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Iran-Krieg: Es drohen längerfristige wirtschaftliche Folgen
- Weltwirtschaftliche Auswirkungen vorerst überschaubar, es droht jedoch ein langwieriger Konflikt
- Entscheidend ist, ob die Strasse von Hormuz offengehalten und die Energieinfrastruktur der Golfstaaten geschützt werden kann
- Ölpreisanstieg hält sich bisher in Grenzen – besitzt aber Eskalationspotenzial auf über 100 USD
- Schweizer Wirtschaft ist direkt wenig abhängig vom Energiepreisanstieg, einige Branchen sind jedoch gegenüber einer Frankenaufwertung exponiert
St. Gallen, 3. März 2026. Angesichts der geringen internationalen Unterstützung des Iran und der Überlegenheit der israelisch-amerikanischen Streitkräfte bestehen Hoffnungen, dass der Krieg nicht allzu lange dauern wird. Ob diese Rechnung aber aufgeht, ist alles andere als gesichert. Weniger mit ihrem Raketenarsenal als vielmehr mit den günstigen und einfach zu lancierenden Drohnen könnte es dem Regime im Iran gelingen, die Lage in der Golfregion noch über eine längere Zeit hinweg zu destabilisieren. Wie dieser Gefahr ohne eine Verhandlungslösung oder den Einsatz von Bodentruppen Einhalt geboten werden kann, ist unklar. Zu letzterem scheint weder die Bereitschaft der USA vorhanden zu sein, noch wäre dies ohne monatelange Vorbereitungszeit möglich. Die Weltwirtschaft muss sich demnach womöglich auf einen längerdauernden Kriegseinsatz oder ein unbefriedigendes, instabiles Ergebnis einstellen.
Ölpreisanstieg hält sich bisher noch in Grenzen
Dank gut versorgter Energiemärkte und gedämpfter weltweiter Nachfrage hält sich der Ölpreisanstieg bisher in Grenzen. Wir rechnen in unserem Hauptszenario mit keiner weiteren Eskalation und einem Ölpreis von 75 USD im Dreimonatshorizont, womit die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft nur gering wären. Sollte jedoch die Strasse von Hormuz über Wochen faktisch nicht passierbar sein und Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Golfstaaten nicht unterbunden werden können, drohen Ölpreisanstiege in Richtung oder sogar über 100 USD. Dieses Alternativszenario würde die Inflation weltweit anheizen, Konsumenten und Unternehmen stärker belasten und der Weltwirtschaft einen spürbaren Dämpfer verpassen.
Schweizer Wirtschaft anfälliger gegen Frankenstärke und globale Konjunkturschwäche
Der Schweizer Aussenhandel mit dem Iran ist wegen der Sanktionen vernachlässigbar. Auch die gesamte Golfregion spielt keine grössere Rolle. Entscheidend ist daher, inwieweit der Krieg und die steigenden Energiepreise die globale Konjunktur beeinträchtigen. Vor allem energieintensive Handelspartner, welche auf Energieimporte angewiesen sind, dürften mehr negative Effekte zu spüren bekommen. Auch die USA wären stärker betroffen, da sich dort Energiepreisanstiege aufgrund der niedrigeren Energiesteuern stärker auf die Endverbraucherpreise niederschlagen.
In der Schweiz ist die Energiepreissensitivität der Verbraucherpreise im Vergleich deutlich geringer. Auch ein Ölpreis von 100 USD dürfte die Schweizer Inflation direkt und über Zweitrundeneffekte nicht mehr als einen halben Prozentpunkt höher ausfallen lassen. Die Inflation würde damit wegen der aktuell sehr gedämpften Preisentwicklung weiterhin moderat ausfallen. Zudem dürfte bei längeren negativen Auswirkungen des Konflikts auf die Weltwirtschaft die Sichere-Hafen-Funktion des Franken stärker zum Tragen kommen, was die Preisaufschläge wiederum dämpfen würde.
Eine stärkere Frankenaufwertung wäre, zusammen mit einer rückläufigen weltweiten Nachfrage, der wichtigste Belastungsfaktor für die Exportwirtschaft. Die Energieintensität der Schweizer Industrie ist im internationalen Vergleich hingegen weit unterdurchschnittlich. Deswegen wurde das hiesige Verarbeitende Gewerbe auch bereits durch den Energiepreisschock im Zuge des Ukraine-Krieges weniger stark in Mitleidenschaft gezogen.
SNB bereit für Deviseninterventionen – Hürde für Negativzinsen bleibt hoch
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat Anfang der Woche ihre Bereitschaft bestätigt, im Falle einer raschen und exzessiven Aufwertung des Franken am Devisenmarkt einzugreifen. Für massive Interventionen wäre aber ein Abrutschen des EUR/CHF-Wechselkurses deutlich unter die 0,90-Marke notwendig. Denn mit dem aktuellen Wechselkursniveau dürfte der Franken keine eindeutige Überbewertung aufweisen. Die Schweizer Währung hat sich gegenüber der europäischen Einheitswährung in realer Rechnung, das heisst bereinigt um die Inflationsunterschiede, in den letzten beiden Jahren seitwärts entwickelt.
Auch auf der Zinsseite herrscht derzeit kein Handlungsbedarf. Ein überschaubarer Energiepreisanstieg würde für sich genommen sogar helfen die tiefe Inflation etwas vom unteren Rand des SNB-Inflationszielbandes anzuheben. Im Falle einer starken Aufwertung des Franken, die mit Devisenkäufen allein nicht ausreichend gedämpft werden kann, würde es dahingegen wieder zu mehr importierter Deflation und höheren Abwärtsrisiken für den allgemeinen Preistrend kommen. Dann sind weitere Zinssenkungen nicht auszuschliessen. Die Hürde dafür dürfte aber weiterhin hoch liegen.