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09.03.2021

Jahresabschluss 2020

Matthias Renevey, Vorsitzender der Bankleitung und Fredi Zwahlen, Verwaltungsratspräsident im Interview zum Jahresabschluss 2020 und zur strategischen Zukunft unserer Bank. 

Matthias Renevey, Vorsitzender der Bankleitung und Fredi Zwahlen, Verwaltungsratspräsident vor unserem Hauptsitz in Liestal

Matthias Renevey, die Raiffeisenbank Liestal-Oberbaselbiet hat das Geschäftsjahr 2020 erfolgreich abgeschlossen. Sie konnten trotz der schwierigen Umstände den Ertrag weiter stärken.  Wie lautet ihr persönliches Fazit?

Unter Berücksichtigung aller Faktoren im vergangenen Jahr, darf ich festhalten, dass wir mehr als zufrieden mit dem Ergebnis sind. Die Vorzeichen waren alles andere als vorteilhaft. Es ist uns dennoch gelungen, unsere wichtigsten Kennzahlen weiter zu verbessern. Auffallend ist, dass wir im Ausleihungsgeschäft für einmal hinter unseren Erwartungen lagen. Was zählt sind aber die Ertragszahlen und diese konnten wir verbessern. Erfreulich ist die Tatsache, dass wir trotz anhaltend tiefer Zinsen und einer immer enger werdenden Marge den Bruttoerfolg aus dem Zinsgeschäft leicht steigern konnten. Noch erfreulicher ist die Entwicklung im indifferenten Ertrag. Wir haben die gesetzten, ambitionierten Ziele nicht nur erreicht, sondern übertroffen. Dass die Kosten unter den Erwartungen liegen, hat vor allem mit Corona zu tun, aber auch mit unserem Kostenmanagement. Bewusst investiert haben wir in unser Personal. Wir haben neue Stellen geschaffen und bestehende Pensen ausgebaut. Unseren Geschäftserfolg konnten wir trotz aller Massnahmen auf CHF 5,5 Mio. steigern, was uns sehr freut. Eine wichtige Kennzahl ist unser „Cost-Income-Ratio“ – also das Kosten-Ertragsverhältnis. Dieses liegt per Ende 2020 bei sehr erfreulichen 59.8%. Ebenso konnten wir unsere Eigenkapitalbasis weiter stärken, neu liegen wir, berechnet mit dem Standardansatz bei erfreulichen 16,3%.

Seit dem vergangenen Jahr beschäftigen wir auch einen eigenen Versicherungsfachmann. Mich persönlich freut es sehr, dass wir im sehr wichtigen Zweig Vorsorge neben der schon seit Jahren etablierten Finanzplanung nun auch die Absicherung mit Versicherungen aus unserem Haus sicherstellen können. Dies zusammen mit unseren externen Versicherungspartner Helvetia und Mobiliar, mit welchen wir eine enge Zusammenarbeit pflegen.

Zu erwähnen gilt es auch, dass sowohl unsere Kunden als auch die Mitarbeitenden die Coronamassnahmen hervorragend umgesetzt haben. Innerhalb der Bank hat sich niemand angesteckt.

Seit mehreren Jahren nun ist die Bank erfolgreich unterwegs. Wem ist dies zu verdanken?

Es ist die Summe vieler Dinge, die zum Erfolg unserer Bank führen. Ganz wichtig sind unsere Kunden, die uns täglich ihr Vertrauen aussprechen und damit die wertvolle Basis bilden. Natürlich auch die Mitarbeitenden, welche sich stets dafür einsetzen, die Ziele zu erreichen, aber gleichzeitig den Kunden und dessen Anliegen nicht aus den Augen verlieren. Schlussendlich auch die Führung der Bank - der Verwaltungsrat sowie die Bankleitung, welche sich seit Jahren sehr innovativ zeigen und auch neue Wege beschreiten. Das Zusammenspiel zwischen der strategischen und der operativen Führung ist auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen sowie einem hohen Mass an Professionalität ausgerichtet. Dies ermöglicht viel.

Aus meiner Optik ausschlaggebend sind auch unsere kurzen Entscheidungswege. Wir entscheiden vor Ort und dies innerhalb kurzer Zeit, dies erachten wir als Mehrwert für unsere Kunden.

Fredi Zwahlen, der Verwaltungsrat hat zusammen mit der Bankleitung die Strategie 2021-2025 verabschiedet. Was soll sich ändern und wo möchte die Bank im 2025 stehen?

Unsere Bank steht vor einer wichtigen Weichenstellung und zugleich vor einer grossen Herausforderung. Wir sind und waren es gewohnt, uns Jahr für Jahr mit unserem angestammten Geschäftsmodell erfolgreich zu entwickeln und Rekordjahr an Rekordjahr zu reihen. Nun gilt es einerseits, unsere Genossenschaft-DNA zu einem modernen, für alle Generationen attraktiven Genossenschaftsmodell zu entwickeln und dieses in einem durch Kundennähe geprägten Auftritt tagtäglich und glaubwürdig zu leben. Andererseits sind wir gefordert, mit schlanken, und wo immer möglich, standardisierten Prozessen unnötige Kosten einzusparen. Dies werden wir über einen hohen Digitalisierungsgrad in den nächsten Jahren erreichen. Dieser darf jedoch auf keinen Fall zum Nachteil unserer Kunden stattfinden.

Eine ambitionierte Strategie, wo sehen Sie bei der Umsetzung die grösste Herausforderung?

Die grösste Herausforderung stellt sicher die Kompensation der erodierenden Erträge in unserem Kerngeschäft, dem Zinsgeschäft, dar. Wir sind gefordert, alternative Geschäftsmodelle, vor allem im indifferenten Bankgeschäft, zu entwickeln und erfolgreich zu betreiben. Dabei denke ich in erster Linie an das Vermittlungsgeschäft. Zum Beispiel an umfassende Angebote im Ökosystem Wohnen, an die Versicherungsvermittlung sowie an weitere periphere Dienstleistungen, welche dem Kunden den Leistungsbezug vereinfachen und wenn immer möglich auch vergünstigen. Für uns wird dies in den nächsten Jahren zu einer immer wichtiger werdenden zusätzlichen Ertragsquelle.

Als weitere grosse Herausforderung betrachte ich es, dass uns die digitale Transformation in allen Bereichen gelingen wird. Das heisst, dass wir als attraktiver Arbeitgeber mit neuen Arbeitsmodellen, mit entsprechenden Arbeitszeit- und Arbeitsplatzkonzepten sowie mit einer entsprechenden Führungskultur aufwarten können.

Zum Schluss, wie ist Ihr Ausblick auf das laufende Jahr?

Matthias Renevey

Ich bin verhalten optimistisch was die exogenen Faktoren wie Corona angehen. Wir sind aber gefordert, unsere Bank für die Zukunft fit zu machen. Fintechs werden noch vermehrter auf den Markt drängen. Es muss uns gelingen, in neuen Geschäftsfelder vorzustossen, uns zu etablieren und für unsere Kunden einen grösseren Mehrwert zu schaffen. Ein Teil davon wird der Ausbau des Vorsorgebereichs sein. Neu bieten wir auch in den Versicherungen Brokerage an. Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass auch das aktuelle Jahr für unsere Bank erfreulich ausfallen wird.

Fredi Zwahlen

Leider lassen sich die Pandemie-bedingten Einschränkungen zeitlich nicht planen. Ich bin jedoch angesichts der bevorstehenden Impfungen und der langfristig etablierten Vorsichtsmassnahmen bei der Bevölkerung optimistisch, dass wir bald gestärkt aus dieser Krise herauskommen werden. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir mit unserem Strategie-Fokus die Basis für eine erfolgreiche Zukunft gelegt haben. Und diese beginnt im Jahr 2021, da bin ich mir sicher.