Gut geplant ist halb gewonnen – Einblicke in den Wahlkampf

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16. Oktober 2019

 


ipwalumni, die Ehemaligenorganisation des Instituts für Politikwissenschaft der Uni Bern, lud am 16. Oktober im Raiffeisen Forum Bern zum dritten Herbstanlass. Die eidgenössischen Wahlen vom 20. Oktober 2019 und der nunmehr endende Wahlkampf wurden zum inhaltlichen Schwerpunkt des Abends gemacht. Unter der Leitung von Melanie Eberhard vom Dachverband der Schweizer Jugendparlamente trug Politikwissenschaftlerin Cloé Jans (gfs.bern) ihre Erfahrung aus der wissenschaftlichen Perspektive bei und Sara Ryser (CVP) sowie Uni-Bern-Student Marcel Schuler (FDP) die beide auf den Generalsekretariaten ihrer Partei tätig sind, vermittelten einen Einblick in die Parteistrategien.

 

Interessant war zu erfahren, dass die Wahl-Vorumfragen gar nicht als Gradmesser für die Parteien fungieren, respektive nur untergeordnet. Vielmehr wird eine von langer Hand geplante und orchestrierte Kampagne von A bis Z durchgezogen. Es zeigte sich, dass die Parteizentrale nur übergeordnet die Fäden zieht und dass die kantonalen Sektionen nicht nur Freiheiten geniessen, sondern auch ganz spezifische Wahlkämpfe betreiben. In dieser Hinsicht kam auch das von der FDP betriebene Micro-Targeting zur Sprache. Diese Massnahme basiert auf der Kenntnis oder mindestens der Vermutung, wo parteiaffine Wählerinnen und Wähler aufgespürt, ganz gezielt angesprochen und – so die Hoffnung – mobilisiert werden können. Von US-amerikanischen Verhältnissen mit einem weitreichenden Zugriff auf Wahlregisterdaten, die mit persönlichen Eigenschaften verknüpft werden können, sei man in der Schweiz noch weit entfernt, gab Cloé Jans indes beschwichtigend zu bedenken. Diese Kampagnenmassnahme zeigt jedoch auf, wie die Digitalisierung die Meinungsbildung und damit die Wahlen zu beeinflussen vermag.

Ein grosses Thema war die Nutzung von Social Media. Die FDP gibt sich technologiebewusst, weswegen diese Kanäle eine wichtige Rolle spielen. Seitens der CVP wird weniger in die sozialen Netzwerke investiert. Jedoch gab die Negativkampagne der CVP zu reden. Während dieser Schritt von der CVP-Vertreterin relativierend in den Kontext eingebettet wurde, zeigte sich der FDPler irritiert. Vermittelnd stellte sich die Politologin zwischen die Fronten. Sie bezeichnete zwar die Kampagne als neu, jedoch weiche sie stark vom klassischen Negative Campaigning nach amerikanischem Vorbild ab.

Ob die Vorumfragen nun eine Relevanz für die Wahlkämpfe haben, kann zusammenfassend mit «Nein» beantwortet werden. Schuler gab an, dass die Trends viel mehr interessieren, als die «nackten Zahlen»; sprich, ob seit der letzten Umfragewelle ein Plus oder ein Minus verzeichnet wurde. Dadurch erkenne man, ob der richtige Weg eingeschlagen worden sei. Aber die vor Jahresfrist gefassten Strategien würden deswegen kaum angepasst. Insgesamt konnte der Wunsch, einen Einblick in die parteiliche Kampagnenarbeit zu gewinnen, mehr als erfüllt werden. Die Diskussion hat beim abschliessenden Beisammensein deutlich nachgehallt.