Lassen wir die Kirche im Dorf?

Sicher wundern Sie sich, was diese Frage mit dem Immobilienmarkt zu tun. Es ist zunächst mal Tatsache, dass auch Kirchen Immobilien sind und in jedem Dorf ein Gotteshaus steht. Doch längst sind Kirchen nicht mehr so gut besucht, als zu den Zeiten, als sie gebaut wurden. Die Leerstandproblematik ist also nicht nur auf konventionelle Immobilien beschränkt. Auch Kirchen weisen einen Angebotsüberhang auf, denn die Nachfrage bricht mehr und mehr weg.

Kirchen werden umgenutzt

Im Jahr 1990 waren noch fast 86% der in der Schweiz wohnhaften Personen Mitglied der beiden Landeskirchen. Heute sind es noch knapp 60%. Längst ist der der sonntägliche Kirchengang kein regelmässiges Ritual mehr. 70% der Schweizer nehmen noch maximal fünfmal im Jahr an einem Gottesdienst teil. Manche Kirchen sind so leer, dass sie schlichtweg nicht mehr als solche genutzt werden. Haben Sie sich schon einmal gefragt, was mit all diesen nicht mehr genutzten Gotteshäusern geschieht? Sie werden nicht abgerissen, aber umgenutzt

 

Kirche im Dorf

Wo früher gebetet wurde, tanzen heute Partygänger

Statt vor dem Altar zu knien, nutzen Künstler ehemalige Kirchen als ihr ganz spezielles Atelier in einzigartigem Ambiente. In einer Kapelle in Bern steht heute eine Bühne, auf der Kabarettisten die Zuschauer zum Lachen bringen oder Kleinkünstler wirken. In Ebnat Kappel wurde aus einer Kirche ein Eventlokal mit einem „einmaligen Ambiente für Konzerte, Events, Lesungen, Comedy, Film und Kunst“. Kinder werden in einer ehemaligen Kirche heute ganztags betreut, namentlich entstand eine Kinderkrippe für viele Kinder statt eine Krippe für das Gotteskind. Die einzigartige Architektur von Kirchenbauten bietet augenscheinlich viel Raum für die Umsetzung kreativer Ideen. Aber auch ganz profane Nutzungen finden sich in ehemaligen Gotteshäusern, beispielsweise durch den Einbau von Büros. Ja selbst gewohnt wird in ehemaligen Kirchen, etwa in der ehemals neuapostolischen Kirche in Brienz. 

 

In der Umnutzung der Kirchen spiegelt sich auch der Wandel der Schweiz Richtung multireligiöse Gesellschaft wider. So finden sich Beispiele von Umnutzungen in russisch-, koptisch-, syrisch-, rumänisch- oder serbisch-orthodoxe Kirchen genauso wie solche in Gotteshäuser für evangelische Freikirchen. Bei der Kirche, die heute einem Bestattungsunternehmen als Geschäftsgebäude dient, könnte die räumliche Nähe zur für den Firmenzweck relevanten Infrastruktur ausschlaggebend gewesen sein. Nicht selten werden Kirchen leider aber auch abgerissen und müssen säkularen Neubauten weichen. Eigentlich schade, lassen wir doch die Kirche im Dorf. 

 

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Martin Neff, der Chefökonom von Raiffeisen

Martin Neff, der Chefökonom von Raiffeisen

Martin Neff gehört zu den führenden Immobilienexperten in der Schweiz. Er ist seit Anfang 2013 bei Raiffeisen Schweiz. Neff studierte Volkswirtschaft an der Universität Konstanz. Von 1988 bis 1992 arbeitete er beim Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) in Zürich, bevor er in die CS eintrat, dort das «Schweiz Research» aufbaute und seit 2008 Chefökonom war.