tatsachen sprachlich nicht selten geschickt verklausuliert oder bewusst vorteilhaft dargestellt werden. Potenzielle Hauskäufer begegnen dem sprichwörtlichen «Maklerchinesisch» in der Regel, wenn sie sich im Inseratedschungel schlaumachen und eine grobe Vorauswahl für ihren künftigen Wohntraum treffen wollen.

 

Blumig trügerisch

Maklerbüros haben den Dreh raus, wie Kaufinserate für ein Haus oder eine Wohnung den grösstmöglichen Glanz versprühen. Damit die möglicherweise deutlich mattere Realität schon frühzeitig erkannt wird und einen nicht erst beim hoffnungsvollen Besichtigungstermin einholt, haben wir einige beliebte Ausdrücke aus Immobilieninseraten einmal genauer unter die Lupe genommen:

 

Begriff

Heisst im besten Fall

Heisst im schlechtesten Fall

«Bijou» charmante, kleine Wohnung mit hohem Ausbaustandard Viel zu klein für den unverschämten Mietzins/Preis
«Liebhaberobjekt» 
Objekt mit Charme und liebevollen Details  
renovationsbedürftig        
«Wohnlage mit viel Entwicklungspotenzial»   Infrastruktur wird in Zukunft erweitert   kein ÖV oder schlecht erschlossen, keine Bautätigkeit infolge fehlender Nachfrage in dieser Region
«Schnäppchen für Schnellentschlossene» Käufer steht unter Druck und muss rasch verkaufen            Ladenhüter 
«zentrale Lage»
guter Anschluss an Bahn/Bus Autobahn, Geschäfte, Bank Verkehrslärm und Abgase, in Städten Partylärm
«origineller Grundriss»      
individueller Grundriss
problematische Raumaufteilung 
«nur wenige Autominuten von der City entfernt»        gute Verkehrsanbindung, nahe Stadtzentrum nicht optimal an ÖV angeschlossen resp. Auto notwendig oder ÖV mit schlechter Frequenz (Halb- oder Ganzstundentakt) 

Aufmerksam und kritisch sein

Spezialisten raten daher zu einer von Beginn an aufmerksamen und kritischen Herangehensweise. Um das richtige Kaufobjekt zu finden, ist in aller Regel ein anspruchsvoller und strukturierter Prozess notwendig. Dieser beginnt bereits mit einer sorgfältigen Recherche, zum Beispiel in Inseraten und auf entsprechenden Portalen. Tatsache ist, dass viele Immobilienanzeigen häufig mehr versprechen, als sie halten. Wer Inserate jedoch richtig lesen kann und bereits zu diesem Zeitpunkt sorgfältig recherchiert, erkennt vorhandene Stolpersteine frühzeitig und kann sich eine Besichtigung vor Ort vielleicht sogar ersparen.

 

Weshalb ist das so? 

Man könnte sich jetzt wundern, weshalb es überhaupt möglich respektive statthaft ist, dass Inserate falsche Tatsachen vorspiegeln. Tatsächlich gibt es in der Schweiz bis heute keine rechtlich bindenden Richtlinien zur Gestaltung solcher Anzeigentexte. Im Klartext bedeutet dies, dass der Verkäufer nicht für unvollständige, fehlerhafte oder gar falsche Angaben im Inserat haftet. Massgeblich ist nur der Kaufvertrag.

 

So analysieren Sie Inserate richtig: 4 Tipps vom Experten

Hat man nach bestimmten «Killerkriterien» (etwa Gemeinde/Lage, Hausgrösse) und einer eingehenden Bedürfnisabklärung eine Vorauswahl an Inseraten getroffen, gilt es, diese genau zu prüfen. Dabei sollten Sie Ihr Augenmerk speziell auf folgende Punkte richten, wodurch Sie ggf. Immobilien aussieben können, um Besichtigungen ungeeigneter Objekte von vornherein zu vermeiden:

Noch nichts gefunden? Zusatztipp: Grossflächiger suchen 

Es lohnt sich, die erste Recherche nach Immobilienangeboten möglichst breit zu fächern und die Auswahl nicht von vornherein einzuschränken. Hierzu zählen die Konsultation der gängigen Plattformen, am einfachsten via Suchabonnement, ebenso wie die Prüfung regionaler Angebote (Lokalzeitungen, Aushänge) oder eine direkte Nachfrage bei der Gemeinde. 

Hilfreich ist unter Umständen auch, über mündliche Kontakte möglichst viele Verwandte, Bekannte und Freunde in der Nähe des gewünschten Standorts über die eigene Suche zu informieren, zum Beispiel mit Rundmails oder einem Hinweis in sozialen Netzwerken wie Facebook und Co.

Auch Suchinserate im Intranet des Arbeitgebers können die Chance auf einen Glückstreffer erhöhen. Manchmal lohnt sich der Blick auf Websites wie www.erstbezug.ch oder www.neubauprojekte.ch, auf denen entsprechende Projekte angekündigt und beworben werden.

Raiffeisen bietet als erste Schweizer Bank mit RaiffeisenCasa seit einigen Monaten ein eigenes Immobilienportal mit exklusiven Informationen zu Kosten, energetischem Zustand und Standortgemeinden an. Raiffeisen-Mitglieder können hier gratis ihre Immobilie inserieren. Durch den bankeigenen Maklerservice stehen auf RaiffeisenCasa zudem Liegenschaften zum Verkauf, die auf keinem anderen gängigen Immobilienportal erscheinen.