News
- Unternehmertum
Iran-Krise bringt KMU zurück auf den Boden der Tatsachen
- Nach kurzer Erholung fällt KMU PMI unter Wachstumsschwelle
- Schwäche bei exportorientierten KMU treibt Rückgang
- Unsicherheit dämpft Erwartungen und Investitionsbereitschaft
St.Gallen, 1. Juni 2026. Der Raiffeisen KMU PMI ist im Mai deutlich zurückgegangen und liegt erstmals in diesem Jahr wieder unter der Wachstumsschwelle. Der Index sank von 52,1 auf 48,4 Punkte. Damit signalisiert der PMI eine Verschlechterung der Geschäftslage im verarbeitenden Gewerbe. Nach der zwischenzeitlichen Erholung in den Vormonaten zeigt sich, dass sich die Industriekonjunktur erneut eingetrübt hat. Besonders exportorientierte KMU berichten von einer spürbar schwächeren Entwicklung.
Vorzieheffekte verzerren Dynamik der Vormonate
Die positive Entwicklung im Frühjahr erweist sich rückblickend als nur vorübergehend. Im Zusammenhang mit der Eskalation des Iran-Konflikts kam es zu Vorzieheffekten: Unternehmen tätigten aus Sorge vor steigenden Preisen und möglichen Lieferengpässen vermehrt frühzeitig Bestellungen. Rund die Hälfte der exportorientierten KMU berichtet von solchen Effekten. Diese hatten die Auftragslage im März und April kurzfristig gestützt, fallen nun aber weg und belasten die aktuelle Entwicklung entsprechend.
Gedämpfte Erwartungen und hohe Unsicherheit
Wie die Sonderumfrage von Raiffeisen zeigt, erwarten nur rund 15 Prozent der exportierenden KMU im zweiten Halbjahr eine nachhaltige Erholung der Auftragslage. Mehr als die Hälfte rechnet erst im kommenden Jahr mit einer Verbesserung. Gleichzeitig besteht kaum Planungssicherheit. Nahezu 30 Prozent der Unternehmen kann derzeit keine klare Einschätzung zur weiteren Entwicklung abgeben. Die unsichere geopolitische Lage dürfte die Investitions- und Personalplanung vieler KMU entsprechend bremsen.
«Der Rückfall des PMI unter die Wachstumsschwelle verdeutlicht, dass die Erholung der Industrie nicht gefestigt ist. Temporäre Vorzieheffekte haben die Dynamik in den Vormonaten verzerrt, während die anhaltend hohe Unsicherheit nun wieder auf die Geschäftslage durchschlägt», erklärt Domagoj Arapovic, Senior Economist bei Raiffeisen Schweiz.
Über den KMU PMI von Raiffeisen
Der Raiffeisen KMU PMI beruht auf demselben Konzept wie die bewährten Einkaufsmanagerindizes (Purchasing Manager‘s Index). Rund 200 Firmenkunden von Raiffeisen aus allen Branchen des verarbeitenden Gewerbes werden monatlich zu verschiedenen Aspekten ihrer Geschäftsaktivität befragt. Dank der grossen Firmenkundenbasis der Raiffeisen Gruppe und der lokalen Verankerung der Raiffeisenbanken ist der KMU PMI breit abgestützt und repräsentativ für die ganze KMU-Landschaft. Die befragten KMU geben eine Einschätzung zu verschiedenen Aspekten der Geschäftsaktivität ab. Die Antworten werden in mehrere, gewichtete Subkomponenten unterteilt, die zu einem Gesamtindex zusammengeführt werden. Die Subkomponenten sind: Auftragsbestand (30%), Produktion (25%), Beschäftigung (20%), Lieferfristen (15%) und Einkaufslager (10%). Indexwerte von über 50 Punkte zeigen eine Expansion gegenüber dem Vormonat an, während Werte von unter 50 auf eine rückläufige Geschäftslage schliessen lassen.