Wem gehören «unsere» Wohnungen?

Die Schweiz wohnt nach über zwei Jahrzehnten Wohneigentumsboom noch immer mehrheitlich in Miete. Zwar gibt es heute deutlich mehr Haushalte, die in den eigenen vier Wänden wohnen, aber längst nicht jeder kann sich dies leisten und wir erreichen wohl allmählich auch die Sättigungsgrenze beim Wohneigentum – trotz historisch tiefer Zinsen. Den Grund kennen wir zu Genüge: es sind die Tragbarkeitsvorgaben, welche den Weg ins Eigentum verbauen. Die Annahme liegt nahe, dass dem Mietwohnungsmarkt daher auch in Zukunft eine Schlüsselrolle bei der Versorgung der Schweiz mit Wohnraum zukommen wird.

Privatbesitzer dominieren

Zu den Eigentümerverhältnissen: Fast die Hälfte der Mietwohnungen hierzulande sind im Besitz von Privatpersonen. Die öffentliche Hand hingegen besitzt «lediglich» etwas mehr als vier Prozent der Mietwohnungen. In den Nachbarländern ist der Anteil der öffentlichen Hand um Einiges höher, was daran liegt, dass wir hierzulande keinen sozialen Wohnbau betreiben. Dafür sind die privaten Wohnbaugenossenschaften immerhin Eigentümer von 7 Prozent des Mietwohnungsbestandes. Auf denselben Anteil kommen Baufirmen oder Immobiliengesellschaften. Die institutionellen Anleger nennen knapp ein Drittel der Mietwohnungen ihr Eigen. Gefühlsmässig neigt man dazu, deren Anteil deutlich höher anzusetzen. In Tat und Wahrheit haben sie die Privatpersonen aber erst ab der Jahrtausendwende als stärkste Investoren abgelöst. Zuvor investierten die Privaten stets mehr als die Institutionellen. Vor dem Jahre 1946 gehörten ihnen sogar noch zwei Drittel aller Mietwohnungen. 

 

Schweizer Wohnungen

Fast die Hälfte der Mietwohnungen hierzulande sind im Besitz von Privatpersonen

Grosse Unterschiede nach Standort und Grösse

Bemerkenswert sind ferner Unterschiede in Bezug auf Wohnungsgrösse und Standort. Grosse Wohnungen, also solche mit 5 oder mehr Zimmern sind zu über 50% in der Hand privater Haushalte. Die institutionellen Anleger sind in diesem Segment nur mit knapp 27% vertreten und eher in Wohnungen mittlerer Grösse investiert. Die trifft auch für die Genossenschaften zu, die tendenziell mehr in 3-4-Zimmerwohnungen investieren als in grössere oder Kleinwohnungen von bis zu zwei Zimmern. Betrachtet man die Verteilung der Mietwohnungen auf die Grossregionen der Schweiz, sticht vor allem das Tessin ins Auge. Nirgends liegt der Anteil privater Eigentümer höher als dort (71.4%). Auf der anderen Seite weist die Genferseeregion den tiefsten Anteil privater Investoren auf. Dort befinden sich knapp 40% der Mietwohnungen in der Hand privater Haushalte. Der Kanton Zürich ist die Hochburg der Genossenschaften. Nirgends liegt ihr Anteil höher als dort, satte 12.7%. Reich und genossenschaftlich ist vor allem die Stadt Zürich.

 

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Martin Neff, der Chefökonom von Raiffeisen

Martin Neff, der Chefökonom von Raiffeisen

Über den Autor

Martin Neff gehört zu den führenden Immobilienexperten in der Schweiz. Er ist seit Anfang 2013 bei Raiffeisen Schweiz. Neff studierte Volkswirtschaft an der Universität Konstanz. Von 1988 bis 1992 arbeitete er beim Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) in Zürich, bevor er in die CS eintrat, dort das «Schweiz Research» aufbaute und seit 2008 Chefökonom war.