Sind leerstehende Wohnungen schlimm?

In den frühen Neunzehn-Achtzigerjahren machte die Zürcher Jugendbewegung den Anfang. Nicht viel später kam es auch in Bern zu Demonstrationen auf Grund einer als prekär empfundenen Wohnungsmarktsituation. 1989 schliesslich herrschte Wohnungsnot in den Städten. Eine Zahl spricht dafür Bände. In Zürich standen 1989 0.04% Wohnungen leer, also faktisch überhaupt keine.

Es braucht Leerstände

Auch wenn es den betroffenen Eigentümern wehtun mag, steht ausser Frage, dass aus volkswirtschaftlicher Sicht ein gewisser Leerstand auf dem Wohnungsmarkt wünschenswert ist. Im Zuge des wirtschaftlichen Wandels kommt es immer wieder zu Fluktuationen. Neue Arbeitsplätze entstehen, andere verschwinden. Das Gros dieses Wandels findet in den wirtschaftlichen Ballungszentren statt, jedoch nicht ausschliesslich. Folglich braucht es auch ausreichend Wohnraum, um diesen Wandel zu bewältigen. Die Zeiten, in denen man am Geburtsort zur Schule ging, arbeitete und schliesslich verstarb sind längst schon passe. Heute vollziehen wir im Laufe unseres Lebens oft mehrere Wohnortwechsel, manchmal auch über grössere Distanzen. Diese wandelnde Nachfrage nach Wohnraum kann sich aber nur da entfalten, wo ein entsprechendes Angebot vorhanden ist. Doch ausgerechnet da harzt es. 

 

Wo befinden sich die Leerstände?

Denn auch heute, da sich die halbe Schweiz um die hohen Leerstände im Wohnungsmarkt sorgt, bleibt Wohnraum an den stets gefragten Lagen Mangelware. Das trifft vor allem für die Städte Zürich, Genf, Bern oder Basel zu. Sobald man in die Agglomeration auszuweichen vermag, wird man auf der Wohnungssuche eher fündig. Dort ist das Angebot derzeit einigermassen vorhanden. Flüssig wird der Wohnungsmarkt aber erst in den peripheren Lagen. Dort herrscht ein Missverhältnis mit umgekehrten Vorzeichen. Ein reichlich vorhandenes Angebot, trifft auf eine eher schwache Nachfrage. In Randgebieten ist die Nachfrage sogar nicht nur schwach, sondern oft auch rückläufig. Da spricht man dann von strukturellem Leerstand. Und nur eine solcher Leerstand ist wirtschaftlich schädlich. 

 

Leerstände sind in gefragten und peripheren Lagen unterschiedlich.

Leerstände sind in gefragten und peripheren Lagen unterschiedlich.

Nicht nur Grund zur Sorge

Aktuell befinden sich die Leerstände im historischen Vergleich auf recht hohem Niveau. Seit im Sommer die jüngste Statistik dazu publiziert wurde, herrscht in der Schweiz emsiges Treiben. Die Regulierungsbehörden und einige Marktbeobachter sehen darin hohe Gefahr. Einige Investoren müssen tatsächlich nachkalkulieren, wenn sie ihre Flächen an den Mann/die Frau bringen wollen. Davon profitiert die Nachfrage. Und so gilt auch für leerstehende Wohnungen: des Einen leid, des Andern Freud. 

 

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   Martin Neff, der Chefökonom von Raiffeisen

Martin Neff, der Chefökonom von Raiffeisen

Martin Neff gehört zu den führenden Immobilienexperten in der Schweiz. Er ist seit Anfang 2013 bei Raiffeisen Schweiz. Neff studierte Volkswirtschaft an der Universität Konstanz. Von 1988 bis 1992 arbeitete er beim Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) in Zürich, bevor er in die CS eintrat, dort das «Schweiz Research» aufbaute und seit 2008 Chefökonom war.