Anlageklasse des Monats: Alternative Anlagen

Anlageklasse des Monats: Obligationen

Der Handelsstreit, eine schwache Konjunktur, sinkende Inflationserwartungen und vorsichtige Notenbanken – der aktuelle Mix ist für purzelnde Anleiherenditen wie gemacht. Die von vielen herbeigesehnte Zinswende dürfte noch länger auf sich warten lassen.

Obligationenrenditen dürften weiter tief bleiben

Der Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China hinterlässt auch an den Obligationenmärkten seine Spuren: Die Zinsen sind seit Wochen weltweit im Sinkflug. In den USA fielen die Renditen für 10-jährige Staatsanleihen seit Herbst, als Donald Trump gegenüber China die zweite Eskalationsstufe zündete, um mehr als einen Prozentpunkt auf unter 2.2 %. Die Flucht in die Sicherheit liess aber auch die Renditen von deutschen Langfristanleihen merklich purzeln – zuletzt rentierten diese gar tiefer als japanische Staatspapiere. Und selbst Schweizer Eidgenossen nähern sich jüngst wieder den absoluten Tiefstständen aus dem Sommer 2016.

Renditen 10-jähriger Staatsanleihen

Quelle: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office.

US-Notenbank überprüft geldpolitische Strategie

Das Rezept für die tiefe Renditelandschaft besteht aber noch aus weiteren Zutaten. So haben sich die Konjunkturvorlaufindikatoren in den vergangenen Monaten weiter abgeschwächt. Der globale Einkaufsmanagerindex beispielsweise, ein wichtiges Stimmungsbarometer für die Weltwirtschaft, notiert nur noch knapp im expansiven Bereich. Darüber hinaus sind auch die Erwartungen der Marktteilnehmer in Bezug auf die Teuerung weiter zurückgegangen. Die Notenbanken sehen sich dabei angesichts immer engerer Arbeitsmärkte und zunehmend spürbarem Lohndruck immer mehr mit einem Rätsel konfrontiert. Nicht umsonst ist die US-Notenbank hinter den Kulissen derzeit daran, ihre geldpolitische Strategie in Bezug auf das Inflationsziel zu überprüfen. Vorerst betrachten die Fed-Mitglieder die tiefe Teuerung aber noch als «vorübergehend». Weitere Zinserhöhungen sind damit eigentlich nicht vom Tisch. Dennoch: In der Summe haben die Tauben innerhalb der Fed momentan die Oberhand und die Falken sehen sich zunehmend in die Ecke gedrängt. Das gleiche gilt für die meisten anderen Notenbanken rund um den Globus. Zuletzt war es die Notenbank Australiens, welche mit Blick auf die schwache Teuerung das Handtuch warf und bis Jahresende nun noch mehrere Zinssenkungen vornehmen dürfte.

Auch in den USA erwartet der Finanzmarkt – zumindest gemessen an den Terminmarktpreisen – in den nächsten zwölf Monaten weitere Zinssenkungen. Doch die Märkte sind nur äusserst selten eine Einbahnstrasse. Und so scheint unserer Meinung nach mittlerweile doch ein gehöriges Mass an Pessimismus in Bezug auf die künftige Zinsentwicklung eingepreist. Eine Gegenbewegung, wenn auch nur temporär, wäre in nächster Zeit somit nicht verwunderlich. Auch wenn nicht auszuschliessen ist, dass eine weitere Stufe der Zoll-Spirale die Renditen vorher kurzzeitig auf noch tiefere Niveaus drückt. Und selbst wenn ein kurzfristiger Boden nahe scheint – das längerfristige Fazit ist ernüchternd: Die Treiber, welche für die aktuell so tiefen Zinsen sorgen, werden uns noch längere Zeit erhalten bleiben. Insofern ist ein langfristiges Pendeln der Renditen in einer breiten Handelsspanne viel wahrscheinlicher als die von vielen herbeigesehnte Zins-Trendwende.

Was bedeutet eigentlich: Tauben und Falken?

Neben den bekannteren Bullen und Bären, welche steigende oder fallende Aktienkurse symbolisieren, gibt es im zoologischen Garten der finanzwirtschaftlichen (Bild-)Sprache auch Tauben und Falken. Diese Vogelarten stehen jeweils für eine bestimmte Ausrichtung der Geldpolitik beziehungsweise für die geldpolitische Haltung einzelner Notenbanker. Dabei sind es die Tauben, welche eine lockere Geldpolitik mit tiefen Zinsen bevorzugen. Sie nehmen das Risiko einer höheren Inflation zu Gunsten der Stimulierung der Wirtschaft in Kauf. Auf der anderen Seite des Spektrums stehen die Falken, welche der Preisstabilität mehr Bedeutung schenken und die lieber heute als morgen den geldpolitischen Ausnahmezustand, sprich Null- und Negativzinsen, beenden würden.