Wer wohnt im Einfamilienhaus?

Wer sich die typischen Bewohner eines Einfamilienhauses vorstellt, hat dabei wohl das klassische Bild einer Familie mit kleinen Kindern vor Augen, die fröhlich im grossen Garten spielen. Ein Blick in die neusten Zahlen der Gebäude- und Wohnungsstatistik des Bundesamtes für Statistik aber zeigt, dass dieses Bild schon lange nicht mehr der Realität entspricht.

Immer weniger Familien wohnen in Einfamilienhäusern

In gerade nur noch 30 % der Einfamilienhäuser in der Schweiz wohnten im Jahr 2020 Familien mit minderjährigen Kindern. Und diese Zahl nimmt in grossen Schritten ab. 2013 lag der Wert noch bei über 32 %. Auch wenn man den Familienbegriff etwas weiter fasst: Nur in etwas mehr als 40 % der Einfamilienhäuser wohnen Kinder und Jugendliche im Alter von bis zu 25 Jahren zusammen mit ihren Eltern. Diese Zahl ging im Vergleich zum Jahr 2013 sogar um drei Prozentpunkte zurück. Wie man es dreht und wendet: In der überwiegenden Mehrheit der Einfamilienhäuser wohnen heute keine klassischen Familien mehr.

 

Einfamilienhäuser werden immer weniger von Familien bewohnt.

Einfamilienhäuser werden immer weniger von Familien bewohnt.

In 25 % der EFH-Haushalte wohnten 2020 ausschliesslich Personen im Rentenalter. Diese Zahl steigt so schnell, wie diejenige der klassischen Familien abnimmt: 2013 lag diese Rentnerquote erst bei 22 %. In 17 % der EFH wohnt heute nur eine einzige Person. Auch dieser Anteil an Einpersonenhaushalten in den EFH nimmt seit Jahren zu. Die Alleinbewohner von EFH sind vor allem ältere Menschen. Und es sind deutlich mehr Frauen als Männer. Das liegt an der höheren Lebenserwartung und der Tatsache, dass nur sehr wenige ältere Haushalte ohne absolute Notwendigkeit einen Wohnungswechsel ins Auge fassen und sich verkleinern, wenn sich die Lebenssituation ändert.

 

Anzahl der Bewohner pro Einfamilienhaus nimmt stetig ab

Die Folge ist, dass die Anzahl der Bewohner pro Einfamilienhaus immer weiter abnimmt. Zwar leben in EFH grössere Haushalte als in Miet- oder Eigentumswohnungen. Aber Wohnungen in Mehrfamilienhäusern nutzen den Wohnraum viel effizienter. Auf jeden Bewohner einer Miet- oder Eigentumswohnung kommen im Schnitt 43,2 m2 Wohnfläche. In EFH sind es mit 54,6 m2 26 % mehr. Noch viel schlechter schneidet das EFH bei der Effizienz der Bodennutzung ab.

Die Rentner beanspruchen zu viel Platz und verwehren jungen Familien den Traum vom Einfamilienhaus, könnte man plakativ sagen. Doch wer kann das den Rentnern schon vorwerfen? Die Vorzüge eines EFH lassen sich besonders gut dann auskosten, wenn man viel Zeit zu Hause verbringt. Ausserdem lohnt sich ein Wechsel vom eigenen EFH in eine kleinere Mietwohnung auch finanziell meist nicht, da sich aufgrund des hohen Mietpreisniveaus damit kaum Wohnkosten einsparen lassen.

Bei der Erfüllung ihres EFH-Traums könnte jungen Familien nur eine höhere Neubautätigkeit helfen. Aber ein Blick auf die Projektpipeline offenbart schnell, dass eine höhere Produktion reines Wunschdenken ist. Im Gegenteil, es werden sogar immer weniger Einfamilienhäuser gebaut. Und diejenigen, die gebaut werden, sind im aktuellen Marktumfeld mit Rekordpreisanstiegen so teuer, dass sie nur für die wenigsten Familien finanzierbar sind. Damit wird sich der Trend fortsetzen: Immer weniger Kinder wachsen im Einfamilienhaus mit Garten auf.

 

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Über den Autor

Francis Schwartz

Francis Schwartz

Francis Schwartz ist Immobilienmarktanalyst bei Raiffeisen Schweiz. Er ist seit 2018 im Raiffeisen Economic Research tätig und analysiert Entwicklungen und Trends im Schweizer Immobilienmarkt. Francis Schwartz studierte an der Universität Zürich und war vor seiner Tätigkeit bei Raiffeisen für die Graubündner Kantonalbank in Chur und am Swiss Real Estate Institut der Hochschule für Wirtschaft in Zürich tätig.