Ein sicheres Rezept für noch mehr verlorene Lebenszeit

64% aller Schweizer arbeiten in der Stadt, aber nur 47% wohnen dort. Die unangenehmen Folgen dieses Ungleichgewichts erleben wir alle jeden Tag am eigenen Leibe: Gewaltige Pendlerströme überfüllen die Züge und verstopfen die Autobahnen zur Hauptverkehrszeit. Über eine Stunde pro Tag pendeln Herr und Frau Schweizer täglich zur Arbeit. Wer in der Stadt seine Brötchen verdient, pendelt sogar noch deutlich länger. Unrühmlicher Spitzenreiter in dieser Kategorie ist die einzige Schweizer Grossstadt Zürich. Über eine Stunde und 20 Minuten verbringen die in Zürich arbeitenden Beschäftigten täglich mit Pendeln.

Keine Trendwende in Sicht

An den immer länger werdenden Pendelwegen in die Stadt wird sich so schnell auch nichts ändern. Dabei ist es heute überhaupt nicht mehr so, dass die Städte aufgrund ihrer Attraktivität als Wohnorte nicht taugen würden; sie kommen für viele gerade wegen ihrer neuen Attraktivität fürs Wohnen nicht mehr in Frage. Denn eine Stadtwohnung oder gar ein Stadthaus können sich viele schlicht nicht mehr leisten. Zwar wächst in den Städten die Bevölkerung dynamisch, aber die Anzahl der Arbeitsplätze in der City wächst absolut noch stärker.

Das Problem: Die Wohnbautätigkeit in den Städten hält nicht mit ihrer steigenden Attraktivität mit. Die Leerstände in den Städten verharren im Promillebereich. Die Folge sind noch weiter davongaloppierende Mieten und steigende Preise. Für preiswerten Wohnraum muss man in der Folge in die Agglomeration oder aufs Land ausweichen. Und damit immer noch längere Pendelstrecken in Kauf nehmen.
 

bahnhof

Über eine Stunde pro Tag pendeln Herr und Frau Schweizer täglich zur Arbeit.

Berlin als schlechtes Beispiel

Bleibt zu hoffen, dass sich die Schweizer Städte angesichts der stetig steigenden Mieten kein Vorbild an Berlin nehmen. Dort haben Politiker nämlich einen Mietdeckel ins Spiel gebracht, welcher die Mieten für fünf Jahre auf dem Niveau von 2011 einfrieren würde. Darüber würden sich natürlich bestehende Mieter freuen. Aber eine solche Massnahme wäre zur Bekämpfung der Ursache der hohen Preise geradezu kontraproduktiv. Die Nachfrage nach städtischem Wohnraum würde zunehmen, das Angebot aber noch knapper, denn der Bau neuer Wohnungen würde durch eine Preisobergrenze unattraktiver. Die Folge wäre eine rückläufige Wohnbautätigkeit in der attraktiven Stadt. Und damit noch längere Pendelwege. Ein ökonomischer und ökologischer Unsinn.

Die einzige Lösung des Problems ist die Schaffung von Rahmenbedingungen, welche die Erstellung von Wohnraum in den Innenstädten fördern. Damit würden zig Fliegen mit einer Klappe geschlagen: günstigere Mieten, weniger Verkehrsbelastung und mehr Aufträge für die Bauwirtschaft.

Und nicht zu vergessen ein Gewinn von im ÖV oder Auto ansonsten verlorener Lebenszeit, mit der wir alle Besseres anzufangen wüssten.

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Über den Autor

Francis Schwartz ist Immobilienmarktexperte bei Raiffeisen Schweiz. Er ist seit 2018 im Economic Research tätig und analysiert im Team von Chefökonom Martin Neff Entwicklungen und Trends im Schweizer Immobilienmarkt. Schwartz studierte an der Universität Zürich und war vor seiner Tätigkeit bei Raiffeisen für die Graubündner Kantonalbank in Chur und am Swiss Real Estate Institut der Hochschule für Wirtschaft in Zürich tätig.