Wer kauft was, wie, wo?

Die Schweiz ist mit einer Eigentumsquote von knapp über 36% eine Mieterhochburg. Allerdings stellt der Erwerb von Wohneigentum für die grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung ein wichtiges Lebensziel dar. Während jüngere Familien von einem Einfamilienhaus mit Garten träumen, entsprechen Eigentumswohnungen auch in späteren Lebensphasen eher den Bedürfnissen der Eigenheimkäufer.

Wohneigentum ist ein wichtiges Lebensziel

Mit einer Eigentumsquote von nur etwas über 36% ist die Schweiz im internationalen Vergleich eine absolute Mieterhochburg. Allerdings sind die Schweizer ein Volk von Mietern, die vom Wohneigentum träumen. Unzählige Umfragen bestätigen, dass der Erwerb von Eigentum für die grosse Mehrheit der Haushalte ein wichtiges Lebensziel darstellt. Unter anderem äussert sich die grosse Nachfrage nach Wohneigentum in seit über 25 Jahren stetig steigenden Preisen. Trotz Covid-19-Pandemie und historischer wirtschaftlicher Verwerfungen gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich daran etwas ändern wird. Weiterhin gilt: Wer kann, der kauft!

Die Auswertung der durch Raiffeisen finanzierten Freihandtransaktionen erlaubt spannende Rückschlüsse über die heutigen Käufer von Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen. So werden beispielsweise deutlich mehr als 50% der Einfamilienhäuser durch unter 40-Jährige gekauft. Bei Eigentumswohnungen lässt sich hingegen eine deutlich flachere Altersverteilung feststellen. Jeweils rund ein Viertel der Objekte werden durch Personen in ihren 30ern, 40ern und 50ern erworben. Bei den Käufern stark untervertreten sind unter 30-Jährige, welche sich nur selten ein Eigenheim leisten können. Nur gerade einmal 10% der Einfamilienhäuser und 9% der Eigentumswohnungen wurden letztes Jahr durch solche jungen Haushalte erworben. Ebenfalls spannend ist die Tatsache, dass rund 75% der Einfamilienhäuser durch Paare gekauft werden, während bei Eigentumswohnungen fast die Hälfte der neuen Finanzierungen auf Einzelpersonen laufen. Das Einfamilienhaus mit Garten stellt also offensichtlich für viele jüngere Familien nach wie vor einen wichtigen Aspekt in der Lebensplanung dar. Eigentumswohnungen hingegen entsprechen auch in späteren Lebensphasen eher den Bedürfnissen der Eigenheimkäufer und können, dank tieferer Preise, viel einfacher durch Einzelpersonen erworben werden. 

 

Das Einfamilienhaus mit Garten stellt offensichtlich für viele jüngere Familien einen wichtigen Aspekt in der Lebensplanung dar.

Das Einfamilienhaus mit Garten stellt offensichtlich für viele jüngere Familien einen wichtigen Aspekt in der Lebensplanung dar.

Die Lage beeinflusst den Preis der Wohnobjekte

Auch der Blick auf die geografische Verteilung erlaubt interessante Erkenntnisse. So zeigt sich beispielsweise, dass Einfamilienhäuser in den Schweizer Zentren deutlich seltener von jüngeren Haushalten erworben werden als ländlicher gelegene Objekte. Die Altersklasse der 40- bis 50-jährigen Hauskäufer ist in den Städten deutlich übervertreten. Neben dem möglicherweise stärkeren Wunsch nach dem Haus im Grünen in der Familienplanung jüngerer Haushalte dürfte vor allem das Preisniveau diese Differenzen erklären. Die Finanzierungshürden in Zentren sind deutlich höher als auf dem Land. Um die Tragbarkeits- und Eigenkapitalbedingungen zu erfüllen, müssen jüngere Haushalte daher vermehrt auf weniger zentrale Gemeinden ausweichen. Ähnliches zeigt sich bei der Finanzierungsweise der neu gekauften Einfamilienhäuser. Umso ländlicher ein Objekt liegt, desto höher wird es anfänglich belehnt. Höhere Differenzen zwischen dem Schätzwert und dem tatsächlichem Kaufpreis in den Zentren sowie die Notwendigkeit, mittels mehr Eigenkapital die Tragbarkeitsschwelle zu senken, dürfte diesen Zusammenhang erklären. Wer (noch) nicht auf viel Kapital zurückgreifen kann, muss sein Glück also in ländlicheren Regionen suchen.

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Über den Autor

Michel Fleury

Michel Fleury

Michel Fleury ist seit 2019 als Immobilienmarktanalyst im Economic Research von Raiffeisen Schweiz tätig. Dabei analysiert er täglich die Struktur und die Entwicklung des schweizerischen Immobilienmarktes. Michel Fleury hat an der Universität Zürich studiert und war vor seiner Tätigkeit bei Raiffeisen als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Swiss Real Estate Institut der Hochschule für Wirtschaft in Zürich beschäftigt.