Ist meine Wohnung schuld am Klimawandel?

Die 2.3 Mio. Gebäude, die in der Schweiz stehen, sind für rund 45% des Energieverbrauchs unseres Landes verantwortlich - 1.5 Mio. dieser Gebäude sind Wohnbauten. Damit gehören Wohnungen und Einfamilienhäuser zu den grössten Energiefressern des Landes. Mehr als 80% ihres Energiekonsums entfällt auf Heizkosten und Elektrizität. Der Rest geht aber für die Erstellung und Unterhalt der Gebäude drauf. Obwohl Energie mit vergleichsweise emissionsarmer Elektrizität aus erneuerbaren Energien und Atomstrom erzeugt wird, beträgt der CO2-Ausstoss des Schweizer Gebäudeparks wesentliche 30%.

Schleppende Gebäudesanierung trotz Fördergelder

Im Gebäudepark schlummert dennoch ein riesiges Potenzial zur Reduktion von Emissionen. Wenn er komplett erneuert würde. Denn bis zu 75% des Heiz-und Warmwasserenergieverbrauchs lassen sich nach einer Sanierung einsparen. Obwohl Bund und Kantone seit Jahren grosszügig Fördergelder für die Erneuerung von Gebäudehüllen und den Ersatz fossiler Heizungen springen lassen, wird pro Jahr nur etwa jedes hundertste Gebäude saniert. Im jetzigen Tempo wird es an die hundert Jahre dauern, bis der heutige Gebäudepark saniert sein wird. So wird sich der Klimawandel kaum aufhalten lassen. 

 

Klimawandel durch Wohnungen

Trotz Fördergelder wird pro Jahr nur etwa jedes hundertste Gebäude saniert.

Anspruch auf Wohnfläche steigt

Dazu kommt: Ein Teil der Einsparungen, die dank energetischer Sanierungen möglich werden, wird einerseits unmittelbar durch den im Zuge der Bevölkerungswachstums nötigen Neubau aufgefressen. Anderseits aber auch, weil wir immer mehr Wohnfläche beanspruchen. 1970 lebte der Durchschnittsschweizer auf 27m², heute auf 46m². Das satte Plus von 70% innert 50 Jahren entspricht einer Jahreswachstumsrate von 1%. Zwar werden die meisten neuen Gebäude energieeffizient gebaut, aber CO₂-neutral ist auch heute immer noch kaum eines.

 

Das CO₂-Gesetz hätte Abhilfe schaffen sollen

Ohne Druck wird sich am Konsumverhalten der Schweizer und deren Wohnflächennachfrage rasch nichts ändern. Gleiches gilt für das Investitionsverhalten von Besitzern älterer Immobilien mit Einsparpotential. Solange sich eine Investition finanziell nicht auszahlt, werden die meisten nur die Investitionen tätigen, die minimal gesetzlich vorgeschrieben sind. Das CO2-Gesetz wurde am 13. Juni vom Volk abgelehnt. Diese Bestimmungen wären ein Schritt in die richtige Richtung gewesen, für jeden, der den Klimawandel ernst nimmt. Nach der Ablehnung werden freiwillige Massnahmen zur Reduktion der Treibhausgase noch wichtiger. Ob das aber genügt, um die Nachfrage nach zusätzlichen Flächen zu bremsen und die Erneuerung des Gebäudeparks wesentlich zu beschleunigen, ist äusserst fraglich.

 

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Martin Neff, der Chefökonom von Raiffeisen

Martin Neff, der Chefökonom von Raiffeisen

Über den Autor

Martin Neff gehört zu den führenden Immobilienexperten in der Schweiz. Er ist seit Anfang 2013 bei Raiffeisen Schweiz. Neff studierte Volkswirtschaft an der Universität Konstanz. Von 1988 bis 1992 arbeitete er beim Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) in Zürich, bevor er in die CS eintrat, dort das «Schweiz Research» aufbaute und seit 2008 Chefökonom war.