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17.06.2020

Vorsitzender der Bankleitung im Interview zur Corona-Krise

«Die einschneidenden Veränderungen des täglichen Lebens waren für viele eine Herausforderung. Die Solidarität unter den Mitarbeitenden war sehr gross, das hat mich beeindruckt.»

 

Matthias Renevey
Vorsitzender der Bankleitung

Die Corona-Krise hat auch unsere Bank stark gefordert. Erfahren Sie im Interview mit Matthias Renevey, Vorsitzender der Bankleitung, wie die Mitarbeitenden und Kunden diese Zeit erlebt haben.

Seit rund vier Monaten beschäftigt die Schweiz nun die Corona-Krise. Ab dem 16. März hat die Raiffeisenbank Liestal-Oberbaselbiet zum sogenannten „minimalen Bankbetrieb“ gewechselt und diesen bis Ende Mai Aufrecht erhalten. Welche Auswirkungen hatte dies für Mitarbeitende und Kunden?

Es war für alle etwas Neues und etwas komplett anderes. Quasi von einem Tag auf den anderen haben wir unseren Bankbetrieb auf ein Minimum heruntergefahren. Der Grossteil der Mitarbeitenden musste von zu Hause aus arbeiten und sah die Kollegen nicht wie früher täglich im Büro. Dies bedingte auch neue und angepasste Prozesse – mehr digital, weniger Papier. Bis diese neuen Prozesse gegriffen hatten, benötigten wir gut zwei Wochen.

Auf Seite der Kunden bedeutete dies, dass die Kommunikation mit den Beratern fast ausschliesslich per Telefon oder Mail möglich war. Kundenbesuche in der Bank wurden auf ein Minimum reduziert. Aufgrund des Social Distancings mussten wir unsere Türen schliessen, damit sich nie zu viele Kunden aufs Mal in der Schalterhalle aufhielten. 

Wie haben die Mitarbeitenden und Kunden diese Zeit erlebt?

Zu Beginn war es fast etwas „spannend“, wenn ich mir dieses Wort erlauben darf. In der Bank herrschte eine gespenstische Ruhe und in unseren Kundenhallen, in denen sonst reger Betrieb herrscht, war auch kaum Betrieb. Nachdem sich alle mit den neuen Gegebenheiten arrangiert hatten, war alles etwas einfacher. Mitarbeitende in Risikogruppen mussten während der gesamten Zeit zu Hause im Homeoffice arbeiten, dies war sicherlich nicht einfach.

Unseren Kunden darf ich ein grosses Kompliment aussprechen. Trotz der grossen Einschränkungen hatten wir keine negativen Reaktionen. Alle unsere Massnahmen wurden akzeptiert und umgesetzt.

Gewöhnungsbedürftig waren sicherlich die grossen, einschneidenden Veränderungen des täglichen Lebens. Viele empfanden die Situation als surreal und benötigten einige Tage, sich daran zu gewöhnen und anzupassen. 

Wie wurden die Kunden während dieser Zeit unterstützt und beraten? 

Wir haben viel Wert darauf gelegt, unsere Kunden persönlich und via Homepage regelmässig zu informieren. Die Infos bezogen sich in erster Linie darauf, welche Schutzmassnahmen wir getroffen haben und wie die Kunden trotzdem mit uns in Kontakt treten können. Ebenfalls haben wir die Kunden über bargeldlose Möglichkeiten wie Karten, e-Banking oder TWINT informiert. Des Weiteren haben wir aufgrund der starken Schwankungen an den Börsen ein grosses Augenmerk auf den Anlagebereich gelegt und immer wieder über die aktuelle Lage informiert.  

Selbstverständlich waren unsere Berater und Beraterinnen jederzeit per Telefon und per Mail erreichbar, um die Kunden bei Fragen und Anliegen zu unterstützen. Beratungsgespräche wurden in erster Linie per Skype durchgeführt. Besonders viel zu tun hatten unsere Firmenkundenberater, welche zahlreiche Corona-Kredite bearbeitet haben und unsere Kunden bei Fragen unterstützt haben. 

Die Corona-Krise hat Betriebe teilweise dazu gezwungen, umzudenken und neue Wege zu finden. Wie war das bei der Raiffeisenbank Liestal-Oberbaselbiet?

Es war erstaunlich, wie rasch sich überall neue Wege aufgetan haben. Auch wir haben innerhalb kürzester Zeit viele Prozesse digitalisiert. In der Telefonie sind wir umgehend auf Skype for Business umgestiegen, was vor allem im Homeoffice zu einer markanten Verbesserung der Kommunikation geführt hat. Betriebliche Änderungen, welche vorher längere Diskussion ausgelöst hatten, wurden nun innerhalb von wenigen Tagen umgesetzt. Trotz der teilweise grossen Umstellungen hat unser Betrieb weiterhin reibungslos funktioniert. Die grösste Effizienz liess sich im Bereich der Meetings feststellen. Anstatt, dass alle Personen an einen Ort anreisen mussten, konnte bequem via Skype inklusive Videoübertragung diskutiert werden.

Wie kann ein Betrieb deiner Meinung nach an der Krise wachsen?

Wir haben wieder einmal vor Augen geführt bekommen, wie rasch Bewährtes und Eingespieltes innerhalb von Tagen in Frage gestellt wird. Es blieb keine Zeit über Kleinigkeiten zu streiten oder sich über Unzulänglichkeiten zu unterhalten. Was galt war, den Betrieb zu organisieren und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das war allen Mitarbeitenden bewusst. Es entstand trotz der räumlichen Distanz eine ganz neue Nähe. Was mich persönlich beeindruckt hatte, war die grosse Solidarität und die gegenseitige Rücksichtnahme, welche die gesamte Bank gelebt und umgesetzt hatte. Dies führt schlussendlich zu einer gesunden Basis des Zusammenarbeitens, was sich längerfristig auf den Erfolg einer Unternehmung auswirken wird.

Fairerweise möchte ich anfügen, dass wir als Bank es wesentlich einfacher hatten, als viele Betriebe in der Schweiz. Wir mussten uns nicht um das Weiterbestehen kümmern, sondern vielmehr lediglich darum, dass wir weiterhin reibungslos funktionieren.