«Mensch, Tier!»

Drucken

9. Oktober 2019

 

«Das Verhältnis des Menschen zum Tier wird immer eigenartiger», so das Fazit von Bernd Schildger zu den Entwicklungen der letzten Jahre. Mangelnde Kenntnisse und eine zunehmende «Vermenschlichung» der Tiere benennt er als Hauptgründe für diese Entwicklung.
 

Vermutlich wurde niemals zuvor so viel, so eingehend, so demokratisch und dogmatisch über Tierschutz diskutiert wie in der heutigen Zeit. Andererseits brauchen wir aber eine noch nie dagewesene Zahl von Tieren für unsere Zwecke. In seinem neuen Buch «Mensch, Tier!» nimmt Bernd Schildger die Beziehung zwischen Mensch und Tier unter die Lupe. Mit seiner Präsentation und der anschliessenden Diskussion im Raiffeisen Forum räumt er mit gängigen Falschvorstellungen über die Tierwelt auf. In der zunehmenden «Vermenschlichung» des Tieres sieht er zwei Ursachen: Zum einen würden den Menschen falsche Vorstellungen mitgegeben – so zum Bespiel beim Fleischkauf im Supermarkt, wo die präsentierte Ware soweit bearbeitet ist, dass sie kaum mehr Ähnlichkeit mit dem Tier aufweist. Zum anderen spielen starke psychologische Faktoren mit. Der Mensch fühle sich in seiner Überlegenheit unwohl, und hegt ein starkes Bedürfnis, als «gut» anerkannt zu werden. Dies würde sich bei der Beziehung zu Haustieren zeigen, wo einerseits ein Unwissen über die biologischen Verhaltensweisen wie auch eine Projektion der menschlichen Bedürfnisse auf die Tiere zu Fehlverhalten führe.

Auf diese Art und Weise werde die Differenz zum Tier nach und nach aufgehoben. Die Diskussion um die Einführung von Grundrechten für Tiere sei eine Konsequenz dieser Entwicklung: Ein menschliches Konstrukt wird auf das Tier übertragen, ist in der Praxis aber nicht umsetzbar. Bernd Schildger würde sich stattdessen eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Tier wünschen. Auf rechtlicher Ebene sei die Festsetzung von Pflichten des Menschen gegenüber dem Tier sinnvoll, wie dies mit dem Tierschutzgesetz bereits der Fall ist.