News

12.05.2025

Finanzecke Mai 2025: Trump, Trump und nochmals Trump

Infolge der US-Zollpolitik haben sich die Konjunkturaussichten massiv eingetrübt. An den Aktienmärkten sorgt das für Volatilität. Gefragt sind sichere Kapitalhäfen wie der Schweizer Franken und Gold. 

Wenn man die Anlegerinnen und Anleger im April nach dem Unwort des Monats gefragt hätte, würden wohl «Trump» und «Zölle» ganz weit vorn rangieren. Der US-Präsident hatte im Rahmen des Liberation Day am 2. April flächendeckende Importzölle implementiert, nur um kurze Zeit später wieder etwas zurückzurudern. Es folgten eine 90-tägige Aussetzung der Sonderabgaben sowie zusätzliche Ausnahmeregelungen mitunter für elektronische Geräte. Unter den Börsianern sorgte Donald Trumps Zickzackkurs für Verunsicherung. Der Swiss Market Index (SMI) büsste in den ersten Apriltagen über 14 Prozent an Wert ein, und das Angstbarometer VSMI schoss auf ein Mehrjahreshoch. Im weiteren Monatsverlauf dämmte der Leitindex seine Verluste aber ein (–3,8%). Deutlich schlechter als der Gesamtmarkt entwickelten sich unter anderem die Papiere des Computerzubehörbauers Logitech, des Vermögensverwalters Partners Group und trotz ansprechender Geschäftszahlen jene des Logistikspezialisten Kühne + Nagel. Gesucht waren indes die Valoren des Pharmazulieferers Lonza, des Telekommunikationsunternehmens Swisscom sowie des Duft- und Aromaherstellers Givaudan. 

Noch stärker fiel die Erholung nach dem Zollschock an den Aktienmärkten in Europa und den USA aus: Der EURO STOXX 50 und der S&P 500 Index verabschiedeten sich mit einem Minus von 1,7 Prozent beziehungsweise 0,8 Prozent aus dem April. 

Trübe Wirtschaftsaussichten
Die US-Importzölle sind nichts anderes als eine Steuererhöhung. Das wird zunächst den Konsum dämpfen, bevor es dann die Profitabilität der Unternehmen belastet. Zugleich befeuern die Sonderabgaben die ohnehin schon hartnäckige Inflation in den USA. Entsprechend haben sich seit der Amtsübernahme Trumps die Konjunkturaussichten weiter eingetrübt. Nach ersten provisorischen Zahlen ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA bereits im ersten Quartal geschrumpft. Gleichzeitig ist der Core PCE, das Inflationsmass, das die US-Fed im Fokus hat, im Quartalsvergleich von 2,6 Prozent auf 3,5 Prozent gestiegen. Die USA befinden sich damit am Rand einer Stagflation.

Gefragte Kapitalhäfen
Das führt dazu, dass sich die US-Notenbank Fed in einer Zwickmühle befindet. Aus konjunkturellen Überlegungen müsste sie den Leitzins konsequent und rasch weiter senken. Wegen der Inflationsrisiken dürfte sie das aber vorerst nicht tun. Wir rechnen auf Jahressicht mit zwei Zinssenkungen. In Europa und der Schweiz dagegen gibt die rückläufige Inflation den Währungshütern Argumente, ihre Geldpolitik weiter zu lockern. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird ihren Leitzins entsprechend wohl bereits vor dem Sommer auf null Prozent senken. Sollte die Regierung in Bern auf Gegenzölle verzichten, könnte das deflationäre Tendenzen zur Folge haben. Angesichts dessen sowie der Stärke des Frankens wären mittelfristig sogar Negativzinsen denkbar.

Denn insbesondere gegenüber dem USDollar legte die Schweizer Valuta im April spürbar zu. Zeitweise war sie so teuer wie zuletzt während der europäischen Schuldenkrise im Jahr 2011. Ebenfalls von den Anlegern als sichere Kapitalhäfen gesucht waren Schweizer Staatsanleihen und Gold. Der Preis des Edelmetalls stieg zu Monatsmitte zeitweise auf über 3500 US-Dollar pro Unze.

Es profitierte dabei zusätzlich von dem schwächelnden Dollar und den Goldkäufen vieler Notenbanken, vor allem aus den Schwellenländern. Aufgrund seiner Qualitäten als Portfoliodiversifikator in unsicheren Marktphasen bleiben wir bei Gold übergewichtet. 

Es bleibt volatil 
Bei der jüngsten Erholung der Aktienmärkte handelt es sich um eine technische Gegenbewegung. Diese dürfte nun ins Stocken geraten, und ohne rasche und signifikante Fortschritte bei der Zollthematik ist mit erneutem Verkaufsdruck zu rechnen. An den Börsen wird es also volatil bleiben. Dafür spricht auch der Umstand, dass die Gewinnprognosen für das laufende Jahr zwar im Rahmen der Berichtssaison nach unten revidiert worden sind. Gemessen am konjunkturellen Bild dürften sie aber immer noch zu ambitioniert sein. Entsprechend empfehlen wir Anlegerinnen und Anlegern eine defensive Positionierung. Bei Schweizer Aktien haben wir Gewinne mitgenommen und die taktische Quote auf neutral heruntergesetzt. Neben der Zollthematik beschert der starke Franken den exportorientierten Unternehmen hierzulande zunehmend Gegenwind.

Wir stehen Ihnen zur Verfügung