«Datenschutz ist keine Religion» – Über Chancen und Gefahren von Big Data

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3. Juni 2019
 

«Big data is better data» so die These von Kenneth Cukier, einem Journalisten beim «Economist». Damit meint er nicht den Umstand, dass wir mit Big Data einfach mehr vom Gleichen bekommen. Vielmehr eröffnet Big Data fundamental neue Möglichkeiten, relevante Zusammenhänge zu erkennen und nutzbar zu machen. Beispiele reichen von der Gesundheitsversorgung über die Vorhersage von Besucherströmen bis zur dynamischen Preisgestaltung.
 

Am vierten Anlass der Reihe «Digitalisierung & Cloud» lieferte Roman Oberli, CEO von Axon Vibe, ein weiteres solches Beispiel: Auf der Basis von frei verfügbaren Handydaten arbeitet sein Start up weltweit an der Lenkung von Pendlerströmen und liefert somit einen Beitrag dazu, Überbelastungen des ÖV-Netzes zu vermeiden und Gelder (z.B. in Rollmaterial oder Bahnhöfe) dort zu investieren, wo sie den grössten Nutzen entfalten. Big data sieht er dabei nur als Werkzeug. «Was wir eigentlich machen ist Verhaltensforschung», so Oberli. Er selbst bezeichnet es dabei als «wahnsinnig spannend aber auch erschreckend», was man über einfache Daten alles herausfinden kann.

Dr. Adrian Lobsiger, als Eidgenössischer Datenschutzbeauftragter Schutzherr über private Daten von Herr und Frau Schweizer, verfiel aufgrund der Ausführungen von Oberli allerdings nicht in Alarmismus: «Datenschutz ist keine Religion», betonte Lobsiger. Zwar sei es wichtig, dass bei Vorhaben wie aktuell der Schaffung einer elektronischen Identität der Datenschutz von vornherein mit an Bord sei. Gerade bei der SwissID sei dies jedoch der Fall gewesen, weshalb er Stimmen, die in den Medien gegen die Vorlage, die am Folgetags des Events im Raiffeisen Forum von Ständerat verabschiedet wurde, mobil machten, nur beschränktes Verständnis entgegenbrachte. 

Problematisch könne es hingegen dann sein, wenn jene Unternehmen die Daten sammeln, mit unzähligen Auftragsdatenbearbeitern zusammenarbeiteten. «Diese verfügen alle über Kopien der bearbeiteten Daten und wir können nicht kontrollieren, was sie damit tun», so Lobsiger. Kontrolle sei jedoch auch nicht das Ziel: «Viel wichtiger ist der Datenschutz in den Betrieben, damit er die Eigenverantwortung stärkt und die Firmen bei schlechtem Management von Nutzerdaten einem Reputationsrisiko aussetzt.» 

 

Bankgeheimnis-Diskussion wirkt nach

Erfreut von dieser liberalen Haltung des Datenschutzbeauftragten zeigte sich mit Dr. Marc Holitscher der dritte Podiumsteilnehmer des Abends. Wie der CTO von Microsoft Schweiz mehrfach betonte, halte sein Unternehmen sehr hohe Datenschutz-Standards aufrecht. Gegen die US-Regierung habe es sich deshalb auch bereits vier Mal bis vor den Surpreme Court erfolgreich gegen die Herausgabe von Nutzerdaten gewehrt. Gleichzeitig zeigte sich Holitscher überzeugt, dass Big data bei einer progressiven Datenschutz-Regelung und gerade in der Verknüpfung mit Swissness für unser Land ein enormes Zukunftspotential aufweisen würde.  

Bei der Schaffung unserer gesetzlichen Rahmenbedingungen muss gemäss Adrian Lobsiger nun darauf geachtet werden, dass die regulatorischen Anforderungen im Vergleich zum Ausland als gleichwertig gelten. Ein Blick zurück auf die Aufgabe des Schweizer Bankgeheimnisses vor 10 Jahren verdeutlicht dies nur zu gut. Mit einem Schweizer Datenschutzgesetz, das sich an der EU-Datenschutzrichtlinie orientiert, könnten – so ein Fazit des Abends – jedenfalls alle Diskussionsteilnehmer sehr gut leben.

 

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