«Wie soll ich meiner Tochter später erklären, dass wir immer noch fossil unterwegs sind, wenn erneuerbar auch eine Option ist?»

Jan Meier* aus Arbon im Kanton Thurgau hat sein Einfamilienhaus (Baujahr 1946) energetisch auf Vordermann gebracht. Er liess seine Ölheizung mit einer Erdwärmepumpe ersetzen.

Massnahmen und Ergebnisse der energetischen Sanierung auf einen Blick:

  • Ursprüngliches Heizsystem: Öl aus dem Jahr 1997
  • Neues Heizsystem: Erdwärmepumpe
  • Ursprünglicher Energieverbrauch pro Jahr: ca. 3'500 Liter
  • Neuer Energieverbrauch pro Jahr: nicht bekannt, rund CHF 1'000 Strom im ersten Jahr.
  • Investitionsbedarf: CHF 55'000
  • Finanzierung: Fördermittel CHF 10'000 + Hypothek-Aufstockung CHF 45'000

*Name geändert und der Redaktion bekannt

 

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  • Bauarbeiten bei Jan Meier* für die Installation der Erdwärmepumpe.
  • Bild heute: Die Erdwärmepumpe steht und ist seit etwas mehr als einem Jahr in Betrieb.
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    Hausbesitzer Jan Meier* im Interview

    Was waren die Beweggründe/Impulse für den Umstieg auf ein erneuerbares Heizsystem?

    Jan Meier*: Unsere bestehende Ölheizung aus dem Jahr 1997 verursachte von Jahr zu Jahr mehr Wartungskosten und das Ende des Lebenszyklus kam langsam aber sicher näher. Somit wurde klar, dass wir uns mit dem Thema Heizungsersatz auseinander setzen mussten. 

     

    Wie sind Sie vorgegangen: Haben Sie eine Beratung durch einen Energie-Experten oder eine andere Fachpersonen beansprucht?

    Nach dem Hauskauf 2012 haben wir relativ schnell einen GEAK®Plus (hilfreiches Planungsinstrument zur energetischen Modernisierung, die Redaktion) erstellen lassen. Es wurde uns bewusst, dass bei einem allfälligen Heizungsersatz auch ein Umstieg auf Erneuerbare Energie in Frage kommt – trotz Altbau. Unseren Energieberater haben wir seit der Erstellung des GEAK® immer wieder kurz kontaktiert, um Entscheide für anstehende Investitionen auch vor dem Hintergrund einer energetischen Modernisierung abzustimmen.

     

    An welche Wärmeträger haben Sie denn gedacht?

    Grundsätzlich kamen für uns alle Wärmeträger in Frage. Wir mussten uns entscheiden: tiefe Investitionskosten (1:1-Ersatz mit Öl), dafür aber die Unsicherheit, wie sich das Thema rund um fossile Energieträger die nächsten 25 Jahre entwickelt. Oder Umstellung auf ein erneuerbares Heizsystem und damit höhere Anfangsinvestitionen, dafür aber tiefere Kosten in den Folgejahren. Unsere Wette: langfristig werden sich die erneuerbaren Energien durchsetzen.

    Neben den monetären Aspekten spielt aber noch ein grundsätzlicher Aspekt ganz persönlich eine Rolle. Wir haben eine 5-jährige Tochter und ich habe mich gefragt, wie ich ihr später erklären soll, warum wir immer noch fossil unterwegs sind, wenn erneuerbar auch eine Option ist?

    Somit war klar, dass wir uns zwischen Luft-Wärme und Erdwärme entscheiden mussten. Am Schluss fiel der Entscheid auf Erdwärme. So müssen wir im Garten keine Luftwärmepumpe aufstellen und sparen uns auch einen Wartungsvertrag. Die Kosten für Erdwärme waren knapp 8‘000 Franken höher. Das war es uns wert.

     

    Gab es Hürden bei der Umsetzung?

    Grundsätzlich nein. Aufgrund der geologischen Gegebenheiten kam nur eine spezialisierte Bohrfirma in Frage und die Bohrung musste durch einen Geologen begleitet werden, beides war unkompliziert.

     

    Spüren Sie den Umstieg auf erneuerbare Energien bereits im Portemonnaie?

    Die Erdwärmepumpe läuft jetzt seit 14 Monaten. Wir haben rund 2‘000 Franken Energiekosten im ersten Jahr gespart. Noch wichtiger ist aber, dass die anfängliche Unsicherheit weg ist: Klappt es mit der Bohrung? Bekommen wir das Haus überhaupt warm? Aktuell läuft die Heizung sogar in der Zwischensaison nachts und die Kosten sind trotzdem tief – das heisst, wir heizen etwas mehr als vorher mit der Ölheizung.

     

    Zu welchem Zeitpunkt haben Sie mit Ihrer Hausbank Kontakt aufgenommen? Welche Informationen haben Sie von Ihrem Berater erhalten?

    Aufgrund der Investitionskosten von rund 55'000 Franken war von Anfang an klar, dass wir ein Gespräch mit der Bank führen müssen, da wir den Investitionsbetrag nicht bar bezahlen wollten und konnten.

     

    Wie wurde der Heizungsersatz finanziert und konnten Sie beim Umstieg auf eine Wärmepumpe von Fördergeldern profitieren?

    Am Ende haben wir die Hypothek zwecks günstiger Finanzierung aufgestockt. Die Fördergelder von Kanton und Gemeinde betrugen am Schluss knapp 10'000 Franken, sodass wir den Umstieg alles in allem mit 46'000 Franken finanziert haben. Hier ist aber zu beachten, dass im Preis auch die zusätzlichen Kosten für die speziellen geologischen Bedingungen und Begleitung durch einen Geologen in Höhe von 2500 Franken enthalten sind.

     

    «Die Erdwärmepumpe läuft jetzt seit 14 Monaten. Wir haben rund 2‘000 Franken Energiekosten im ersten Jahr gespart. Die Förderungen von Kanton und Gemeinde betrugen am Schluss knapp 10'000 Franken.» 

    Jan Meier*, Hausbesitzer

    Erneuerbares Heizsystem Meier

    Würden Sie den Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme Ihren Nachbarn und Freunden weiterempfehlen? 

    Ohne Zweifel. Wenn das finanziell irgendwie machbar ist, empfehle ich das unbedingt. Aus ganz persönlicher Sicht ist es jedes Mal ein cooles Gefühl, mit einem «Loch» in der Erde unser Haus zu beheizen. Und wenn die Bohrung wirklich 50 Jahre halten sollte, so tauschen wir bei Bedarf bis dahin nur die einzelnen technischen Komponenten im Keller aus.

     

    Ein Austausch des Heizsystems zieht oft weitere energetische Massnahmen nach sich. Wie sieht das bei Ihrer Liegenschaft aus? Sind solche noch in Planung oder gar schon umgesetzt?

    Als wir das Haus vor 8 Jahren übernahmen und den GEAK®Plus erstellen liessen, war grob klar, wo es Potenzial gibt. Es war aber auch klar, was wir nicht machen würden. So haben wir bei allen Investitionen immer auch den energetischen Aspekt miteinbezogen, beispielsweise neben der neuen Haustür (die war noch aus dem Jahr 1946) auch die Kellerfenster ersetzt, den Dachboden gedämmt, als es darum ging im oberen Stock, die Teppiche zu entfernen. Auch als der Warmwasserboiler ausfiel, haben wir diesen durch einen Wärmepumpenboiler ersetzt. Als neuer Hauseigentümer haben wir so unterschwellig gelernt, was es für Möglichkeiten gibt und an wen wir uns wenden müssen, um gute Entscheidungsgrundlagen zu erhalten.

     

     

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    Ist die Gesamtschau vorhanden, lässt sich der Investitionsbedarf abschätzen und darauf abgestimmt mit der Bank auch eine optimale finanzielle Planung für eine Umsetzung entwickeln. Ist ein Bezug aus der Pensionskasse nötig? Oder sollen die notwendigen Mittel vorgängig angespart werden? Oder ist die Aufstockung der Hypothek ein gangbarer Weg? Ihre Hausbank zeigt Ihnen gerne Ihre konkreten Möglichkeiten.