Experteninterviews

Abstimmungsvorlage «Reform AHV 21»

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«In Zukunft müssen wir mit einer tieferen Altersrente rechnen und somit wird die 3. Säule immer wichtiger.»

Jeannette Weitnauer
Finanzplanerin mit eidg. Fachausweis

Die Finanzierung der AHV verschlechtert sich zusehends. Die Reformvorlage AHV 21 hat zum Ziel, das finanzielle Gleichgewicht der AHV bis 2030 zu sichern und das Leistungsniveau der Altersvorsorge zu erhalten. Erfahren Sie mehr über dieses Thema im Interview mit unserer Finanzplanerin Jeannette Weitnauer.

Wieso braucht es eine Reform der AHV?

Die finanzielle Lage der AHV (1. Säule) verschlechtert sich zusehends, da in den letzten Jahren die Zahl der Pensionierten stark gewachsen ist. Dank einer höheren Lebenserwartung werden Herr und Frau Schweizer immer älter und beziehen somit länger eine AHV-Rente. Die AHV-Renten werden im sogenannten Umlageverfahren finanziert, das heisst die geleisteten AHV-Beiträge der Bevölkerung unter 65 Jahre, werden direkt zur Finanzierung der aktuellen Renten an Pensionierte verwendet. Die demographische Entwicklung zeigt aber, dass die Bevölkerungsgruppe unter 65 Jahren kleiner wird, da die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter kommen. Im Moment kann diese Differenz aus dem AHV-Fonds finanziert werden. Die Finanzierungslücke des AHV-Fonds wird sich aber ohne Massnahmen bis 2030 auf 26 Milliarden Franken erhöhen.

Welche Massnahmen sollen ergriffen werden?

Die Vorlage „Reform AHV 21“ wird im Parlament immer noch diskutiert. Mit folgenden Änderungsvorschlägen kann oder muss unter anderem gerechnet werden:

  •  Das Rentenalter der Frauen soll von aktuell 64 auf 65 Jahre erhöht werden.
  •  Durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer (MwSt.) soll die AHV mitfinanziert werden.
  •  Mit einem flexiblen Rentenalter soll ein Anreiz für eine längere Erwerbstätigkeit geschaffen werden.

Rentenalter 65 für Frauen?

Ja, das Rentenalter der Frauen soll von aktuell 64 auf 65 Jahre erhöht werden. Dadurch zahlen die Frauen gleich lange AHV-Beiträge wie Männer. Die Anpassung soll schrittweise innerhalb von vier Jahren stattfinden.Übrigens haben sehr viele Pensionskassen das Rentenalter der Frauen bereits auf 65 Jahre erhöht. Möchte sich eine Frau mit 64 Jahren pensionieren lassen, wird für die Berechnung der Pensionskassen-Rente ein tieferer Umwandlungssatz verwendet.

Was muss ich unter „flexiblem Rentenalter“ verstehen?

Bereits heute können Sie Ihre AHV-Rente zwei Jahre vorbeziehen oder bis zu 5 Jahre aufschieben. Wenn Sie heute jedoch länger als bis 65 Jahre arbeiten, müssen Sie ab einem Einkommen von CHF 16‘800 (Freibetrag) weiterhin AHV-Beiträge leisten. Diese Beiträge werden aber nicht mehr für Ihre Rentenberechnung berücksichtigt. In Zukunft können Sie mit diesen Beiträgen nicht nur Ihre Rente verbessern, sondern auch Beitragslücken schliessen.

Braucht es eine Reform der AHV?

Es ist unbestritten, dass die AHV seit Jahren ein Finanzierungsproblem hat. Die AHV braucht mehr Einnahmen, um langfristig die Renten gewährleistet zu können. Die letzte Abstimmungsvorlage „Altersvorsorge 2020“ scheiterte im 2017 an der Urne. Wenn die jungen Leute von heute jedoch auch einmal eine AHV-Altersrente erhalten sollen, muss das Schweizer Volk wohl Kompromisse eingehen und einer Reform zustimmen.

Und was ist mit der 2. Säule, den Pensionskassen? Gibt es dort keine Finanzierungsprobleme?

Die demographische Entwicklung stellt auch für die Pensionskassen eine grosse Herausforderung dar. In der beruflichen Vorsorge spart zwar jeder sein eigenes Altersguthaben an, mit dem jedoch über einen immer längeren Zeitraum eine Altersrente finanziert werden muss. In der Abstimmungsvorlage „Reform BVG 21“ wird unter anderem die Senkung des BVG-Umwandlungssatz von aktuell 6.8 % auf 6 % vorgeschlagen, was eine tiefere Rente bedeutet. Dieser Umwandlungssatz ist nur für den BVG-Anteil des Altersguthabens massgebend. Für den überobligatorischen Teil haben die Pensionskassen schon lange reagiert und rechnen mit viel tieferen Sätzen. Die Vorlage „Reform BVG 21“ wird in Bern von den Parlamentariern immer noch heiss diskutiert. Sobald weitere Details bekannt sind, werden wir Sie wieder informieren.

Wir müssen also in Zukunft mit immer tieferen Altersrenten rechnen?

Ja, das ist leider so. Deshalb wird die private Vorsorge, die 3. Säule immer wichtiger. Fangen Sie rechtzeitig an, Ihre Altersvorsorge aufzubauen. Mit einem Fondssparplan können Sie monatlich in einen Vorsorgefonds investieren und haben damit die Chance auf eine etwas höhere Rendite als mit einem Vorsorgekonto 3a.

Ab Alter 50 wird das Thema „Pension“ dann langsam zentral; mit einer Pensionsplanung können wir Sie in der Planung Ihrer finanziellen Zukunft unterstützen und Ihnen diverse Möglichkeiten aufzeigen, wie Sie Ihre finanziellen Ziele erreichen können. Vereinbaren Sie doch einfach einen Termin mit uns!