Experteninterviews

Rundum-Garantie für die Respektierung des letzten Willens

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«Das eigene Schicksal kann niemand voraussagen. Darum macht es Sinn sich frühzeitig mit der Frage "Was wäre wenn ...?" auseinanderzusetzen.»

Frank Frey
Senior Erbschaftsberater Raiffeisen Schweiz

Über den Tod sprechen die wenigsten gern. Aber sich ihm entziehen oder plötzliche Schicksalsschläge ausschliessen kann niemand. Umso wichtiger ist die Vorbereitung auf das eigene Ableben. Der «Docupass» von Pro Senectute garantiert, dass der letzte Wille respektiert wird. 

Im Interview: Frank Frey, Senior Erbschaftsberater bei Raiffeisen Schweiz.

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Schweizerinnen und Schweizer liegt bei über 83 Jahren und steigt jährlich um drei bis vier Monate. Kann man unter diesen Voraussetzungen Gedanken zum Tod nicht getrost hinausschieben?

Frank Frey: Wir werden immer älter, das ist unbestritten ein Grund zur Freude. Trotzdem kann niemand sein eigenes Schicksal voraussagen. Schwere Krankheiten und Unfälle können leider jede und jeden von uns treffen. Manchmal ganz unverhofft und brutal. Darum ergibt es halt eben doch Sinn, sich die Frage «was wäre, wenn…?» nicht nur zu stellen, sondern auch frühzeitig zu beantworten und dies zu dokumentieren.

Und wie macht man das?

Indem man konkrete Anordnungen für den eigenen Todesfall schriftlich festhält: Wie soll die Bestattung aussehen? Gibt es ein Trauermahl oder eine Trauerfeier, in welchem Rahmen? Wo und wie will man aufgebahrt werden?

Im digitalen Zeitalter hinterlassen Verstorbene meist auch Spuren im Netz. Wie regelt man sein virtuelles Erbe sinnvollerweise?

Ein ganz wichtiger Punkt. Wie oft kommt es zum Beispiel vor, dass via Social Media Geburtstagswünsche an bereits verstorbene Menschen verbreitet werden? Es ist daher empfehlenswert, in seinem persönlichen Umfeld eine Vertrauensperson zu bestimmen, die sich im Fall der Fälle um alle persönlichen Daten kümmert. Vom Facebook-Profil bis zum E-Banking-Login. Diese Person muss natürlich auch über alle entsprechenden Verträge und Passwörter verfügen.

Was alles gehört denn rechtlich zum digitalen Erbe?

Alles, was ein Mensch online besitzt. Dazu gehören z.B. Fotos, Familienfilme, Konten auf Social Media Plattformen, E-Mail-Accounts, digitale Währungen und reservierte Domain-Namen.

Was sollte man zusätzlich im Hinblick auf den Todesfall noch regeln?

Natürlich sollte man sich auch dazu Gedanken machen und regeln, wer das Vermögen nach dem eigenen Tod erhalten soll.

Und wie mache ich das am besten?

Dazu stehen verschiedene Instrumente zur Verfügung, mit denen man über die Vermögensverteilung im Todesfall bestimmen kann. Man kann zum Beispiel ein Testament schreiben, wenn man über seinen Nachlass ganz allein bestimmen möchte. Ein Testament ist grundsätzlich einfach zu errichten, denn man kann es von Hand schreiben, datieren und unterzeichnen. In einem Testament müssen aber bestimmte Richtlinien eingehalten werden, ansonsten ist es ungültig oder kann angefochten werden.

Als Alternative zu einem Testament kann man mit seinen Kindern oder mit seinem (Ehe-)Partner zusammen gemeinsame Vereinbarungen in einem Erbvertrag treffen. Mit einem Erbvertrag lässt sich die Verteilung des Nachlasses noch individueller und mit weniger Einschränkungen regeln.

Für verheiratete Paare besteht zudem die Möglichkeit, mit einem Ehevertrag güterrechtliche Vereinbarungen zu treffen – dies um sich beispielsweise gegenseitig für den Todesfall eines Ehepartners besser abzusichern.

Egal für welche der oben genannten Instrumente Sie sich entscheiden, der Inhalt der Regelung ist entscheidend. Welches Regelungsinstrument nun mit welchem Inhalt im Einzelfall geeignete ist, kann nicht pauschal beantwortet werden, denn dies hängt stark von der individuellen Ausgangslage ab. Deshalb sollte man sich zu diesem Teilbereich der Nachlassplanung – der Vermögensverteilung im Todesfall – auf jeden Fall bei einem Spezialisten beraten lassen.

Nicht jeder Schicksalsschlag führt zum Tod. Was ist zum Beispiel bei einem Schlaganfall mit anschliessender Urteilsunfähigkeit?

In solchen Fällen ist eine vorgängig erlassene Patientenverfügung vorteilhaft. Darin hält man klar fest, wie man zu bestimmten medizinischen Behandlungen steht und wann die lebenserhaltenden Massnahmen abgestellt werden sollen. In dieser Patientenverfügung kann man zu allen möglichen Situationen und medizinischen Massnahmen klar Stellung beziehen und damit Ärzten und Angehörigen das Vorgehen erleichtern.

Gehört dazu auch die Frage nach einer möglichen Organspende?

Genau. In der Patientenverfügung kann auch eine Vertretungsperson eingesetzt werden, die im Bedarfsfall medizinische Fragen im Sinne des Patienten entscheidet.

Neben medizinischen müssen viele weitere Fragen geklärt werden.

Richtig. Deshalb beinhaltet der «Docupass» neben Anordnungen für den Todesfall sowie Patientenverfügung auch einen Vorsorgeauftrag. Dieser regelt etwa, wer bei eigener Handlungsunfähigkeit ausstehende Rechnungen bezahlt, das Haustier füttert oder den Briefkasten leert. 

 

Wo erhalte ich Unterstützung beim Errichten eines Testaments, eines Ehe- oder Erbvertrages?

Unsere Vorsorgeberaterin Jeannette Weitnauer unterstützt Sie zusammen mit dem Fachzentrum Erbschaftsberatung von Raiffeisen Schweiz.