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15.08.2018

Auf der Suche nach der richtigen Sonnenbrille

Raiffeisen durchlebt die grösste Krise seit Bestehen. Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass die Gruppe in den Schlagzeilen steht. Längst bekannte Tatsachen werden aufgefrischt, neu zusammengefügt und oft spekulativ kommentiert.

Ich muss gestehen, es hat mir schon mehr Spass gemacht, für Raiffeisen zu arbeiten. Es ist natürlich angenehmer Komplimente entgegenzunehmen, Anerkennung zu ernten oder ein Dankeschön zu erhalten. Es fühlt sich gut an, Teil einer Erfolgsgeschichte zu sein. Wir alle sonnen uns in der Rolle der drittbedeutendsten Bankengruppe. Schliesslich haben wir es über all die Jahre zu etwas gebracht. Gut so. Aber hat dies nicht unseren Blick versperrt?

Wenn ich mit uns selbstkritisch ins Gericht gehe, frage ich mich schon, was schief ging. Sehr Vieles hat sicherlich mit der einen Person zu tun, die über viele Jahre mit seinem Charisma das Aushängeschild war und die Gruppe prägte. Mit seiner unmissverständlichen, klaren Sprache überzeugte er sowohl nach innen als auch nach aussen. Er war der sympathische Bergler, der scheinbar zufällig zum Banker wurde. Der «Anti-Banker» schlechthin, der alle in den Bann ziehen konnte.

Einiges hat aber auch mit uns selbst zu tun. Denn wer sich sonnt, riskiert von den Strahlen geblendet zu werden. Dies ist dann auch prompt passiert. Das aufsehenerregende Aufsichtsverfahren, welches schwerwiegende Mängel aufdeckte, blendete plötzlich so stark, dass jetzt alle nach Orientierung suchen. Dass sich etwas ändern muss, ist augenfällig. Von einem Neuanfang ist die Rede. Wie ein solcher konkret aussehen soll, wird heftig diskutiert. Zwei wichtige Weichen sind seit Kurzem immerhin gestellt: Der Verwaltungsrat wird neu besetzt und die operative Führung in andere Hände übergeben.

Unsere dezentrale Struktur hat viele Vorteile für Sie als unsere Kunden, weil wir rasch und flexibel auf Wünsche eingehen können. Innerhalb der Gruppe wirkt sie aber oft behäbig und schwerfällig. Es dauert deshalb seine Zeit, bis alles ausdiskutiert ist. Die Entscheide sind dafür breiter abgestützt und daher regelmässig tragfähiger. Ich bin daher zuversichtlich, dass die Suche nach der richtigen Sonnenbrille erfolgreich enden wird und wir uns nicht mehr so rasch blenden lassen.

 

Herzliche Grüsse

Roger Wichser
Vorsitzender der Bankleitung 

 

Roger Wichser, Vorsitzender der Bankleitung