Wo herrscht Stadtflucht?

Hier, in der Schweiz! Landflucht war lange Zeit hierzulande das dominierende Thema, wenn man räumliche Bevölkerungsbewegungen näher betrachtete. Landflucht herrscht auch, wenn man Migrationsströme in einem globalen Kontext betrachtet. Da schreitet die Urbanisierung schnell voran. In der Schweiz hingegen, man glaubt es kaum, herrscht Stadtflucht. Vor was fliehen die Leute, warum?

Keine Alternativen

Etwas vereinfacht ausgedrückt, fehlt es in den Zentren an Alternativen. Wer heute in der Stadt lebt und zum Umzug „gezwungen“ ist, weil sich zum Beispiel private oder berufliche Umstände sich ändern, der wird in der Stadt kaum wieder fündig, ohne deutlich mehr zu bezahlen oder Abstriche der Wohnqualität in Kauf zu nehmen. Woran liegt das? Zunächst mal sind Zentren generell gefragt, das Wohnungsangebot ist dort entsprechende knapp. Das Gefälle zwischen Alt-und Neumieten ist aber der ein viel wichtiger Grund dafür, dass ein Umzug innerhalb der Stadt teuer kommt. Und so kommt - auch wenn nicht erste Wahl - die Agglomeration oder Peripherie der Stadt ins Spiel. Dort ist das Angebot flüssiger, weil in den letzten Jahren am meisten neugebaut wurde, viel mehr als in den Städten. Dazu kommt das Mietpreisgefälle. Gut möglich, kommt ein Umzug aus der Stadtwohnung in eine grössere, moderne Wohnung in der Agglomeration am Ende noch günstiger. Und so entscheiden sich letztlich viele, der Stadt den Rücken zuzukehren, so gern auch noch sie dort geblieben wären. Denn weiter draussen finden sie eher eine ihren Bedürfnissen entsprechende, erschwingliche Wohnung. 

 

Mangelnde Alternativen bewirken Stadtflucht.

Westschweiz stärker betroffen

Wenn man die Migrationssalden der grössten 20 Schweizer Städte betrachtet, sind diese in der Westschweiz auffällig negativ. Spitzenreiter Vernier bei Genf verlor 2018 weit über 2% seiner Bevölkerung. In Lausanne waren es über 1.5%. Und auch die Stadt Fribourg verlor massiv Einwohner ans Umland. Zuzüger in den grossen Städten sind hauptsächlich Ausländer, währenddessen in den Städten bereits Wohnhafte im Falle eines sich aufdrängenden Umzugs aufs Land ausweichen. In Zürich ist der Migrationssaldo zwar nahe bei null. Doch auch da drückt es viele Haushalte aus den besagten Gründen aus der Stadt. Zürich ist aber bei den Ausländern besonders beliebt, so dass der Saldo moderat ausfällt. In bescheidenen vier Gemeinden ist der Migrationssaldo der Stadtbewohner positiv. Wenn auch nur leicht in Winterthur, Schaffhausen, Chur und Köniz. 

 

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Martin Neff, der Chefökonom von Raiffeisen

Martin Neff, der Chefökonom von Raiffeisen

Über den Autor

Martin Neff gehört zu den führenden Immobilienexperten in der Schweiz. Er ist seit Anfang 2013 bei Raiffeisen Schweiz. Neff studierte Volkswirtschaft an der Universität Konstanz. Von 1988 bis 1992 arbeitete er beim Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) in Zürich, bevor er in die CS eintrat, dort das «Schweiz Research» aufbaute und seit 2008 Chefökonom war.