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Chancen der Digitalisierung in Entwicklungsländern

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Lars Willi, CEO Weconnex, unterstützt mit seinen NEXUS-Projekten Drittweltländer in der nachhaltigen Geschäftsmodellentwicklung. Weshalb auch im Projektmanagement in Entwicklungsländern die Digitalisierung eine entscheidende Rolle spielt erfahren Sie im Interview.
 

Interview mit Lars Willi, CEO Weconnex 

Lars Willi, Sie führen ein Unternehmen in der «Circular Economy». Was heisst das bzw. können Sie uns diesen Begriff erläutern? 

Lars Willi: Grundsätzlich möchte man mit Circular Economy einen möglichst grossen Wiederverwendungsanteil von natürlichen Ressourcen anstreben. Man soll also möglichst wenig verschwenden. Wir setzen diese Idee in unseren Projekten von Beginn weg um. Wir möchten zum Beispiel mit unseren Fischern erreichen, dass diese nachhaltig mit Ihren Ressourcen umgehen und die Meere nicht überfischen, obwohl sie durch uns bessere Zugänge zu Märkten und Technologien erhalten. Auch die Energiegewinnung soll von Anfang an mit erneuerbaren Energien etc. bewerkstelligt werden. Das Konzept gilt aber auch für soziale Ressourcen. Wir streben einen fairen Umgang mit unseren Sozialpartnern an, um eine langfristige Zusammenarbeit sicherzustellen.

 

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung bei Ihren Projekten in Entwicklungsländern?

L. W.: Für unsere Projekte ist die Digitalisierung zentral. Ohne digitale Hilfsmittel können wir in den Ländern, in denen wir agieren, gar nicht arbeiten. Das beginnt bereits bei der Kommunikation, beispielsweise über WhatsApp oder Skype. In der Zukunft wird die Digitalisierung noch viel wichtiger, wenn man an die digitalen Zahllösungen, Blockchain etc. denkt.

Kleinbauer in Drittweltlland
Weconnex unterstützt Kleinbauern in Drittweltländern bei der nachhaltigen Geschäftsentwicklung

«Für unsere Projekte ist die Digitalisierung zentral. Ohne digitale Hilfsmittel können wir in den Ländern, in denen wir agieren, gar nicht arbeiten.»

Lars Willi, CEO Weconnex

Wie läuft so ein Projekt ab? 

L. W.: Wenn wir ein neues Projekt starten, werden wir meistens durch einen bestehenden oder neuen Partner auf eine Möglichkeit hingewiesen. Wir klären dann grob ab, ob unser NEXUS Ansatz in diesem Kontext funktionieren könnte. Falls wir eine Chance sehen, erarbeiten wir mit dem Partner zusammen das Vorgehen für eine Machbarkeitsstudie aus. Diese muss finanziert werden. Wenn die Finanzierung erfolgreich war, erfahren wir während dieser Studie, wie und in welcher Form ein NEXUS Projekt im neuen Gebiet umgesetzt werden könnte. Diese Erkenntnis versuchen wir in einem möglichst detaillierten Businessplan festzuhalten. Gelingt es uns eine Finanzierung für den Businessplan zu finden schreiten wir zur Umsetzung im Land.

Unser Ziel ist es, in Zukunft möglichst viele solcher Projekte in verschiedenen Gegenden umzusetzen. Dies müssen wir nicht immer selbst tun. Wir können uns gut vorstellen solche Projekte auch für andere zu begleiten. So leisten wir einen möglichst grossen Beitrag zur Erreichung der UN Nachhaltigkeitsziele.

 

Welche Chancen ergeben sich mit den neuen Technologien in der Entwicklungshilfe?

L. W.:  Moderne Kommunikationsmittel haben die Möglichkeiten der Entwicklungshilfe bereits jetzt stark beeinflusst. Ohne Skype, Cloud-Lösungen und anderen elektronischen Hilfsprogrammen wären komplexere Projekte wie unser NEXUS Projekt kaum zu managen. In Zukunft ergeben sich natürlich noch viele weitere Chancen. Ich denke hier an die digitalen Zahlungssysteme, die unsere Projekte stark vereinfachen können. Dazu kommen digitale Daten, die durch Sensoren, zum Beispiel im Bereich der Landwirtschaft, gewonnen werden können. Diese können helfen, Ökosysteme besser zu begreifen, Erträge zu verbessern und gleichzeitig zur Nachhaltigkeit beizutragen. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt.

 

Welches sind die Spannungsfelder hinsichtlich der Digitalisierung in Entwicklungsländern?

L. W.: Ein Problem sehe ich in der Erwartungshaltung, die teilweise gegenüber den Entwicklungsländern besteht. Da einige dieser Regionen moderne Technologien wie z.B. das Smartphone extrem schnell angenommen haben, gehen wir davon aus, dass ein sogenanntes Leap-Frogging auch bei anderen technischen Entwicklungen möglich sein muss. Dies muss aber nicht der Fall sein. Auch in Entwicklungsländern gibt es bei der Einführung neuer Technologien immer Verlierer. Wenn man sich das Bildungsniveau anschaut, wird es so sein, dass einige Menschen mit der Geschwindigkeit der Digitalisierung nicht mithalten können. Das ist schliesslich in unseren Breitengraden auch nicht anders. 

Hinzu kommt, dass viele dieser Länder primär die Beschäftigung ihrer Einwohner anstreben. Vielerorts geht es in den Entwicklungsstrategien nicht um Effizienzsteigerungen mit dem Einsatz von digitalen Technologien. Oftmals sollen zuerst möglichst viele Arbeitsplätze geschaffen und erst danach Steigerungen mit Technologien erreicht werden. Hier muss man ein gewisses Fingerspitzengefühl bewahren, um die Bedürfnisse der Menschen zu verstehen und darauf einzugehen.

 

Wo sehen Sie bezüglich Circular Economy Optimierungspotenzial bei Schweizer Unternehmen?

L. W.: Wir möchten unsere Erfahrungen aus unseren Projekten, gerne auch an andere Firmen in der Schweiz weitergeben. Potenzial sehen wir vor allem im Bereich der Circular Economy oder in der Integration der Wertschöpfungskette. Beispielsweise wenn es darum geht, Beschaffungsszenarien lokal abzubilden und enger mit lokalen Stakeholdern auf fairerer Basis zusammenzuarbeiten.

Lars Willi, CEO Weconnex
Lars Willi, CEO Weconnex

Weconnex ist ein Spezialist für nachhaltige Geschäftsmodellentwicklung und Projektmanagement. Mit dieser Einstellung wurden NEXUS Geschäftsmodelle definiert, welche in Entwicklungsländern umgesetzt werden. Weconnex bringt Infrastruktur, Technologie, Wissen und Kapital in die Projektregionen und arbeitet eng mit Kleinbauern und Fischern zusammen.

www.weconnex.org