Wer zahlt die Miete nicht?

Wenn man sich vor Augen führt, dass es in der reichen Schweiz durchaus auch Armut gibt und somit Haushalte, die kaum genug zum Leben haben, dann erstaunt, dass man über Mietrückstände nur wenig hört noch liest. Gerade in schweren Zeiten, wie sie derzeit herrschen und in denen viele Leute um ihren Job bangen müssen oder sogar arbeitslos geworden sind, würde man eigentlich erwarten, dass es auch bei Mieten zu mehr Zahlungsausfällen bzw. Zahlungsrückständen kommt.

Mietzinsausfälle auch in Krisenzeiten eine Seltenheit

Doch halten sich die Ausfälle auch heute in beschaulichen Massen. Das war auch nicht anders in der Zeit der Immobilienkrise zu Beginn der 1990er-Jahre. Mietzinsausfälle privater Haushalte bildeten die Ausnahme und auch die privaten Wohneigentümer bedienten ihre Hypothek weiter und schnallten im Notfall anderswo den Gürtel etwas enger. Bevor Herr und Frau Schweizer Schulden ihre Wohnkosten nicht mehr bedienen, braucht es offenbar mehr als einen Immobiliencrash. Und wenn es finanziell wirklich so eng wird, dass man Ausstände nicht mehr begleichen kann, dann müssen Vermieter noch am wenigsten um ihr Geld bangen.

 

 Wohnkosten

Hierzulande müssen Vermieter noch am wenigsten um Ihr Geld bangen.

Schweizer Wohnungsmarkt geniesst höchste Bonität

Das ist erstaunlich, denn fast überall sonst wo sind es oft gerade die Immobilienbesitzer, die sich in einer Wirtschaftskrise Geld ans Bein streichen müssen, weil ihre Mieter nicht mehr bezahlen. Klagen ist da zwecklos, denn in vielen Ländern ist das Mietrecht dermassen mieterfreundlich ausgelegt, dass Eigentümer mangels Aussicht auf Erfolg gar nicht erst versuchen, ausstehende Mieten einzuklagen. Das ist hierzulande zum Glück kaum nötig, da die Zahlungsmoral rund ums Wohnen in der Schweiz schon fast vorbildlich ist. Bevor der Vermieter mal nicht zu seinem Geld kommt, muss zuerst der Staat warten, denn Steuerschulden werden in der Schweiz mal noch am ehesten vernachlässigt. Gleich danach kommen die Krankenkassenprämien und dann schon mal bald die Leasinggebühren für das private Fahrzeug, welche im Notfall nicht mehr bedient werden und erst wenn es ganz und gar nicht mehr geht, werden auch die Wohnkosten nicht mehr errichtet. Der Schweizer Wohnungsmarkt geniesst demnach höchste Bonität mit dem Resultat einer hohen Stabilität in Krisen. Das zeigt er gerade mal wieder. 

 

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Martin Neff, der Chefökonom von Raiffeisen

Martin Neff, der Chefökonom von Raiffeisen

Über den Autor

Martin Neff gehört zu den führenden Immobilienexperten in der Schweiz. Er ist seit Anfang 2013 bei Raiffeisen Schweiz. Neff studierte Volkswirtschaft an der Universität Konstanz. Von 1988 bis 1992 arbeitete er beim Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) in Zürich, bevor er in die CS eintrat, dort das «Schweiz Research» aufbaute und seit 2008 Chefökonom war.