Gelebte Nachhaltigkeit in Schweizer KMU

Höhere Ertragssicherheit dank robuster Rebsorten

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Hitze, Trockenheit, Schädlinge: Der Klimawandel setzt der Landwirtschaft zu. Winzer Roland Lenz begegnet dieser Herausforderung nicht mit Pflanzenschutzmitteln, sondern mit widerstandsfähigen Rebsorten. Damit erhöht er seine Ertragssicherheit und überzeugt dank Bio- und Pestizidfrei-Label seine Kundinnen und Kunden.

Nachhaltige Lösung gegen Schädlinge

Als Winzer ist Roland Lenz vom Klimawandel ganz unmittelbar betroffen. Seine Reben im Thurgau müssen künftig nicht nur mit trockeneren Böden und heisseren Temperaturen umgehen können. «Auch die Bedrohung durch Pilzbefall und Schädlinge hat sich verstärkt», sagt er. Mit Pestiziden und Fungiziden dagegen vorzugehen, hält Lenz aber für kurzsichtige Symptombekämpfung. Er setzt auf seinem Bioweingut Lenz auf eine nachhaltigere Lösung: neue, besonders robuste Rebsorten. «Von den 35 Rebsorten, die wir anbauen, sind bereits 25 pilzresistent», sagt Roland Lenz.

Seit den 1980er-Jahren wird in der Schweiz an diesen pilzwiderstandsfähigen Sorten – kurz PiWi – geforscht. «In den vergangenen paar Jahren hat das Interesse seitens Weinbauern merklich zugenommen», berichtet Roland Lenz. Aus gutem Grund: Ökonomische Argumente wie eine höhere Ertragssicherheit und geringere Kosten für den Pflanzenschutz sprechen dafür. Und auch Kundinnen und Kunden achten beim Einkauf vermehrt auf Labels wie «Bio» oder «Pestizidfrei».

 

Ausgleichsflächen fördern die Biodiversität

Roland Lenz und sein Team haben entlang der Rebberge vernetzte Biodiversitätsflächen angelegt. Lenz erzählt: «Wir haben rund 15’000 Rebstöcke ausgerissen und 3 Hektaren Fläche der Natur zurückgegeben.» Dabei geht es dem Winzer nicht nur um die Förderung der Artenvielfalt, sondern insbesondere auch um den Schutz seiner Pflanzen: «Auf den Ausgleichsflächen finden Insekten ein reiches Blütenangebot und bedienen sich folglich kaum mehr bei unseren Reben.» 

Das Engagement im Sinne der Natur zahlt sich aus – 2019 war das Bioweingut Lenz AG für den Raiffeisen Unternehmerpreis Ostschweiz nominiert.

 

Wissen an andere Winzer weitergeben

Roland Lenz sieht die Natur als Partnerin – und ist damit ausgesprochen erfolgreich. «Wir verdienen gutes Geld mit unseren Weinen. Langsam spricht sich herum, dass sich Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit keineswegs ausschliessen.» Gerne gibt der Winzer sein Wissen darum auch an interessierte Berufskollegen weiter.

Der ökonomische Erfolg ist aber nur ein Aspekt, der den Thurgauer Winzer antreibt. Das nachhaltige Wirtschaften und die biologische Produktion sind ihm eine Herzensangelegenheit. «Es ist absehbar, dass unsere Kinder dereinst in unsere Fussstapfen treten und den Betrieb übernehmen werden. Ich will, dass ihnen unsere Rebberge noch lange Lebensgrundlage sein können.»

 

Weitere Nachhaltigkeitsinitiativen des Bioweinguts Lenz:

 

Bioweingut Lenz
Bioweingut Lenz

Auf knapp 20 Hektaren Fläche in den Kantonen Thurgau und Schaffhausen bauen Roland und Karin Lenz Reben an. Daraus keltern sie zusammen mit fünf Mitarbeitenden und zwei Lernenden 70 verschiedene Bioweine. Insgesamt 250'000 Flaschen werden pro Jahr produziert. Das Weingut Lenz wurde 1994 gegründet, seit 1996 wird nach biologischen Anbaumethoden gearbeitet.