Wird meine Wohnung nun endgültig zum Büro und zum Shopping Center?

Durch die Schliessung aller Verkaufsgeschäfte für Güter des nicht-täglichen Bedarfs und der Einführung der Home Office Pflicht, verlagert sich unser Leben noch stärker in die eigenen vier Wände. Die Wohnung ist damit nicht mehr nur unser Zuhause, sondern wird auch zum Büro, Shopping- und Fitnesscenter.

51 % der Schweizer Beschäftigten arbeiten von zuhause aus

Home Office Pflicht und Schliessung aller Verkaufsgeschäfte für Güter des nicht-täglichen Bedarfs bis Ende Februar. Mit diesen und weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens schickt uns der Bundesrat in den zweiten Lockdown. Abermals verlagert sich damit unser Leben noch stärker in die eigenen vier Wände. Covid-19 stellt damit auch weiter völlig neue Anforderungen an den sonst so immobilen Immobilienmarkt. Neben ihrer neuen Funktion als Isolationszelle hat die Wohnung heute auch als Fitness Center, Heimkino und Gourmettempel zu dienen. Vor allem aber bleibt die Wohnung nun noch länger Büro für Heimarbeit und dank Onlinehandel auch Shopping Center. Die Wohnung von heute als Schweizer Sackmesser. Einzig als Gotteshaus und Skipiste muss die Wohnung (bisher) noch nicht einspringen.

Bereits während des ersten Shutdowns arbeiteten rund 51% der Schweizer Beschäftigten von zuhause aus. Damals bestand im Gegensatz zu heute noch keine verbindliche Home Office Pflicht. Mit dem nun eingeführten Obligatorium dürften nun noch mehr Beschäftigte ihre ersten Home Office Erfahrungen machen. Die überwiegende Mehrheit der Arbeitgeber und Arbeitnehmer machte sogar während der damals vielfach noch sehr arg improvisierten Umstellung positive Erfahrung mit der Telearbeit. Im Nachgang des ersten Lockdowns haben deshalb viele Firmen bereits angekündigt, auch nach der Pandemie weiterhin Home Office zu ermöglichen. Heute sind sowohl Firmen wie auch Arbeitnehmer viel besser auf den Shutdown vorbereitet, zumal viele Beschäftigte nach der ersten Welle kaum mehr ins Büro zurückgekehrt sind. Firmen haben in ihre IT-Infrastruktur investiert und Arbeitnehmer haben nun einen ergonomischen Bürostuhl und einen funktionalen Tisch zuhause stehen. Es gibt wenige Gründe anzunehmen, dass die Home Office Erfahrungen in der zweiten Welle weniger gut sein werden als in der ersten. Die Vorteile von Home Office werden auch nach überstandener Krise weiter genutzt werden. Covid-19 hat der flexiblen Arbeitsform, bei welcher zumindest ein Teil der Arbeitszeit nicht im Büro verbracht wird, endgültig zum Durchbruch verholfen. 

 

Die Wohnung als Büro und Shopping Center ist gekommen um zu bleiben.

Die Wohnung als Büro und Shopping Center ist gekommen um zu bleiben.

 

 

Onlinehandel steigert den Umsatz um 60 %

Die Ladenschliessungen während des ersten Lockdowns haben dem Onlinehandel 2020 grosse Neukundenströme beschert. 60% mehr Umsatz als im Jahr zuvor haben die Onlinehändler dank Corona mit zusätzlichen „Heimshoppern“ erzielt. Auch nach der Öffnung der Läden im April blieben die Onlineumsätze hoch. Einmal in den Genuss des Einkaufserlebnisses von zuhause gekommen, wird auch dann weiter gerne aus dem Wohnzimmer bestellt, wenn die Läden wieder offen sind.

 

Weder das klassische Büro noch das Shopping Center werden aber vollständig durch die Tausendsasserin Wohnung abgelöst. Denn bei allen Stärken, eine Schwäche hat die Wohnung noch immer. Echte soziale Kontakte ermöglicht sie noch nicht. Auch wenn nach der Pandemie wieder etwas mehr Zeit im klassischen Büro mit denn dann hoffentlich keimfreien Kollegen verbracht wird, man wieder durch Menschenmassen in Shopping Malls schlendert und damit seine sozialen Bedürfnisse befriedigt, die Wohnung als Büro und Shopping Center ist gekommen um zu bleiben. 

 

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Über den Autor

Francis Schwartz

Francis Schwartz

Francis Schwartz ist Immobilienmarktexperte bei Raiffeisen Schweiz. Er ist seit 2018 im Economic Research tätig und analysiert im Team von Chefökonom Martin Neff Entwicklungen und Trends im Schweizer Immobilienmarkt. Schwartz studierte an der Universität Zürich und war vor seiner Tätigkeit bei Raiffeisen für die Graubündner Kantonalbank in Chur und am Swiss Real Estate Institut der Hochschule für Wirtschaft in Zürich tätig.