Betriebskredit – kurzfristige Betriebsfinanzierung

Alternative Referenzzinssätze zum Libor

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Die britische Finanzmarktaufsicht gab bekannt, dass sie die Ermittlung des Libors bis Ende 2021 einstellt. Der Wegfall des Libors bedeutet, dass ab 2022 alternative Referenzzinssätze herangezogen werden. Erfahren Sie, welche Änderungen die Umstellung mit sich bringt und was das für Finanzierungen bedeutet.
 

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Libor (London Interbank Offered Rate), der wichtigste Referenzzinssatz für Finanzierungen, wird Ende 2021 in den Währungen Schweizer Franken, Euro, Yen und Pfund Sterling eingestellt. In US-Dollar werden die Libor-Fixings noch bis Juni 2023 bestehen bleiben – Neugeschäfte werden jedoch bereits ab 31. Dezember 2021 nicht mehr möglich sein.
  • In den verschiedenen Währungsräumen wird der Libor durch alternative Referenzzinssätze (sog. ARRs, Alternative Reference Rates) abgelöst, in der Schweiz durch den SARON (Swiss Average Rate Overnight).
  • Die Bestimmung der Referenzzinssätze beruht auf realen Transaktionen und ist somit transparenter als der Libor, der zu grossen Teilen auf Schätzungen ausgewählter Panel-Banken basiert.
  • Die ARRs sind im Gegensatz zum Libor Tageszinssätze.

 

Änderungen auf den weltweiten Finanzplätzen

Die britische Finanzmarktaufsicht (Financial Conduct Authority - FCA) gab bekannt, dass sie nur noch bis Ende 2021, bzw. bis 2023 für ausgewählte USD Libor-Laufzeiten, die Ermittlung des Libors unterstützen wird. Aufgrund dieses Entscheids, werden für die fünf bisher durch den Libor abgedeckten Währungen (CHF, EUR, GBP, USD, JPY), alternative Referenzzinssätze verwendet. Die Empfehlungen hinsichtlich der Marktstandards und Umstellung auf die ARRs erfolgen in den Währungsräumen durch die jeweiligen nationalen Arbeitsgruppen. Die Berechnung und Verwaltung der Zinssätze geschieht durch Bank- bzw. Börseninstitute.

 

Überblick ARRs der wichtigsten Märkte und Währungen

Währung

Referenzzinssatz

Arbeitsgruppe

Zinsverwaltung

Veröffentlichung

Schweizer Franken (CHF)

SARON

(Swiss Average Rate Overnight)

Nationale Arbeitsgruppe für Referenzzinssätze in Franken

Swiss Stock Exchange (SIX Schweizer Börse)

2009

Euro (EUR)

€STR

(Euro Short-Term Rate)

Arbeitsgruppe zu risikofreien Zinssätzen für den Euroraum

European Central Bank

2. Oktober 2019

Britisches Pfund (GBP)

SONIA
(Sterling Overnight Index Average)

Working Group on Sterling Risk-Free Reference Rates

Bank of England

1997; überarbeitet per 23. April 2018

US-Dollar (USD)

SOFR

(Secured Overnight Financing Rate)

Alternative Reference Rates Committee

Federal Reserve Bank of New York

3. April 2018

Yen (JPY)

TONA

(Tokyo OverNight Average Rate)

Cross-Industry Committee on Japanese Yen Interest Rate Benchmarks

Bank of Japan

1992

 

Was ändert sich mit der Umstellung für Unternehmen?

Für Firmenkunden bedeutet die Einführung der ARRs, dass für Finanzierungen neu nicht mehr der Libor, sondern die Referenzzinssätze der entsprechenden Währungsräume herangezogen werden.

Die ARRs unterscheiden sich in gewissen Punkten voneinander (s. nächster Abschnitt). Allen gemeinsam ist jedoch, dass es sich um Tageszinssätze handelt, welche über eine bestimmte Laufzeit aufgezinst werden. Durch diese rückwärtsgerichtete Aufzinsung ist die Zinsbestimmung erst zum Ende der Zinsperiode möglich. Die grundlegende Änderung für Unternehmen ist damit die Entkopplung der Zinsbindung von der Kapitalbindung. Die Kapitalbindung bleibt bestehen, jedoch entfällt die Zinsbindung.

Grundlegende Änderungen dabei sind:

  • Der zu leistende Zinssatz kann erst am Ende der Zinsperiode berechnet und bekannt gegeben werden 
  • Die Berechnungsmethodik ist öffentlich einsehbar und transparent – die Basis hierfür bilden auf Markttransaktionen 
  • Das Zinsänderungsrisiko ändert sich von periodisch auf täglich

 

Überblick wichtigste Unterschiede Libor – ARRs

Referenzzinssatz

Libor

ARRs

Berechnungsmethodik

Berechnung des Libors basiert auf Zinszahlungen ausgewählter Panel-Banken

Transaktionsbasiert mit deutlich grösserem Volumen in den zugrunde liegenden Märkten

Laufzeiten

Zins ist laufzeitabhängig. Die Libor Laufzeiten sind Overnight, 1 Woche, 1 Monat, 2 Monate, 3 Monate, 6 Monate und 12 Monate

Tageszinsen (Overnight)

Zinsänderungsrisiko

Zinsänderungsrisiko periodisch

Zinsänderungsrisiko täglich

Besichert / Unbesichert

Unbesichert

Besichert: SARON und SOFR

Unbesichert: €STR, SONIA und TONA

Beim Libor handelt es sich um einen Referenzzinssatz, der sich auf Experteneinschätzungen ausgewählter Banken stützt, wohingegen die alternativen Referenzzinssätze (ARRs) auf real durchgeführten Transaktionen basieren. Die Zinsbestimmung beim Libor war somit vorwärtsgerichtet. Im Gegensatz dazu sind ARRs rückwärtsgerichtete Overnight-Zinssätze.