Mietwohnung oder Eigenheim? Entweder oder?

Die beiden Wohnformen Mietwohnung und Eigenheim lassen sich anhand von unterschiedlichen Emotionen, Vorurteilen und Klischees voneinander trennen. Doch stellt sich die Frage, ob diese voneinander getrennt werden müssen, da in der Immobilienwirtschaft immer wieder neue spannende Konzepte auf den Markt kommen, die die Vorteile von beiden Wohnformen miteinander kombinieren.

Emotionen, Vorurteile und Klischees von Wohnformen

Zunächst erlaube ich mir, Sie mit einer Begriffsflut zu überschwemmen. Oder, genauer gesagt, gleich mit zwei aufeinanderfolgenden Wortwellenwogen:

  • Gestaltungsfreiraum, Sicherheit, Unabhängigkeit, Selbstverwirklichung, Individualisierung, Ausbaustandard, Chancen, Investitionsobjekt, Altersvorsorge, Einfamilienhaus
  • Flexibilität, Rundum-Sorglos-Paket, Unverbindlichkeit, Reaktion auf Lebensumstände, keine Kapitalbindung, keine Eigenkapital- und Tragbarkeitshürden, keine finanziellen Risiken, Etagenwohnung

 

Bei der ersten Welle haben Sie an Wohneigentum gedacht, bei der zweiten ans Wohnen zur Miete, stimmts?

Für zwei Dinge, die eigentlich den genau gleichen Zweck erfüllen, nämlich Wohnraum zur Verfügung stellen, schwingen da sehr viele unterschiedliche Emotionen, Vorurteile und Klischees mit, welche die beiden Wohnformen strikt voneinander zu trennen scheinen. Aber differenzieren diese Faktoren die beiden Wohnformen tatsächlich derart scharf voneinander? Muss man sich wirklich für eines der beiden Pakete entscheiden? Entweder oder? Kann man sich nicht doch sozusagen «à la carte» sein Wunschmenu mit dem Besten aus beiden Welten zusammenstellen?

 

Die Innovation «Stockwerkeigentum» kann als hybride Wohnform interpretiert werden.

Die Innovation «Stockwerkeigentum» kann als hybride Wohnform interpretiert werden.

Wohnraum steht in verschiedenen Optionen zur Verfügung

Aus der Immobilienwirtschaft kommen immer wieder spannende Konzepte auf den Markt, welche den Anspruch haben, als Zwischenformen von Eigentum und Miete die Vorteile beider Wohnformen zu kombinieren, um die individuellen Bedürfnisse der Kunden zu befriedigen.

  • So ermöglicht beispielsweise das Modell «Wohneigentum auf Zeit» den zeitlich befristeten Besitz von Wohneigentum. Dabei wird  z.B. ein Einfamilienhaus für 30 Jahre zu einem entsprechend tieferen Preis gekauft und dafür nach Ablauf der Periode einem Investor zurückgegeben. 
  • Eine weitere Zwischenform, «Individualisiertes Wohnen in Miete», die seit Juli 2021 auf dem Wohnungsmarkt präsent ist, ermöglicht Mietern bauliche Anpassungen von Mietwohnungen nach ihren individuellen Wünschen. Ein Wohnprogramm nach eigenem Geschmack im Eigentumsstandard in der Mietwohnung wird so möglich. 
  • Eine solche Produktinnovation irgendwo zwischen Eigentum und Miete waren damals übrigens auch die mittlerweile alteingesessenen Wohnbaugenossenschaften. 
  • Auch die Innovation «Stockwerkeigentum» kann in diesem Lichte als Hybride interpretiert werden. Etagenwohnungen waren vor der Einführung dieser Besitzform nämlich nur im Mietwohnungsbau üblich.

Ein neues Phänomen sind solche Modelle, die sich zwischen den beiden klassischen Wohnformen bewegen und die Vorteile beider Welten zu kombinieren versuchen, also keineswegs. Den «Fünfer und das Weggli» gibt es zwar nicht, trotzdem lohnt es sich, solche Modelle jeweils genauer zu prüfen und ihnen offen gegenüberzustehen. Vielleicht trifft eines davon ja genau Ihre Bedürfnisse. 

 

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Über den Autor

Francis Schwartz

Francis Schwartz

Francis Schwartz ist Immobilienmarktanalyst bei Raiffeisen Schweiz. Er ist seit 2018 im Raiffeisen Economic Research tätig und analysiert Entwicklungen und Trends im Schweizer Immobilienmarkt. Francis Schwartz studierte an der Universität Zürich und war vor seiner Tätigkeit bei Raiffeisen für die Graubündner Kantonalbank in Chur und am Swiss Real Estate Institut der Hochschule für Wirtschaft in Zürich tätig.