Immobilie kaufen oder mieten - diese Fragen sollten Sie sich stellen

Ein Volk von Mieterinnen und Mietern sind wir Schweizer. Doch der Traum vom Eigenheim ist real und weitverbreitet. Wer sich zwischen «Kaufen» und «Mieten» entscheiden will, muss ehrlich zu sich selbst sein und vor allem scharf rechnen.

Die Monatsmiete für das zentral gelegene Stadtappartement ist zwar etwas teuer. Umso wohltuender ist jedoch die Freiheit, jederzeit wieder umziehen zu können. Eine Flexibilität, die oft gerade junge Menschen oder Doppelverdiener schätzen. Lebensumstände können sich indes verändern. Heirat, Kinder, geringeres Arbeitspensum, Wunsch nach Selbstbestimmung und parallel steigende Kosten regen auch Gedanken zur Wohnform an. Plötzlich wächst der Wunsch, ein Eigenheim zu besitzen.

 

 

Kaufen oder mieten?

Ohne Erspartes läuft nichts

Was braucht es dafür? Zuerst einmal verfügbare Geldreserven. Wer ein Haus oder eine Wohnung kaufen will, muss einen Teil des Kaufes mit liquiden Mitteln begleichen. Und zwar mindestens 20 Prozent. Beispiel: Bei einer  Immobilie im Wert von 800‘000 Franken entspricht dies 160‘000 Franken Eigenkapital. Wer diese Summe leisten kann, darf sich berechtigte Hoffnungen auf eine Bankenhypothek machen.

Die Erfüllung dieses einen Kriteriums genügt indes noch nicht. Eine Hypothek ist dann tragbar, wenn die gesamten Wohnkosten inklusive Hypothekarzinsen, Amortisation und Nebenkosten nicht mehr als ein Drittel des Brutto-Einkommens betragen. Die Hypothekarzinsbelastung zur Ermittlung dieser Tragbarkeit wird jedoch aus Sicherheitsgründen höher angesetzt, als sie es im aktuellen Tiefzinsumfeld gerade sein mag. Raiffeisen rechnet mit dem langjährig durchschnittlichen kalkulatorischen Zinssatz von 5 Prozent.

«Somit stellen wir sicher, dass sämtliche Wohnkosten auch bei steigenden Zinsen noch im Budget eines potenziellen Käufers liegen», sagt Roland Altwegg, Leiter Produkte & Kooperationen bei Raiffeisen. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Die finanzielle Tragbarkeit ist dann gegeben, wenn der Kaufinteressent mindestens 142‘000 Franken im Jahr verdient.

 

 

Weniger Kosten oder mehr freies Kapital?

Diese Hürden sind zwar relativ hoch, dafür profitieren Eigentümer von verschiedenen Vorteilen. «Neben einer freien und unabhängigen Gestaltung der eigenen vier Wände erzielen Hausbesitzer durch die schrittweise Amortisation ihrer Hypothek einen automatischen Vorsorgeeffekt. Dazu ist Wohneigentum eine wertbeständige Anlage, die nachweislich steuerliche Vorteile bringt», fasst Roland Altwegg zusammen. 

Auf der anderen Seite kann Wohneigentum je nach Lebenssituation auch gewisse finanzielle Risiken bergen. Einen guten Schutz für verschiedene Fälle bieten etwa Erwerbsunfähigkeitsrente, Bau-, Gebäude- und Amortisationsversicherung sowie Todesfallversicherung. «Bei Jobwechsel oder Scheidungen, einer der häufigsten Gründe für den Verkauf von Wohneigentum, gibt es jedoch keinen Versicherungsschutz», hält Altwegg fest. Im Hypothekengeschäft mache man aber die Erfahrung, dass der überwiegende Teil der interessierten Käufer sehr seriös rechne. «Unliebsame Überraschungen bleiben deshalb in der Regel aus.»

Ganz zentral, so Roland Altwegg, sei auch der konsequente Hinweis der Raiffeisen-Berater, dass nach einem Immobilienkauf allenfalls versteckte Kostenfallen auftauchen könnten. Zum Beispiel ein möglicher Investitionsbedarf in Bezug auf die Energieeffizienz einer Liegenschaft.

Wer von alledem auch in Zukunft nichts wissen will, die Verantwortung für ein funktionierendes Zuhause noch so gern einer Verwaltung abtritt und sein frei verfügbares Kapital statt in Bausubstanz lieber in schöne Ferien oder anderweitige Konsum- oder Anlagegüter investieren möchte, bleibt vorzugsweise Mieter.