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05.06.2020

Interview mit Matthias Mundwiler, Mitglied der Bankleitung

«Viele Firmen haben diese Zeit genutzt und neue Vertriebskanäle für sich entdeckt und aufgebaut sowie in die Digitalisierung investiert.»

Matthias Mundwiler
Mitglied der Bankleitung 

Matthias Mundwiler, Mitglied der Bankleitung und Bereichsleiter Firmen, Anlagen & Finanzplanung verfügt über jahrelange Erfahrung im Firmenkundengeschäft und kennt die Bedürfnisse und Anliegen der Unternehmerinnen und Unternehmer. 

Am 16. März hat der Bundesrat die „ausserordentliche Lage“ gemäss Epidemiengesetz beschlossen und die Schliessung zahlreicher Betriebe angeordnet. Wie hast du die Stimmung der Unternehmerinnen und Unternehmer nach diesem Beschluss erlebt?

Es herrschte bei vielen Unternehmerinnen und Unternehmern eine grosse Verunsicherung. Rasch stellte sich für viele auch die Frage nach der notwendigen Liquidität, um die anstehenden Rechnungen und Löhne zu begleichen. Unsere Firmenkundenberater führten auch entsprechend viele Telefongespräche mit besorgten Kunden, welche sich bei uns betreffend der Möglichkeiten einer Unterstützung bei einem Liquiditätsengpass erkundigten.

Welche Unterstützung haben Unternehmen bis anhin von euch bekommen?

Zu Beginn der Krise konnten wir einigen Kunden mit kurzfristigen Kontoüberzügen die notwendige Liquidität für die Begleichung von dringenden Rechnungen oder der anstehenden Löhne zur Verfügung stellen. Dann wurden wir in den ersten Tagen des Hilfsprogramms des Bundes mit sehr vielen Kreditanträgen überrollt. Dank grossem Einsatz von unserem Firmenkundenteam und unserer Kreditadministration konnten wir die Kreditanträge für die Covid-19 Kredite rasch abarbeiten und den vielen Firmen die nötige Liquidität zur Verfügung stellen. Wir stehen unseren Kunden in dieser Krise zur Seite und beraten sie über die Möglichkeiten der Liquiditätsversorgung. Raiffeisen stellt den Firmen eine Crowdfunding-Plattform „lokalhelden.ch“ zur Verfügung. KMU können die Plattform kostenlos nutzen, um Wertgutscheine zu verkaufen oder Spenden zu sammeln.

Wie schätzt du die aktuelle Situation in Bezug auf die Überbrückungskredite des Bundes ein?

Seit 2 Monaten haben die Kunden die Möglichkeit, einen Covid-19-Kredit in Anspruch zu nehmen.In den ersten Tagen haben über 100 Kunden davon Gebrauch gemacht. Seither erreichen uns noch 1-2 Anträge pro Tag. Aktuell wurden über CHF 11 Mio. an 140 Kunden ausbezahlt. Die Covid-19 Kredite müssen innerhalb von fünf Jahren durch die Kunden wieder zurückbezahlt werden. Es wird sich über die Zeit zeigen, ob die Firmen in der Lage sind, die Kredite mit der Bundesbürgschaft in der vorgegebenen Zeit zurückzuführen. Was aber sicher ist, dass mit der Soforthilfe des Bundes vorerst viele Konkurse vermieden werden konnten.

Für viele Betriebe geht es wieder aufwärts, andere sind allerdings nach wie vor sehr stark von der Krise betroffen. Welche Unterstützung könnt ihr den Firmen weiterhin anbieten? 

Wir versuchen für unsere bestehenden Kunden die finanzielle Belastung seitens der Bank für das Jahr 2020 zu minimieren, in dem wir die Amortisationen auf den bestehenden Krediten/Hypotheken aussetzen können. Im Weiteren werden wir aktiv unsere Kunden mit den Überbrückungskrediten für Unternehmen (über das Garantieprogramm des Bundes) versorgen. Wir können hier sehr rasch und unbürokratisch handeln. Wie bereits vor der Krise sind wir im regelmässigen Kontakt mit unseren KMU-Kunden und stehen als Partner in Finanzierungs- und Liquiditätsfragen zur Verfügung. Wir werden zusammen mit den Kunden die jeweils aktuelle Situation beurteilen. Somit können wir rechtzeitig erkennen, wo Herausforderungen entstehen und es können Lösungen gesucht werden. Wir haben die Möglichkeit, kurzfristigen Liquiditätsengpässe auch ohne Bundessicherheiten zu gewähren. Weiter können wir die Unternehmen beim Budgetprozess oder bei der Planung von Investitionen unterstützen.

Wie können Unternehmen aus der Krise wachsen und gestärkt hervorgehen?

Die Krise hat gezeigt, wie anfällig unsere Wirtschaft auf solche unvorhergesehenen Situationen reagiert. Viele Firmen haben diese Zeit genutzt und neue Vertriebskanäle für sich entdeckt und aufgebaut. Auch wurde verstärkt in die Digitalisierung investiert. Die Firmen müssen nun auf ihren Stärken aufbauen und positiv in die Zukunft blicken.