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08.07.2026

Anlageausblick zweites Halbjahr 2026: Stunde der Wahrheit

  • Die wieder anziehende Inflation zwingt die Notenbanken trotz konjunktureller Abkühlung zu einer restriktiveren Geldpolitik
  • Zunehmende Konzentrationsrisiken in Indizes sprechen für aktives Management statt passiver Marktabdeckung
  • Raiffeisen-Anlageexperten empfehlen eine defensivere Ausrichtung und breite Diversifikation 

St.Gallen, 8. Juli 2026. Nach einem starken Jahresstart führte der Iran-Konflikt im März zu einer temporären Korrektur an den Finanzmärkten. In der Folge trugen die Hoffnungen auf eine nachhaltige Friedenslösung im Nahen Osten sowie die anhaltende Euphorie rund um das Thema Künstliche Intelligenz (KI) zu einer deutlichen Erholung bei. Allerdings begrenzen die teilweise hohen Bewertungen und die wirtschaftliche Abschwächung das weitere Aufwärtspotenzial in der zweiten Jahreshälfte.

 

Inflation und Konjunkturaussichten senden Warnsignale

Die aktuell steigende Inflation in Kombination mit einer nachlassenden Konjunkturdynamik bringt die Notenbanken in ein Dilemma. So liegt etwa die Teuerung in den USA und in der Eurozone deutlich über dem Ziel der Notenbanken. «Für eine expansivere Geldpolitik besteht trotz nachlassender Konjunkturdynamik derzeit kein Spielraum. Die zu Jahresbeginn vom Markt erwarteten Zinssenkungen sind damit vom Tisch», sagt Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer (CIO) von Raiffeisen Schweiz. Gleichzeitig belastet der Angebotsschock bei fossiler Energie die Konjunktur. Für die Schweiz rechnen die Ökonomen von Raiffeisen im laufenden Jahr mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,8 Prozent. Auch in der Eurozone und in den USA liegen die Wachstumsraten unter ihrem jeweiligen Potenzialwachstum.   

 

Zunehmende Konzentration ist ein Risiko

Trotz geopolitischer Unsicherheiten und durchzogener Konjunkturaussichten konnten die Aktienmärkte im ersten Halbjahr zulegen. Insbesondere Schwellenländeraktien und US-Valoren notieren deutlich im Plus. Die hohen Investitionen im Bereich KI haben insbesondere Halbleiter- und Hardwareaktien beflügelt. Allerdings haben die Konzentrationsrisiken deutlich zugenommen. Während im Weltaktienindex (MSCI World) die USA fast drei Viertel des Index ausmachen, liegt der Anteil von Technologieaktien bei fast 35 Prozent. Dieser dürfte nach der Inklusion von SpaceX sowie den geplanten Börsengängen von Anthropic und OpenAI noch weiter zunehmen. «Wer indexnah investiert, geht oft unbewusst Klumpenrisiken ein, da die derzeit hohe Konzentration die Diversifikation spürbar einschränkt. Das ist ein klares Argument für eine aktive Vermögensverwaltung, die auch ein konsequentes aktives Risikomanagement umfasst», sagt Matthias Geissbühler.

 

Schweizer Dividendenaktien attraktiv

Hiesige Anlegerinnen und Anleger sind weiterhin mit tiefen Zinsen konfrontiert. Unter Berücksichtigung der Inflation fallen die Sparzinsen sogar negativ aus. In diesem Nullzinsumfeld gewinnen alternative Renditequellen an Attraktivität. Der Swiss Performance Index (SPI) weist derzeit eine durchschnittliche Ausschüttungsrendite von rund drei Prozent auf. «Im Hinblick auf die zweite Jahreshälfte erachten wir defensive, dividendenstarke Schweizer Aktien – etwa aus den Sektoren Gesundheit, Nahrungsmittel oder Versicherungen – als attraktiv», erklärt Matthias Geissbühler. Mit Blick auf die internationalen Börsen zeigen sich die Anlageexperten von Raiffeisen zurückhaltender. Bei Schwellenländeraktien wurden per Mitte Jahr Gewinne mitgenommen und die Quote taktisch reduziert. «Schwellenländer haben überproportional stark zugelegt, wobei die Performance von wenigen grossen Technologiewerten getrieben wurde. Nun schlägt die Stunde der Wahrheit, und die Luft für weitere Avancen ist kurzfristig dünn», sagt Geissbühler.

 

Immobilien und Gold sorgen für Balance

Als Portfolio-Beimischung bleiben Schweizer Immobilienfonds attraktiv. Die anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnraum und die weiterhin geringe Wohnbautätigkeit sprechen für moderat steigende Immobilienpreise. Zudem profitieren Anlegerinnen und Anleger von attraktiven Ausschüttungsrenditen von rund zwei Prozent. Auch Gold gehört – trotz hoher Kursschwankungen in den ersten sechs Monaten des Jahres – weiterhin in ein diversifiziertes Portfolio. «Die aufgrund des Iran-Konflikts stark gestiegenen Energiepreise und Kapitalmarktzinsen sowie der temporär festere US-Dollar haben den Höhenflug des gelben Edelmetalls abrupt gestoppt. Die Nachfrage der Notenbanken bleibt jedoch hoch und dürfte den Goldpreis stützen», erläutert Matthias Geissbühler. Raiffeisen empfiehlt in einem breit diversifizierten Portfolio eine Immobilien- und Goldquote von 6,5 respektive 7,5 Prozent.

 

Kurzfristig defensivere Ausrichtung

Aufgrund der geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten ist auch in der zweiten Jahreshälfte mit erhöhten Kursschwankungen zu rechnen. Antizyklisch empfiehlt es sich, nach der starken Kursentwicklung bei Technologieaktien einen Teil der Gewinne mitzunehmen und in defensivere Segmente umzuschichten. «Die hohe Konzentration in den Indizes, die ambitionierten Bewertungen und die losgetretene Welle von Börsengängen sind ein Zeichen dafür, dass der KI-getriebene Marktzyklus bereits weit fortgeschritten ist», sagt Matthias Geissbühler. Das Umfeld spricht derzeit für eine etwas defensivere Ausrichtung der Portfolios. Unabhängig davon bleibt Anlegen im Nullzinsumfeld alternativlos, weshalb an der langfristigen Anlagestrategie festgehalten werden sollte. 

 

Medienmitteilung (PDF, 166.1KB)