Wo wohnen die «Alten»?

Man muss es vorwegnehmen. Unter dem Begriff der «Alten» verstehen wir statistisch alle die 65 Jahre oder älter sind. Ich bin sicher, dass sich nicht jede/jeder auch so fühlt. Doch im Wohnungsmarkt spielt der Begriff des Wohnens fürs Alter schon seit Mitte der Neunzehnneunzigerjahre eine Rolle.

Die Demographie und der Wohnungsmarkt

Bereits damals hatte man gemäss der demographisch absehbaren Überalterung eine neue Klientel ausgemacht, die heute auf die unterschiedlichste Weise bedient wird. Da sind zunächst äusserst luxuriöse Altersresidenzen, in denen die Betagten rund um die Uhr betreut werden und es ihnen an nichts fehlt – Knopfdruck genügt sozusagen. Die Bewohner solcher Residenzen sind meist aus wohlhabendem Umfeld, nicht selten auch allein, vor allem aber wirklich alt, will meinen um die Achtzig oder mehr. Repräsentativ dafür, wie die Alten leben, sind die Altersresidenzen aber bei weitem nicht.

 

Unter dem Begriff der «Alten» verstehen wir statistisch alle die 65 Jahre oder älter sind.

Unter dem Begriff der «Alten» verstehen wir statistisch alle die 65 Jahre oder älter sind.

Mehr Heimat weniger Convenience

Wahrscheinlich macht sich kaum jemand in der Schweiz gross Gedanken, wo er den wohnen soll, wenn er einmal in Pension geht. In der Regel kann davon ausgegangen werden, dass die Leute in den bisherigen Häusern oder Wohnungen leben bleiben, wenn sie Fünfundsechzig werden und nicht etwa genau dann eine Veränderung der Wohnsituation ins Auge fassen. Es gibt viele Gründe dafür, sich nicht zu verändern. Man lebt schon länger dort, ist nicht selten dort (in der Gemeinde z.B.) aufgewachsen, verwurzelt und gern zu Hause, in den vertrauten vier Wänden. Wieso etwas daran ändern, so lange kein Zwang dazu besteht, etwa wegen eingeschränkter Mobilität oder sonst welcher Gebrechen? Dafür nehmen nicht wenige Schweizer Haushalte oder sogar Alleinstehende im Alter in Kauf, auf viel zu viel Fläche zu leben. Wieviel Witwen wohl in Einfamilienhäusern wohnen, allein? So suboptimal diese wohnungsmarktpolitisch auch sein mag, nachvollziehbar ist sie aus Sicht der Bewohner alleweil. Wahrscheinlich hat sich die Immobilienwirtschaft davon anstecken lassen und versucht nun auch, dieses Potenzial auszuschöpfen. Dabei ist Wohnen fürs Alter für viele überhaupt nichts Spezielles, sondern Wohnen, wo man schon wohnte. Und dies so lange, wie man selbst für sich sorgen kann. Erst wenn der Zeitpunkt da ist, an dem man Treppen nicht mehr meistern kann oder die Gartenpflege mehr Mühe als Freude bereitet, steht ein Umzug an. Auf die Schnelle wird jedoch selten die neue altersgerechte Wunsch-Wohnung gefunden. Damit aus einer Dringlichkeit keine Handlungen resultieren, die auf unfreiwilligen Entscheidungen basieren, sollten Sie sich schon früh die Frage rund um die Wohnsituation für die Zeit nach der Pensionierung stellen. Je eher Sie sich damit auseinandersetzen, desto mehr Zeit haben Sie, um Ihre Vorhaben zu konkretisieren und umzusetzen. 

 

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Martin Neff, der Chefökonom von Raiffeisen

Martin Neff, der Chefökonom von Raiffeisen

Über den Autor

Martin Neff gehört zu den führenden Immobilienexperten in der Schweiz. Er ist seit Anfang 2013 bei Raiffeisen Schweiz. Neff studierte Volkswirtschaft an der Universität Konstanz. Von 1988 bis 1992 arbeitete er beim Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) in Zürich, bevor er in die CS eintrat, dort das «Schweiz Research» aufbaute und seit 2008 Chefökonom war.