Exportstudie: Wo steht der Schweizer Mittelstand?

Die Kernerkenntnisse der Exportstudie 2020

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Wo steht der Schweizer Mittelstand? Wir haben die Schweizer KMU zu den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf den Geschäftsverlauf, die Zukunfts- und Exportpläne sowie Internationalisierungsstrategien befragt. Hier lesen Sie die Kernerkenntnisse der KMU-Exportstudie. 

Die aktuelle Mittelstandstudie zeigt, dass die Stimmung bei den befragten KMU trotz teilweise massiver Umsatzeinbussen verhalten optimistisch ist. Zwei Drittel von ihnen sind zudem überzeugt davon, dass sie nicht länger als 12 Monate unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden werden. Laut Studie wurden in den vergangenen Jahren der Fachkräftemangel und das Abkühlen der bilateralen Beziehungen zur EU als grösste Risiken gesehen. 2020 sind es neben der Pandemie die sich abzeichnende Schuldenkrise Europas, die Wechselkursvolatilität und die nachlassende Dynamik in den ausländischen Märkten.

 

Rückläufige Umsätze & Marge – Wirtschaftslage der Schweizer KMU

Die Finanzlage der Schweizer KMUs wird sich für 2020 deutlich negativ entwickeln.

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Die Beziehung zur EU wird wichtig bleiben, aber sie wird als weniger relevant als im letzten Jahr eingestuft. Neu ist die stark erhöhte Bedeutung der Volatilität der Wechselkurse.

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Erkenntnisse aus der Exportstudie: Wo steht der Schweizer Mittelstand?

1. Zuversicht trotz schwieriger Situation

International tätige KMU spüren die Folgen der Corona-Pandemie ganz besonders: Grenzschliessungen haben den Zugang zu ausländischen Märkten erschwert, Auslieferungen sowie Inbetriebnahmen mussten verschoben werden und das Servicegeschäft vor Ort hat sich reduziert. Mittlerweile wirkt sich die Unsicherheit auch stark auf die weltweite Nachfrage für viele Investitionsgüter aus. 70 Prozent der befragten Unternehmer verzeichnen Umsatzeinbussen. Trotzdem bleiben sie zuversichtlich: Zwei Drittel erwarten, dass sich die Krise nicht länger als zwölf Monate auf ihr Unternehmen auswirken wird. Hinter dieser Erwartungshaltung steckt mehr als Zweckoptimismus, auch wenn sich einige Unternehmer möglicherweise an den kräftigen Rebound nach der Finanzkrise vor zehn Jahren erinnern. Viele KMU aus dem Exportsektor haben in den letzten Jahren ihre Anpassungsfähigkeit gegenüber Schocks erhöht, indem sie ihre Produktion flexibilisiert und ihre Kostenbasis variabilisiert haben. Auch die staatliche Unterstützung im Zuge des Corona-Lockdowns und die verschiedenen Konjunkturprogramme im Ausland dürften etwas Zuversicht gegeben haben. Natürlich ist die Einschätzung der Zukunftsaussichten aber stark branchenspezifisch.

 

Verhaltener Optimismus – Wirtschaftslage der Schweizer KMU

Obwohl sich die aktuelle Wirtschaftslage der KMU drastisch verschlechtert hat, besteht doch verhaltener Optimismus was die Zukunft betrifft.

Verhaltener Optimismus – Wirtschaftslage der Schweizer KMU

 

2. Neue Herausforderungen für die Exportwirtschaft

Bislang galten der Fachkräftemangel und das Abkühlen der bilateralen Beziehungen zur EU als grösste Hürde für eine erfolgreiche Exportwirtschaft für Schweizer Unternehmen. Mit der Pandemie haben sich die wichtigsten Herausforderungen verschoben:

  • Die Tendenz zu mehr Protektionismus – beispielsweise durch Importbeschränkungen oder höhere Zölle – macht es für Schweizer KMU schwieriger, international erfolgreich zu wirtschaften beziehungsweise überhaupt erst in der Exportwirtschaft Fuss zu fassen.
  • Eine erneute Schuldenkrise in Europa würde die wirtschaftliche Gesamtsituation der betroffenen Länder markant verschlechtern. Damit verlören zentrale Zielmärkte für exportorientierte Schweizer KMU an Attraktivität.
  • Die hohe Volatilität der Wechselkurse sorgt für Unsicherheit: Je stärker die Wechselkurse schwanken, desto schwieriger ist es für KMU, ihre Exportrisiken verlässlich zu kalkulieren.

Vor diesem Hintergrund wird es immer wichtiger, Absicherungsinstrumente in die strategische Planung einzuplanen. Zum einen bietet es sich an, zu analysieren wie hoch die Abhängigkeit zu den Wechselkursen tatsächlich ist. Zum anderen schafft eine Exportabsicherung mehr Vertrauen für beide Seiten.

 

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Zunehmender Protektionismus und die Schuldenkrise in Europa sind zentrale Konjunkturrisiken.

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3. Internationalisierung wird vorangetrieben

Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen erwarten zwei Drittel der Studienteilnehmer, dass die Expansion ins Ausland auch in Zukunft eine mittlere bis hohe Bedeutung haben wird. Die zwei wichtigsten Gründe, weshalb die Internationalisierung auch in der aktuellen Situation angegangen werden soll, sind folgende:

  1. Zugang zu neuen Kunden und Märkte
    Rund 80 Prozent sind überzeugt, dass sich die Pandemie längerfristig nicht auf ihre Internationalisierungsstrategie auswirken wird. Im Zentrum der internationalen Aktivitäten steht für die Mehrheit der Schweizer KMU folglich auch künftig die Erschliessung neuer Absatzmärkte und Kunden im Ausland. Dabei konzentrieren sich Schweizer KMU vornehmlich auf das grenznahe Ausland und die EU.
  2. Umsatzsteigerung
    Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, dass die Expansion ins Ausland sich lohnt, um Wachstum zu generiere und den Umsatz zu steigern. Produktion im Ausland oder Kostenüberlegungen haben dagegen deutlich geringere Bedeutung. Das zeigt: Trotz höherer Kosten bleibt der Standort Schweiz wichtig, denn dem Prädikat «Swiss Made» messen die KMU nach wie vor grossen Wert bei. Das gilt insbesondere für Kundendienst, Forschung und Entwicklung.

 

Internationalisierung bleibt wichtig

Export und Internationalisierung bleiben zentrale Erfolgsfaktoren für Schweizer KMU, auch in der Krise. Aber nur rund die Hälfte der Schweizer KMU hat eine klare Strategie.

Internationalisierung bleibt wichtig

4. Finanzierung von Internationalisierungsstrategien

Die Mehrheit der befragten Schweizer KMU bedient sich nur eines kleinen Repertoires an Finanzierungsmöglichkeiten für die Expansion. Im Zentrum stehen nach wie vor primär die Eigenmittel und, wenn auch weiter dahinter, Gesellschafterdarlehen. Dies korreliert stark mit den allgemein bekannten und genutzten Finanzierungsmitteln der KMU. Unter zehn Prozent der befragten KMU kennen und nutzen Finanzierungsmöglichkeiten wie Exportgarantien oder Investitionsgüter-Leasing

 

Internationalisierung – jetzt erst recht?

Eigenmittelfinanzierung überwiegt alternative Finanzierungsmöglichkeiten werden nicht genutzt.

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