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Finanzecke August 2025: Die Verunsicherung hält an
Der US-Zollhammer geht beinahe spurlos an den Börsen vorbei. Dennoch steigt die Verunsicherung bei den Anlegern. Gold ist gefragt, nicht zuletzt, weil die Inflation steigen dürfte.
Der US-Zollhammer scheint die Finanzmärkte vorerst nicht gross zu beunruhigen. Nachdem der Swiss Market Index (SMI) im Juli mit einem Minus von 0,72 Prozent leicht negativ tendierte, haben auch die per 1. August bekannt gegebenen Strafzölle von 39 Prozent auf Schweizer Importe in die USA nicht zu Panikverkäufen geführt. Dennoch hat die Unsicherheit für Anlegerinnen und Anleger mit einem Schlag deutlich zugenommen. Der Volatilitätsindex für den SMI, auch Angstbarometer genannt, ist von unterdurchschnittlichen 14 Zählern auf über dem Mittelwert liegende 16 angestiegen.
Ein Grund für die Resilienz des Marktes ist die Hoffnung, dass die Zölle im Rahmen von Nachverhandlungen weniger hoch ausfallen werden als angekündigt. Zudem berichteten Unternehmen über ein solides erstes Halbjahr.
So haben die hiesigen Pharmaschwergewichte Roche und Novartis ein gutes erstes Semester hinter sich. Zwar leidet Nestlé unter einer schwächelnden Nachfrage, gleichzeitig scheinen schwächere Konjunkturaussichten beim Nahrungsmittelkonzern in den aktuellen Aktienkursen weitgehend enthalten zu sein.
Ergebnisse sind besser als erwartet
Mehrheitlich seitwärts entwickelten sich die europäischen Börsen. Der EURO STOXX 50 kletterte im Monatsverlauf 0,31 Prozent. Getrieben wurde er vom Bankensektor, wobei vor allem die italienische Unicredit mit +13,6 Prozent und die spanische BBVA mit +12,1 Prozent stark zulegten. Die Berichtssaison in der Schweiz und in Europa zum ersten Halbjahr 2025 hat bislang zwei Signale gesendet. Erstens fällt sie besser aus als weitgehend erwartet und zweitens zeigt sie, dass viele Unternehmen unter dem schwachen Dollar, der konjunkturellen Verlangsamung und der angespannten geopolitischen Lage leiden. Dazu gehört der Automobilsektor, der klar gezeigt hat, dass die US-Zollpolitik Milliarden kostet.
Davon unbeeindruckt kletterten die USBörsen im abgelaufenen Monat von einem Rekord zum nächsten. Der breite S&P 500 legte im Juli 2,17 Prozent zu, büsste am ersten Handelstag im August aber beinahe so viel ein. Seit Anfang Jahr resultiert ein Plus von 7 Prozent. Im Fokus standen die grossen Technologiewerte. Allen voran der Halbleiterhersteller Nvidia, der dank einer starken Aktienperformance als erstes Unternehmen überhaupt eine Kapitalisierung von 4 Billionen erreichte. Aber auch andere Technologieriesen wie Alphabet, Microsoft und Meta haben gute Zahlen präsentiert und den Markt gestützt.
Vertrauensverlust beim Dollar
Für Anlegerinnen und Anleger, die in Schweizer Franken rechnen, trügt das Bild, weil der US-Dollar zum Franken seit Anfang Jahr um 11 Prozent eingebüsst hat. Dass er im Juli 2,4 Prozent zulegte, liegt vor allem an der anhaltend restriktiven Geldpolitik der US-Notenbank. Unter dem Strich hat die US-Valuta dieses Jahr an Vertrauen eingebüsst.
Dieser Vertrauensverlust spiegelt sich auch im anhaltend hohen Goldkurs. In den vergangenen Quartalen gehörten die Notenbanken zu den starken Goldkäufern, um ihre Abhängigkeit vom USDollar zu reduzieren. Da es sich dabei um strategische Investitionen handelt, ist in naher Zukunft nicht damit zu rechnen, dass sie als Verkäufer auftreten werden und das Angebot ausweiten.
Private kaufen Gold
Hinzu kommen die Käufe vieler privater Anleger, um sich vor der Inflation und geopolitischer Ungewissheit abzusichern. Es ist damit zu rechnen, dass sie ihre Goldpositionen weiter aufstocken. In der Summe wird der Nachfrageüberhang anhalten, und wir erwarten weiter steigende Goldnotierungen. Aus diesem Grund haben wir unser leichtes Übergewicht ausgebaut und sind im gelben Edelmetall mittlerweile stark übergewichtet.
Dass die Zollabkommen der Europäischen Union (EU) und Japans mit den Vereinigten Staaten – man hat sich auf einen Satz von je 15 Prozent geeinigt – an den Finanzmärkten positiv aufgenommen wurden, liegt daran, dass mit der Einigung ein Unsicherheitsfaktor verschwindet. Gleichzeitig bedeutet das eine klare Verschlechterung gegenüber Anfang Jahr. Die Inflation wird steigen und die konjunkturelle Entwicklung wird sich eintrüben.