Frühpensionierung

Sorgt Corona für Zwangspensionierungen?

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Corona sorgt für Stellenabbau. Ob Arbeitgeber zum Mittel der Frühpensionierung greifen, um Entlassungen zu umgehen, wird sich bald zeigen. Im Fachzentrum Finanzplanung von Raiffeisen wird dieses Szenario bereits antizipiert. Was aber bedeutet die erzwungene Frühpensionierung für die Betroffenen?

 

Corona sorgt für Stellenabbau

Ob Arbeitgeber zum Mittel der Frühpensionierung greifen, um Entlassungen zu umgehen, wird sich bald zeigen. Im Fachzentrum Finanzplanung von Raiffeisen wird dieses Szenario bereits antizipiert. Was aber bedeutet die erzwungene Frühpensionierung für die Betroffenen?

Die Krise fordert von der Wirtschaft weitere Opfer. Die Zahl der Arbeitslosen steigt und - mit Verzögerung, aber unerwartet hoch - auch die Zahl der Sozialhilfebezüger. Sobald die Bezugsdauer der Kurzarbeit ausläuft und Arbeitgeber gezwungen sind, ihre Kostenbasis zu verringern, könnte Angestellten im Alter von 58 bis 64 das Angebot der Frühpensionierung auf den Tisch flattern.

Die Berater des Fachzentrums Finanzplanung gehen davon aus, dass die erwartete Rezession und die Abschwächung am Arbeitsmarkt zu personellen Massnahmen dieser Art führen wird.

Firmen, die ihre Mitarbeiterbasis verkleinern müssen, brauchen diese Massnahme nicht als unpopuläre «Entlassungen» zu deklarieren. Die Pensionskassen haben ihre Leistungen für die Übergangsjahrgänge angepasst, für die eine frühere Pension sich eher lohnen würde. Das Angebot der Frühpensionierung anzunehmen, konnte also in normalen Zeiten durchaus lukrativ sein – allerdings ist zu bezweifeln, dass die Arbeitgeber in der angespannten wirtschaftlichen Lage noch «Abgangsgeschenke» macht.

 

Die Folgen verstehen

Bei einem Stellenverlust ab Alter 58 bieten die meisten Pensionskassen die Möglichkeit der Frühpension. «Für die Betroffenen einer erzwungenen Frühpensionierung ist wichtig, die langfristigen Auswirkungen zu verstehen», sagt Andrea Klein, Gruppenleiterin im Fachzentrum Finanzplanung von Raiffeisen. Wenn der Arbeitgeber den Vorschlag ohne Vorlaufzeit macht, kommt freilich der Zeitdruck hinzu. Die Frühpensionierung löst eine Rentenzahlung aus, die in der Regel tiefer ist als jene mit 65 Jahren. «Auf jeden Fall sollte man die Möglichkeit genau prüfen», empfiehlt Klein, «und sich situativ doch für die Entlassung anstelle der Frühpensionierung entscheiden.» So zumindest erhält man für zwei Jahre die Arbeitslosenentschädigung, mit der Chance der beruflichen Wiedereingliederung.

Beantworten müssen sich Betroffene die einfache, aber kritische Frage: reichen Rente und Abgangsentschädigung (auch sie unterliegt dem Steuer- und dem Sozialversicherungsrecht), um den Lebensstandard zu erhalten, wenn noch keine AHV-Zahlungen fliessen und die PK-Rente reduziert ist? Genügen die Vermögenswerte, um allfällige Lücken zu decken? Erwägenswert ist, trotz Austritt aus dem Erwerbsleben, die Möglichkeit der freiwilligen Weiterversicherung.

 

Wird die junge Generation früher austreten?

Sabina Littmann-Wernli

Das Pensionsalter 65 war für Arbeitnehmer der älteren Generation jene magische Grenze, die es zu erreichen gilt. Kann dasselbe von der jüngeren Generation erwartet werden? Die Leiterin des Ressorts Forschung im Bundesamt für Sozialversicherungen deutet die vorhandenen Zahlen.

Zum Interview

Wunsch zur Arbeitsreduktion steigt

Bei der Pensionsplanung stellen die Berater des Fachzentrums generell fest, dass das Thema Frühpensionierung zwar zunehmend angesprochen wird. Gemäss Umfragen würde sogar jeder zweite Berufstätige gerne früher in den Ruhestand gehen. Viele sind sich aber durchaus bewusst, dass sie sich vor allem aus wirtschaftlichen Gründen nicht vor dem ordentlichen Rentenalter pensionieren lassen können. Stärker wächst im Gegenzug das Interesse an einer Teilpensionierung und der Wunsch, mit den Jahren das Arbeitspensum kontinuierlich senken zu können. Für Klein ist ein Gesellschaftswandel absehbar: «Man gibt sich heutzutage mit weniger Geld zufrieden, wenn man im Gegenzug mehr Freiheiten zur Selbstbestimmung erhält.»

Das heute vielerorts praktizierte 80-Prozent-Pensum war noch vor wenigen Jahren nicht die Norm in der Arbeitswelt. Nach Angaben von SAKE (Schweizerische Arbeitskräfteerhebung) reduziert bereits ein bedeutender Anteil der Altersgruppe ab 58 in einem ersten Schritt den Beschäftigungsgrad. Und gemäss Bundesamt für Statistik lässt sich schon fast jede zweite Person Leistungen der beruflichen Vorsorge frühzeitig auszahlen. Allerdings deklarierten sich nur rund ein Drittel aller Personen wirklich als «frühpensioniert», was bedeutet, dass viele dieser Menschen noch einer Beschäftigung nachgehen.

Den höchsten Anteil von Frührentnern bildet die Gruppe der Männer, die ein Jahr früher in Rente gehen (40 Prozent). Frauen machen knapp 35 Prozent dieser Gruppe aus. Rund ein Viertel der männlichen und weiblichen Frührentner tritt zwei Jahre vor dem ordentlichen Pensionsalter aus. Den kleinsten Anteil machen jene rund zehn Prozent aus, die sich fünf Jahre vorher von der Arbeitswelt verabschieden.

 

Gefährliches Spiel

Das Fachzentrum Finanzplanung hält einen Planungszeitraum von fünf bis acht Jahre vor der gesetzlichen Pensionierung für angemessen für eine erfolgreiche Umsetzung der Zukunftsvision. «Leider», so Klein weiter, «schlittern manche förmlich unvorbereitet in die Frühpensionierung.» Frührentner, die sich in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten bringen, bleiben zwar Einzelfälle. Doch zeigt sich, dass der haushälterische Umgang mit Geld bei früheren Generationen ausgeprägter war als heute. 

Wissenslücken zu den Konsequenzen der Pensionierung schätzt Andrea Klein als «verhältnismässig gross» ein. Immerhin so gross, dass es manchmal scheint, als plane man die Details der nächsten Ferien besser als die eigene Pensionierung. Auch müssen die Berater vielfach feststellen, dass die Informationen von Arbeitgebern mangelhaft sind.

Am anderen Ende des Spektrums finden sich jene, die nach dem Pensionsalter weiterarbeiten wollen – oder müssen. 54 Prozent der Frauen (zwischen 64 und 69) und gut 61 Prozent der Männer (zwischen 65 und 70) geben an, aus «Freude an der Arbeit» erwerbstätig zu bleiben. Jeder Fünfte dagegen konnte die Arbeit aus finanziellen Gründen nicht aufgeben.

 

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