Wie viel Pensionskassenersparnisse werden für den Eigenheimkauf vorbezogen?

Jährlich beziehen knapp 20'000 Schweizerinnen und Schweizer im Rahmen der Wohneigentumsförderung Vorbezüge aus ihrer Pensionskasse. Der Grossteil der bezogenen Leistungen dürfte für den Erwerb von Wohneigentum bezogen werden. Wie die Einführung der Eigenkapitalverordnung den Markt beeinflusst hat, erfahren Sie in der Wohnfrage Juni 2021.

Der Fokus dürfte auf dem Erwerb von Wohneigentum liegen

Pro Jahr nutzen knapp 20’000 Schweizerinnen und Schweizer die Möglichkeit für Vorbezüge ihrer Pensionskasse im Rahmen der Wohneigentumsförderung. Ob die Bezüge für Neuerwerbungen oder für die Abzahlung der Hypotheken oder wertvermehrende Investitionen verwendet werden, ist aus den Zahlen des Bundesamtes für Statistik nicht explizit ersichtlich. Aber angesichts des tiefen Zinsniveaus hält sich der Anreiz für eine überobligatorische Amortisation der Hypothek seit langem in Grenzen und auch für wertvermehrende Investitionen in die Liegenschaft wird in der Regel die Hypothek aufgestockt und nicht die Pensionskasse angezapft. Der Löwenanteil der CHF 1.5 Mrd. jährlich vorbezogenen Vorsorgevermögen der zweiten Säule dürfte daher zum Erwerb von Wohneigentum bezogen werden.

Zwei Drittel der PK-Vorbezüger sind männlich. Da rund 60% der Eigentumsobjekte von Paaren gemeinsam gekauft werden und manchmal beide Pensionskassenguthaben eines Paars angezapft werden müssen, liegt die Zahl der jährlich mittels Pensionskassengeldern finanzierten Objekte etwas unter 20'000. Von den jährlich mehr als 30'000 Eigenheim-Freihandtransaktionen wird jedenfalls ein beträchtlicher Teil durch den Vorbezug von Alterskapital aus der zweiten Säule mitfinanziert.

 

Der Grossteil des vorbezogenen Vorsorgevermögens dürfte für den Erwerb von Wohneigentum bezogen werden.

Der Grossteil der vorbezogenen Pensionskassengelder dürfte für den Erwerb von Wohneigentum verwendet werden.

Verschärfte Regulierungen und deren Auswirkungen

Bis ins Jahr 2012 betrug das Volumen der PK-Vorbezüge für Wohneigentum jährlich noch rund CHF 2 Mrd. Der schlagartige Rückgang der bezogenen Vorsorgegelder um ein Viertel im Jahr darauf ist auf die Verschärfung der Eigenmittelvorschriften zurückzuführen. Diese verlangt, dass mindestens 10% des Kaufpreises einer Immobilie mittels «hartem» Eigenkapital, zu dem Pensionskassengelder nicht gerechnet werden, finanziert werden muss. Der durchschnittlich pro Person bezogene Betrag hat sich mit der Einführung der neuen Regel jedoch nicht verändert. Der Rückgang des bezogenen Volumens war somit praktisch vollständig auf die um ein Viertel geringere Anzahl Bezüger zurückzuführen.

Die Anzahl Transaktionen im Eigenheimmarkt ging dagegen viel weniger stark zurück. 2013 wurden 8% weniger Freihandtransaktionen registriert als im Vorjahr. Neben der Einführung der neuen Eigenkapitalverordnung wurde dieser Rückgang zudem durch die rückläufige Bautätigkeit sowie die durch die steigenden Preise mehr und mehr limitierende Tragbarkeit überlagert. Die meisten willigen Käufer konnten sich also eine alternative harte Eigenkapitalquelle für die Finanzierung erschliessen. Statt der zweiten Säule wurde also die dritte geplündert oder es wurden anderweitige Cash Reserven eingebracht. Einigen Haushalten, die erst am Anfang ihres Vermögensaufbaus stehen, dürfte durch die Verschärfung aber tatsächlich der Traum vom Eigenheim verwehrt worden sein.

Neben dem, dass diese verschärfte Regulierung finanziell schwächer gestellten jungen Paare und Familien den Traum der eignen vier Wände verwehrt, hat die Regulierungsmassnahme bis heute den Effekt, dass den Pensionskassen pro Jahr CHF 500 Mio. mehr Kapital zur Verfügung steht. Da Pensionskassen im herrschenden Tiefzinsumfeld einen wesentlichen Teil ihrer Gelder in Immobilien investieren, werden mit einem Teil der nicht bezogenen Vorsorgegelder nun statt begehrter Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen Jahr für Jahr zusätzliche Renditeliegenschaften mit Mietwohnungen gebaut – die dann leer stehen, wie der Blick auf die seit Jahren steigende und heute rekordhohe Anzahl leerer Mietwohnungen zeigt. 

 

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Über den Autor

Francis Schwartz

Francis Schwartz

Francis Schwartz ist Immobilienmarktanalyst bei Raiffeisen Schweiz. Er ist seit 2018 im Raiffeisen Economic Research tätig und analysiert Entwicklungen und Trends im Schweizer Immobilienmarkt. Francis Schwartz studierte an der Universität Zürich und war vor seiner Tätigkeit bei Raiffeisen für die Graubündner Kantonalbank in Chur und am Swiss Real Estate Institut der Hochschule für Wirtschaft in Zürich tätig.