So heizt die Schweiz - heute und in Zukunft

Rund drei Viertel aller Schweizer Häuser werden heute mit fossilen Brennstoffen beheizt. Im Neubau haben sich jedoch inzwischen umweltfreundlichere Alternativen zu Heizöl und Gas durchgesetzt. Auch bei Sanierungen von bestehenden Bauten sind Wärmepumpen und Holzpellets auf dem Vormarsch. Das passt zur «Energiestrategie 2050» des Bundes, welche die Energieeffizienz im Gebäudebereich markant erhöhen soll. Und immerhin jeder vierte Hauseigentümer in der Schweiz erwägt sein Heizsystem zu erneuern.

Überblick zum Gebäudepark Schweiz

Überblick zum Gebäudepark Schweiz in Zahlen.

Der gesamte Schweizer Gebäudepark umfasst zurzeit 1,8 Millionen beheizte Bauten mit einer Gesamtfläche von 800 Millionen Quadratmeter. Es gibt hierzulande eine Million Einfamilienhäuser, dazu 500'000 Mehrfamilienhäuser, wovon 70 Prozent in Privatbesitz sind. Der Rest verteilt sich auf Verwaltungsgebäude/Büros, Geschäftshäuser sowie Industriebauten/Lagerhallen. Laut dem Bundesamt für Energie (BFE) verbraucht der Schweizer Gebäudepark heute ziemlich genau 100 Terrawattstunden (TWh) Energie pro Jahr, was 45 Prozent des gesamten Endenergiebedarfs im Land entspricht. Drei Viertel davon, also 75 TWh, entfallen auf die Heizung.

Bei den Energieträgern für die Beheizung von Gebäuden dominiert laut BFE nach wie vor das Heizöl mit einem Anteil von über 50 Prozent. An zweiter Stelle mit einem Anteil von 25 Prozent folgen Erdgasheizungen. Noch deutlich abgeschlagen folgen dahinter Heizsysteme mit Wärmepumpen, Holzpellets und Elektrizität.

 

Schweizer Gebäudepark

Der Schweizer Gebäudepark umfasst die Gesamtzahl aller Wohn-, Dienstleistungs- und öffentlichen Gebäude. Dies entspricht 2018 ca. 2.3 Millionen. Über 50% davon haben das 40. «Lebensjahr» bereits hinter sich und sind somit veraltet bzw. dringend sanierungsbedürftig. Mit der aktuellen Sanierungsquote von 1% würde es jedoch knapp 100 Jahre dauern, bis ein langfristig nachhaltiger Standard erreicht wäre.

 

 

Jeder vierte Schweizer will eine neue Heizung

Ein Umstieg von Heizöl auf Erneuerbare Energien kann eine Kosteneinsparung von bis zu 35% bewirken.

Rund ein Viertel der Schweizer ist bereit dazu, in den nächsten 5 Jahren die vorhandene Heizungsanlage zu erneuern bzw. zu modernisieren. 33% haben dies bereits umgesetzt - unabhängig von einer energetischen Haussanierung. Vergleicht man die letzten knapp 30 Jahre miteinander ist klar ersichtlich wohin der Trend geht: Wärmepumpen und Fernwärme werden immer beliebter, wohingegen von Heizöl-Systemen je länger je mehr abgesehen wird. Die Heizungsmodernisierung lohnt sich, denn mit erneuerbaren Energien können bis zu 35% an Kosten eingespart werden.

Interesse an Finanzierungen für mehr Energieeffizienz

Der Bereitschaft von Immobilienbesitzern, ökologischen Absichtserklärungen auch künftig finanzielle Taten folgen zu lassen, ging der soeben erschienene «8. Kundenbarometer erneuerbare Energien (PDF, 3.2MB)» der Universität St. Gallen (HSG), Energie Schweiz und Raiffeisen Schweiz, genauer auf die Spur. Auf die Frage: «Stellen Sie sich vor, Sie haben Ersparnisse zur Verfügung, um Ihr aktuelles oder zukünftiges Haus zu renovieren. Bitte geben Sie an, wie wahrscheinlich Sie in Folgendes investieren würden» erzielte die Wärmepumpe mit einem Anteil von fast 40 Prozent bei der Antwort «sehr wahrscheinlich» den Spitzenplatz. Auf Rang zwei folgt die Solaranlage mit Batteriespeicher, erst dahinter folgen Antworten wie Küchenrenovierung, Schwimmbad oder Jacuzzi.

64 Prozent der Befragten – was einer Steigerung um drei Prozentpunkte gegenüber 2017 entspricht – meldeten zudem ihr Interesse an einer Teilnahme bei «Community Solar Projekten» an. Diese ermöglichen es, auch ohne ein eigenes Haus oder Dach in Solarmodule zu investieren. Wie der diesjährige «Kundenbarometer erneuerbare Energien» ausserdem nachweist, sind 46 Prozent der befragten jungen Menschen unter 30 Jahren interessiert, einen Teil ihrer privaten Altersvorsorge in erneuerbare Energieprojekte zu investieren. Dieses Interesse an Finanzierungen für mehr Energieeffizienz wirkt sich positiv auf die «Energiestrategie 2050» aus. 

 

Bundesrat will Energieverbrauch für Gebäude halbieren

Denn im Rahmen der vom Volk beschlossenen «Energiestrategie 2050» will der Bundesrat bis Mitte Jahrhundert den Energieverbrauch des Schweizer Gebäudeparks von heute 100 Terrawattstunden (TWh) auf 55 TWh beinahe halbieren. Gelingen soll dies in erster Linie mittels breitangelegter Förderung durch Das Gebäudeprogramm, welches energetische Sanierungen subventioniert.

Dazu sollen im Rahmen eines umfassenden Massnahmenkatalogs u.a. weitere Programme von Energie Schweiz für energetische Optimierungen gefördert, und die Bedeutung von Energielabels gestärkt werden. Zur «Label-Familie» des Bundesamts für Energie gehören GEAK (Gebäudeenergieausweis der Kantone), Minergie und SBNS (Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz). Schliesslich sollen zusätzliche Aus- und Weiterbildungen im Sinne der Energieeffizienz entwickelt oder Finanzhilfen für CO2-Kompensations- und ähnliche Programme ausgeweitet werden.

 

Neue Mustervorschriften der Kantone - MuKEn 2014

Neben Subventionen und Förderprogrammen existieren aber auch gesetzliche Vorgaben. Einen ehrgeizigen Richtwert hinsichtlich des künftigen Energieverbrauchs setzen etwa die neuen Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich, MuKEn 2014. Gemäss dieser neuen Regelung müssen sich Neubauten ab dem Jahr 2020 in der Schweiz übers ganze Jahr gesehen fast vollständig selbst mit Wärmeenergie versorgen – etwa durch Erd- und Abwärme. Der jährliche Energiebedarf darf maximal 35 Kilowattstunden pro Quadratmeter (kWh/m2) betragen.

Beim Heizungsersatz (Sanierung) in bestehenden Wohnbauten müssen gemäss MuKEn 2014 entweder mindestens 10 Prozent erneuerbare Energien eingesetzt oder aber 10 Prozent Energie gespart werden. Zudem darf der jährliche Bedarf an Wärmeenergie maximal 100 kWh/m2 betragen. Für Sanierungen ist der Terminplan der MuKEn 2014 besonders relevant: Spätestens im Laufe von 2018 müssen die Vorschriften in alle kantonalen Energiegesetze einfliessen und spätestens bis 2020 umgesetzt sein. 

Gehört die Zukunft dem Strom?

Und auch wenn es zunächst nicht gerade einleuchtend klingt, sehen viele Experten im Heizen mit Strom eine Lösung für die Zukunft.

 

Photovoltaik-Anlagen, Windparks und Wasserkraftwerke sorgen in Spitzenzeiten dafür, dass viel mehr Strom produziert wird, als das Verteilernetz es aushalten könnte. Mit dem Ausbau der Stromnetze und der Zunahme von immer leistungsstärken Stromspeichern könnte der grüne Strom eine zentrale Rolle beim Erreichen der Umweltziele einnehmen. Eine Wärmepumpe etwa könnte mit diesem erneuerbaren Strom betrieben werden, um das komplette Haus das ganze Jahr über mit Energie zu versorgen. Grössere Stadtwerke können auch das Prinzip der «Power-to-Heat» nutzen und Überschussstrom in Wärme umwandeln. Letztere lässt sich wieder in Fernwärmeleitungen einspeisen.

Mit passiver Solarenergie Energie sparen?

Einen weiteren Lösungsansatz bieten bauliche Massnahmen. Neben Gebäudedämmung ist auch die Ausrichtung des Gebäudes entscheidend. Experten sprechen von der passiven Nutzung der Sonnenenergie. Demnach sollten Fenster und Türen nach Süden ausgerichtet und ausreichend gross dimensioniert sein, um im Winter die meisten Sonnenstrahlen aufzufangen. Damit die Gebäude im Sommer nicht überhitzen, werden Vordächer angebracht.

Trend: Möglichst hoher Selbstversorgungsgrad

Das markant gewachsene Bewusstsein im Bereich Nachhaltigkeit und Energieeffizienz hat den in etlichen Studien nachweisbaren Trend verstärkt, wonach Hauseigentümer bei der Energieversorgung ihres Gebäudes nach mehr Unabhängigkeit bis hin zu Selbstversorgung streben. Das Heizen mit fossilen Energieträgern wie Erdgas und Öl hat für viele Hauseigentümer zukünftig ausgedient. Das Ziel ist somit klar definiert: Weg von endlichen Brennstoffen! Aber wohin?

Im Neubau ist die Wärmepumpe als Heizsystem seit Jahren dominant, was den Anteil der mit Öl beheizten Immobilien am gesamten Gebäudepark weiter sinken lässt. Um sauberen Strom für den Betrieb der Wärmepumpe aus der Eigenproduktion zu beziehen, setzen immer mehr Eigentümer auf die Solarenergie und montieren entsprechende Kollektoren auf dem Dach. Dieser Trend hat sich nach dem AKW-Unglück im japanischen Fukushima vor sieben Jahren und dem anschliessend vom Bund kommunizierten Atomausstieg massiv verstärkt. Solarkollektoren können mittlerweile auch parallel zur Warmwasseraufbereitung in Küche, Bad und Dusche genutzt werden.

Im Sanierungsbau liegt der Umstieg von Öl auf Wärmepumpen ebenfalls im Trend. Wer bei Heizöl bleibt, muss schon rein Gesetzes wegen auf einen kondensierenden Brennwertkessel umsteigen, mit dem der CO2-Ausstoss in Kombination mit einer wirksamen Gebäudesanierung um bis zu 30 Prozent gesenkt werden kann.

Mit Digitalisierung zu mehr Energieeffizienz?

Die Digitalisierung ist bekanntlich auf dem Vormarsch – auch bei Heizsystemen. Moderne Heizungsanlagen sind in der Lage, ökonomisch und ökologisch zu agieren. Mit Daten gefüttert können sie etwa das nach der Wetterlage optimale System steuern und dafür ein anderes pausieren lassen. Und sie lassen sich leicht und von überall aus bedienen z. B. via App auf dem Smartphone. Das erhöht nicht nur den Komfort, sondern kann auch den Energieverbrauch optimieren.